Krieg in Nahost: Israelische Armee: Bodentruppen rücken auf Zentrum der Stadt Gaza vor

Rauch steigt während des israelischen Bombardements des belagerten palästinensischen Gebiets in den Himmel auf.
MENAHEM KAHANA/AFP- Israelische Armee intensiviert Angriffe auf Gaza, Bodentruppen könnten in die Stadt vorgedrungen sein.
- Über 300.000 Menschen flohen aus Gaza, Bewohner wurden zur Evakuierung in den Süden aufgerufen.
- Hamas nutzt laut Berichten Geiseln als Schutzschilde – 48 Geiseln, davon 20 lebend, sind noch in Gaza.
- Internationale Isolation Israels wächst – Forderungen nach Waffenembargo bei Gipfel in Katar.
- Seit Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober 2023 starben laut Hamas-Angaben 64.900 Palästinenser.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das israelische Militär hat seine Angriffe auf die Stadt Gaza deutlich ausgeweitet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte örtlichen Medienberichten zufolge, Israel habe „eine intensive Operation der Stadt Gaza begonnen“. Ein Armeesprecher schrieb kurz zuvor in einem Post auf X, Israel habe mit der Zerstörung der Infrastruktur der islamistischen Terrororganisation Hamas in der Stadt Gaza angefangen.
„Wir rücken Richtung Zentrum (der Stadt Gaza) vor“, sagte ein Militärvertreter vor Journalisten. Die Armee habe in der Nacht die „Hauptphase“ des Kampfes in der Stadt gegen die islamistische Palästinenserorganisation Hamas gestartet. Die israelische Armee geht von „2000 bis 3000“ Kämpfern der Hamas in dem Gebiet aus.
Israels Verteidigungsminister: „Gaza brennt“
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte kurz zuvor erklärt, die israelische Armee gehe „mit eiserner Faust“ gegen „terroristische Infrastruktur“ in der Stadt Gaza vor. „Gaza brennt“, fügte er im Onlinedienst X hinzu. Augenzeugen berichteten gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von heftigen Angriffen auf die Stadt.
Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa hatte bereits vermeldet, dass Kampfflugzeuge in der Nacht nahezu ununterbrochen Ziele im nördlichen Gazastreifen angegriffen hätten, unterstützt durch Artilleriefeuer. Sie berichtet von Dutzenden Toten.
Medienberichten aus palästinensischen Quellen zufolge rückten anschließend auch Panzer in die Stadt vor. Die US-Nachrichtenseite Axios berief sich auf israelische Regierungsvertreter, die von einem möglichen Beginn einer Bodenoffensive sprachen. Eine offizielle Bestätigung durch das israelische Militär lag zunächst nicht vor.
Die israelische Nachrichtenseite „Walla“ berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Militärgeneralstabs, es habe „eine intensive Operation begonnen, die vielfältiges Feuer gegen zahlreiche Terrorziele umfasst“. Dies sei „erst der Anfang“. Nach israelischen Medienberichten waren die schweren Explosionen im Norden des Gazastreifens auch in Israel zu hören.
Kurz zuvor hatte US-Außenminister Marco Rubio Zweifel geäußert, ob der Gaza-Krieg auf diplomatischem Wege beendet werden kann. „Wenn es also nicht auf diese Weise endet, dann muss es durch einen militärischen Einsatz beendet werden“, sagte er dem US-Sender Fox News bei seiner Reise in Israel laut Redemanuskript. Er glaube, dass Israel diesen Weg selbst nicht bevorzuge.
Angehörige der Geiseln: Es könnte ihre letzte Nacht sein
Das Forum der Angehörigen der von der islamistischen Terrororganisation Hamas festgehaltenen Geiseln äußerte große Besorgnis angesichts der Berichte über die in der Nacht begonnene Einnahme der Stadt Gaza.
Nach 710 Nächten in der Gewalt von Terroristen „könnte heute Nacht die letzte Nacht für die Geiseln sein“, hieß es in einer Erklärung des Angehörigenforums.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu entscheide sich bewusst dafür, „sie aus politischen Erwägungen zu opfern“, hieß es. Er ignoriere dabei völlig die Einschätzungen des Generalstabschefs und der Sicherheitsbehörden, hieß es in der Mitteilung weiter. Netanjahus rechtsextreme Koalitionspartner, von denen sein politisches Überleben abhängt, sind gegen eine Waffenruhe.
Das israelische Sicherheitskabinett hatte im August die Einnahme der Stadt Gaza im Norden des von Israel abgeriegelten Küstenstreifens gebilligt. Das israelische Militär rief deshalb alle der schätzungsweise eine Million Bewohner der Stadt Gaza auf, in sogenannte humanitäre Zonen weiter südlich zu flüchten. In Erwartung des Vorstoßes in die Stadt flohen nach israelischen und palästinensischen Angaben bereits mehr als 300.000 Menschen aus Gaza.
Massive Vorwürfe gegen Israels Regierungschef
Israelische Medien berichteten unter Berufung auf palästinensische Kreise, die Hamas habe Geiseln aus unterirdischen Tunneln geholt und in Häuser und Zelte der Stadt gebracht, um die israelische Armee an Einsätzen in bestimmten Gebieten zu hindern. Die Mutter eines verschleppten Mannes sagte Medien zufolge, ihr Sohn werde in Gaza als menschlicher Schutzschild missbraucht.
Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, davon sind 20 nach israelischen Informationen noch am Leben. Viele von ihnen befänden sich jetzt in der Stadt Gaza, hieß es in der Erklärung des Forums der Angehörigen. Israels Ministerpräsident Netanjahu trage die persönliche Verantwortung für das Schicksal der Geiseln. „Das israelische Volk wird die Opferung der Geiseln und Soldaten nicht verzeihen“, hieß es weiter.
Berichte über Panzer in der Stadt
Die israelische Armee hatte in den vergangenen Tagen ihre Luftangriffe in und um die Stadt herum schrittweise ausgeweitet und zuletzt begonnen, zahlreiche Hochhäuser in der Stadt zu zerstören. Sie wirft der Hamas vor, dort Beobachtungsposten eingerichtet und Sprengsätze platziert zu haben. Bodentruppen schickte die israelische Armee bislang nicht in die dicht besiedelte Stadt, in der sich vermutlich noch Hunderttausende Palästinenser aufhalten. In der Nacht zitierte die israelische Nachrichtenseite „ynet“ palästinensische Berichte, wonach nun Panzer gesichtet worden seien.
US-Außenminister Rubio sagte dem Sender Fox News, der Krieg würde enden, wenn alle Geiseln ausgehändigt würden, die Hamas ihre Waffen niederlege und sich auflöse. „Im Idealfall, in einer perfekten Welt, würde man dies durch ein diplomatisches Abkommen erreichen.“ Dies sei jedoch nicht eingetreten.
Israel zunehmend in der Isolation
Israel gerät wegen der angekündigten Ausweitung des Gaza-Kriegs zunehmend in die internationale Isolation. Nach Israels Luftangriff vergangene Woche auf die Führungsspitze der Hamas in Katar forderten Vertreter aus rund 60 arabischen und weiteren islamischen Staaten bei einem Sondergipfel in Katar ein Waffenembargo gegen Israel. Nach Angaben der Hamas war die Attacke in der Hauptstadt Doha fehlgeschlagen, es sei kein Mitglied der Delegation für die indirekten Verhandlungen über eine Waffenruhe in Gaza getötet worden.
Aus Sicht Netanjahus ist der Angriff dagegen nicht fehlgeschlagen. Er habe vielmehr eine klare Botschaft vermittelt: „Ihr könnt euch verstecken, ihr könnt weglaufen, aber wir werden euch schnappen“, sagte er mit Blick auf führende Mitglieder der Hamas. Netanjahu nannte die internationale Kritik an dem Angriff in Katar eine „Heuchelei“. Jedes Land habe das Recht, sich auch jenseits seiner Grenzen gegen jene zu verteidigen, die seine Bürger töten wollten.
Der Gaza-Krieg begann mit dem Hamas-Terrorüberfall am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 verschleppt wurden. Seither sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mindestens 64.900 Palästinenser im Gazastreifen getötet worden, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Kritiker werfen Israel Kriegsverbrechen oder gar Völkermord vor. Israel betont dagegen, es bekämpfe ausschließlich die Hamas, die Zivilbevölkerung werde von der Terrororganisation als „menschliche Schutzschilde“ missbraucht.


