Gefahr zu groß
: Ärzte ohne Grenzen setzt Arbeit in Stadt Gaza aus

Luftangriffe und vorrückende Panzer: Aufgrund eines „inakzeptablen“ Risikos der israelischen Militäroffensive zieht Ärzte ohne Grenzen (MSF) die Mitarbeitenden aus der Stadt Gaza ab.
Von
afp
Berlin
Jetzt in der App anhören
Blick ins Al-Schifa-Krankenhaus, die größte Klinik des Gazastreifens: Hier soll nach israelischen Angaben die radikalislamische Hamas eine Terrorzentrale eingerichtet haben. Wegen des Krieges ist es nach palästinensischen Angaben kaum noch funktionsfähig.

Patients and internally displaced people are pictured at Al-Shifa hospital in Gaza City on November 10, 2023, amid ongoing battles between Israel and the Palestinian Hamas movement. Heavy fighting was raging near Al-Shifa hospital, with Israel saying it had killed dozens of militants and destroyed tunnels that are key to Hamas's capacity to fight. Israel launched an offensive in Gaza after Hamas fighters poured across the heavily militarised border on October 7, killing 1,400 people, mostly civilians, and taking around 240 hostages. (Photo by Khader Al Zanoun / AFP)

Trotz Einstellung der Arbeit in der Stadt Gaza kündigt die Organisation Ärzte ohne Grenzen weitere Unterstützung durch Materiallieferungen an – so auch fürs Al-Schifa-Krankenhaus, die größte Klinik des Gazastreifens.

KHADER AL ZANOUN / AFP
  • Ärzte ohne Grenzen (MSF) setzt Arbeit in Gaza-Stadt wegen „inakzeptablem Risiko“ aus.
  • Israelische Luftangriffe und Panzer bedrohen medizinische Einrichtungen und Mitarbeitende.
  • Materiallieferungen für Al-Schifa- und Al-Helu-Krankenhaus werden weiter gewährleistet.
  • Krankenhäuser in Gaza überlastet – gravierender Mangel an Personal, Gütern und Treibstoff.
  • MSF fordert sofortigen Gewaltstopp und Schutz der Zivilbevölkerung durch Israel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat wegen der Ausweitung der israelischen Militäroffensive und der deshalb wachsenden Unsicherheit ihre medizinische Arbeit in der Stadt Gaza ausgesetzt. „Wir hatten keine andere Wahl, als unsere Aktivitäten einzustellen, da unsere medizinischen Einrichtungen von israelischen Streitkräften umringt sind“, erklärte Jacob Granger, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Gaza, am Freitagabend.

Weniger als einen Kilometer von ihren Gesundheitseinrichtungen entfernt gebe es anhaltende Luftangriffe und vorrückende Panzer. Das Risiko für die Mitarbeitenden sei „inakzeptabel“ geworden.

Die am stärksten gefährdeten Menschen wie Säuglinge und Menschen mit schweren Verletzungen oder lebensbedrohlichen Krankheiten könnten sich nicht bewegen und seien in großer Gefahr. Zwar seien viele Menschen wegen der Evakuierungsbefehle in den Süden des Gazastreifens geflohen, es gebe aber immer noch Hunderttausende, die nicht in der Lage seien, die Stadt zu verlassen.

Im gesamten Gazastreifen seien die nur teilweise funktionsfähigen Krankenhäuser wegen des gravierenden Mangels an Personal, Versorgungsgütern und Treibstoff überlastet. Patienten und Patientinnen könnten oftmals nur unter großen Schwierigkeiten versorgt werden. Oft träfen sie sehr spät und in kritischem Zustand ein.

Ärzte ohne Grenzen sichert weitere Unterstützung zu

Die Hilfsorganisation kündigte an, trotz der Einstellung ihrer Arbeit in der Stadt Gaza weiterhin aus der Ferne wichtige Einrichtungen wie das Al-Schifa-Krankenhaus und das Al-Helu-Geburtskrankenhaus durch Materiallieferungen zu unterstützen.

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Unterkünften und medizinischer Versorgung ist in der Stadt Gaza laut Ärzte ohne Grenzen immer stärker eingeschränkt. Die Menschen würden „absichtlich um das Überlebensnotwendige gebracht“, kritisierte die Hilfsorganisation. Die Gewalt müsse sofort eingestellt werden, zudem müsse es konkrete Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung geben, forderte Ärzte ohne Grenzen.

Israel müsse „unverzüglich“ einen ungehinderten Zugang und die Sicherheit der in Gaza tätigen humanitären Organisationen gewährleisten und akzeptable Bedingungen für eine sichere und dauerhafte Bereitstellung von medizinischer Versorgung und humanitärer Hilfe schaffen, verlangte Ärzte ohne Grenzen. Diese Bedingungen seien „heute eindeutig nicht gegeben“.