TV-Duell Weidel vs. Wagenknecht: „Was ich Ihnen vorwerfe: Dass Sie sich von Rechtsextremisten einspannen lassen“

Sahra Wagenknecht (l), Parteivorsitzende des BSW, traf in einem TV-Duell auf die Kanzlerkandidatin der AfD, Alice Weidel.
J. Penschek/B. von Jutrczenka/dpaEin bisschen nervös sei sie ja schon, gestand die sonst so unterkühlte Sahra Wagenknecht vor dem Duell auf Welt TV mit AfD-Chefin Alice Weidel. Schließlich sei das Format ja schon ungewöhnlich. Weidel ließ sie erst einmal im Studio warten, erst kurz vor Beginn der Sendung traf sie ein. Vor dem Duell betonten beide, dass sie sachlich diskutieren wollten. Bei manchen Themen herrschte auch eine wahrnehmbare Einigkeit der Populistinnen. Aber sowohl Weidel als auch Wagenknecht hatten sich Themen ausgesucht, bei denen sie die Unterschiede deutlich machen wollten.
Gleich zu Beginn kritisierte die BSW-Chefin die „ehrabschneidenden Äußerungen“ aus Reihen der AfD, die Wagenknecht und ihre Parteifreunde als „nützliche Idioten“ bezeichnete, weil sie nach den drei Landtagswahlen in Ostdeutschland um eine Regierungsbeteiligung verhandeln. „Sie wollen doch auch regieren“, konterte Wagenknecht. Ein Überblick über die wichtigsten Themen.
Migration
Weidel wurde vom Moderator gefragt, was sie unter Remigration verstehe und wie sie konkret Hunderttausende abschieben wolle, wenn die Heimatländer sie nicht zurücknähmen. „Sie müssen es trotzdem tun“, sagte die AfD-Chefin. Wenn die Staaten sie nicht zurücknehmen würden, müssten sie unter Druck gesetzt werden.
Wagenknecht betonte, es sei ihr nicht klar, was die AfD unter Remigration verstehe. Geltendes Recht durchzusetzen, sei nichts Illegitimes. Dann setzte Wagenknecht zum strategischen Angriff an. Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke spreche von 20 bis 30 Millionen Menschen, die er abschieben wolle. „Ehrlich gesagt, da wird mir übel.“ Gut integrierte Menschen abzuschieben, sei unmenschlich. „Das ist das, was ich Ihnen vorwerfe: Dass Sie sich von solchen Rechtsextremisten einspannen lassen“, sagte Wagenknecht zu Weidel.
Später liest sie noch in aller Ausführlichkeit aus der Begründung für ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke vor, das Weidel vor sieben Jahren unterstützt hatte. Weidel wich Fragen zu dem Thüringer konsequent aus, es sei ihr sichtlich unangenehm gewesen, ihn in Schutz zu nehmen. Die Strategie von Wagenknecht war klar: Sie machte deutlich, dass sie AfD-Politiker wie Weidel nicht verteufeln will, aber nicht mit der Partei zusammenarbeiten könne, solange diese den Rechtsaußen-Flügel neben sich duldet.
Wirtschaftspolitik
Weidel und Wagenknecht kritisierten beide die Politik der Ampel-Koalition, speziell die Energiepolitik und die Strompreise. Beide wollen wieder Gas aus Russland importieren. Die Unterschiede: Weidel will die „Abgaben deutlich senken“ und die Schuldenbremse einhalten. Wagenknecht will Investitionen in die „absolut marode Infrastruktur selbstverständlich auch über Kredite finanzieren“. Schließlich bezahle der Staat niedrigere Zinsen als die Bürger.
Russlands Krieg in der Ukraine
Nicht „Territorialstreitigkeiten“ seien für den Angriff Russlands auf die Ukraine verantwortlich, behauptet Wagenknecht, stattdessen seien es die US-Militärbasen. Immerhin sagt sie: „Ich finde den Krieg verbrecherisch.“ Weidel wollte in dieser Frage kein Blatt zwischen AfD und BSW kommen lassen: „Das sind AfD-Positionen, wie wir sie von Anfang an vortragen.“ Was Wagenknecht nicht auf sich sitzen lassen wollte. „Frau Weidel, das finde ich jetzt billig.“
Israel und der Nahost-Konflikt
Wagenknecht finde es entsetzlich, was am 7. Oktober geschehen ist und der islamistische Terrorismus sei eine Gefahr. Aber es helfe ihm, findet Wagenknecht, wenn man so reagiere wie Israel das tue. Auf die Frage, ob sie es bedauere, dass sie in der Vergangenheit von einem „Vernichtungsfeldzug“ Israels sprach, griff sie die AfD an: Deren Image als Friedenspartei entspreche nicht der Wahrheit, wenn sie sich einseitig auf die Seite der Regierung Netanjahu schlage. Weidel betonte, sie sei beim Jahrestag am Montag mit ihren jüdischen Freunden in sich gegangen. „Und ich habe mit Schrecken darauf reagiert, was auf den deutschen Straßen los ist.“




Kanzlerkandidatin Alice Weidel:
Für Merz und Scholz könnte die AfD-Kandidatin gefährlich werden
Ausgerechnet die AfD ziehen als einzige mit einer Frau ins Rennen. Alice Weidel hat gegenüber der Konkurrenz noch einen weiteren Vorteil. Aber sie braucht vor allem eines, um erfolgreich sein zu können.