Vorfall um AfD-Chef Tino Chrupalla: Ermittler setzen auf Blut, Kleidung und Zeugen – Vorwürfe von der CSU

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Ingolstadt musste AfD-Chef Chrupalla plötzlich medizinisch behandelt werden und kommt ins Krankenhaus. Die Umstände sind unklar.
dpa; Collage: BefunkyDer Fall hat für viel Aufsehen gesorgt: Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Ingolstadt wird AfD-Chef Tino Chrupalla plötzlich ins Krankenhaus gebracht. Am Donnerstag (05.10.) wurde er auf der Intensivstation behandelt – warum und was passiert ist, ist allerdings unklar. Die Ermittler setzen nun auf die Untersuchung von Blut und Kleidung und auf Zeugen.
Unmittelbar nach dem Vorfall übernahm die Kripo die Ermittlungen. Laut einem Sprecher der Polizei dauern diese wohl noch mehrere Tage. Ergebnisse von Chrupallas Blutproben und den Tests an seiner Kleidung würden diese Woche wohl nicht mehr vorliegen, sagte der Polizeisprecher. Auch Zeugen werden noch vernommen, sowie Bildmaterial ausgewertet, das über ein eigenes Portal eingereicht worden war.
Angriff auf Chrupalla? Ermittlungen wegen Körperverletzung
Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hatte nach dem Vorfall am Mittwoch (04.10.) Ermittlungen wegen Körperverletzung eingeleitet, Verdächtige gab es dabei zunächst aber nicht. Am Donnerstag teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit, es lägen „keinerlei Erkenntnisse vor, dass Herr Chrupalla angegangen oder angegriffen wurde“. Bei der Veranstaltung hätten nach ersten Erkenntnissen „mehrere Personen Selfies mit Herrn Chrupalla gefertigt, bei denen es zu einem leichten Körperkontakt kam“.
Ob und wie stark der Politiker verletzt worden ist, ist noch nicht klar. Die AfD-Bundesgeschäftsstelle hatte von einem „tätlichen Vorfall“ gesprochen, ein Sprecher von Chrupallas Büro von einer „Einstichstelle“. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft sei an Chrupallas Oberarm lediglich eine „oberflächliche Rötung bzw. Schwellung“ festgestellt worden.
Kritik von Bayerns Innenminister Herrmann
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann machte der AfD am Donnerstag schwere Vorwürfe. Es sei erschreckend, „wie infam und hinterfotzig die AfD im Landtagswahlkampf versucht, aus den Vorfällen bei ihrer eigenen Klientel Kapital zu schlagen, ohne die Ermittlungen abzuwarten“, kritisierte der CSU-Politiker.
„Wenngleich von der Staatsanwaltschaft Ingolstadt aktuell ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Körperverletzung eingeleitet wurde, so gibt es bislang keine Erkenntnisse, dass Chrupalla angegangen oder angegriffen wurde“, betonte der Innenminister. „Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln weiter mit Hochdruck“, betonte Herrmann allerdings auch. „Dabei gilt es auch, gesichertes Beweismaterial auszuwerten.“
Keine weiteren Wahlkampftermine
Nach Angaben der AfD vom Donnerstagabend hat Chrupalla das Krankenhaus inzwischen verlassen. Er werde sich in „weiterführende ärztliche Behandlung begeben“, hieß es in einer Pressemitteilung. Alle geplanten Wahlkampftermine in Bayern seien abgesagt worden.

