Papst Ukraine
: Scholz kritisiert Äußerungen zu „Weißer Fahne“ - Die Reaktionen aus Deutschland

Mit seiner Äußerung über den Krieg in der Ukraine hat Papst Franziskus am Wochenende international für viel Aufsehen gesorgt. Nun hat sich auch der Bundeskanzler distanziert.
Von
David Hahn
Berlin
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Mit seinen Äußerungen zur Ukraine sorgte der Papst für internationales Aufsehen. So reagiert die deutsche Politik auf die Aussagen.

Andrew Medichini/dpa

Der Papst hatte am Wochenende dem Schweizer Sender RSI unter Anspielung auf die Ukraine gesagt, dass derjenige Stärke zeige, „der den Mut hat, die weiße Fahne zu hissen und zu verhandeln“. Die Ukraine wies den Aufruf scharf zurück. Auch aus Deutschland kam überwiegend Kritik. Die Stimmen der Politiker im Überblick:

Papst zu Ukraine: Deutsche Politik reagiert gespalten

Politiker in Deutschland haben unterschiedlich auf den jüngsten Vorstoß von Papst Franziskus für Friedensverhandlungen in der Ukraine reagiert. Während Bundesregierung und Koalitionsparteien ihr Unverständnis über die Äußerungen des Kirchenoberhauptes zu einer „Weißen Flagge“ äußerten, bekam Franziskus aus den Reihen der Opposition Zustimmung.

So reagiert die Regierung auf die Papst-Aussagen

Aus den Reihen der Regierungsparteien hagelt es Kritik an den Äußerungen und der Wortwahl des Papstes.

Olaf Scholz widerspricht Papst

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sei in dieser Frage nicht der Meinung des Papstes, erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Montag in Berlin. Man habe zur Kenntnis genommen, wie der Sprecher des Vatikan versucht habe, die Worte des Kirchenoberhaupts einzuordnen. Vatikansprecher Matteo Bruni erklärte später, der Papst habe „vor allem zu einem Waffenstillstand aufrufen und den Mut zu Verhandlungen wiederbeleben“ wollen. Grundsätzlich sei die Haltung des Papstes in der Frage des Ukraine-Kriegs „relativ linear“, so Hebestreit. Richtig sei, dass die Ukraine sich gegen einen Aggressor wehre und dafür viel internationale Unterstützung, auch von Deutschland, bekomme.

Baerbock: Vorstoß von Papst nicht nachvollziehbar

Deutlicher äußerte sich Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Der Vorstoß des Kirchenoberhaupts sei nicht nachvollziehbar für Menschen, die selbst das Kriegsgebiet im Osten des Landes besucht, die Folgen des Angriffs und das Leid der Bevölkerung dort gesehen hätten, sagte Baerbock am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Caren Miosga“. „Da frage ich mich: Wo ist da der Papst? Der Papst muss davon wissen.“

FDP-Spitzenkandidatin entsetzt über Wortwahl

Die FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, zeigte sich entsetzt über die Wortwahl des Papstes. „Die Opfer sozusagen aufzufordern, nicht mehr zu kämpfen, das ist schon bemerkenswert.“ Der Papst solle „diesbezüglich sich mal sortieren“, sagte die Verteidigungspolitikerin dem WDR. „Nicht die Ukraine muss die weiße Flagge heben, sondern letztendlich muss er Russland ansprechen.“

Ukraine: Opposition unterstützt Aussage des Papstes

Unterstützung erhielt Franziskus hingegen vom linken und rechten Rand der Opposition.

Gregor Gysi verkündet Zustimmung

Der Papst habe „völlig recht, dass zwischen Russland und der Ukraine die weiße Fahne gehisst werden muss, um Friedensverhandlungen beginnen zu können“, erklärte der Linken-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi über die Plattform X. Gysi griff zugleich „Rüstungslobbyisten in Deutschland“ an, die „versuchen, den Papst zu diskreditieren, weil sie ihn absichtsvoll missverstehen“.

Gysi, der sich als bekennenden Atheisten bezeichnet, hatte sich in der Vergangenheit schon häufiger positiv über den Papst geäußert. So stehe Franziskus „für die ursprünglichen christlichen Werte, ist sehr aufrecht und ehrlich“.

Sahra Wagenknecht unterstützt Aufruf zu Friedensverhandlungen

Die ehemalige Linken-Politikerin und jetzige Co-Vorsitzende vom BSW, Sahra Wagenknecht, nannte den Aufruf des Papstes „mutig und klug“, die Kritik daran respektlos. „Anders als die Bellizisten aus Union, Grünen und FDP, die unser Land mit Taurus-Lieferungen direkt zur Kriegspartei machen möchten, nimmt Papst Franziskus die Friedensbotschaft des Christentums ernst“, sagte Wagenknecht den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

AFD: Chrupalla begrüßt Papst-Aussage

Auch der AfD-Fraktionsvorsitzende Tino Chrupalla begrüßte auf X die Papst-Aussage. „Jeder Amtsträger mit Einfluss auf Weltpolitik sollte sich der Botschaft anschließen: Friede für Ukraine und Europa.“

(Mit Material der KNA und dpa)