Nahost-Konflikt
: Zahl der Toten nach israelischen Angriffen in Gaza steigt auf 404

Israels Armee hat wieder massiv Ziele im Gazastreifen angegriffen. Bei diesen ersten Angriffen seit Inkrafttreten der Waffenruhe soll es Hunderte Opfer gegeben haben.
Von
dpa
Tel Aviv/Gaza
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Nahostkonflikt - Chan Junis: 18.03.2025, Palästinensische Gebiete, Chan Junis: Eine tote Person, die bei einem Angriff der israelischen Armee getötet wurde, wird im südlichen Gazastreifen ins Krankenhaus gebracht. Foto: Mohammad Jahjouh/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bei einem israelischen Beschuss in der Nacht auf den 18.03.2025 im Gazastreifen sind hunderte Menschen ums Leben gekommen. Hier transportieren Männer in Chan Junis eine tote Person.

Mohammad Jahjouh/AP/dpa
  • Israelische Luftangriffe auf Gaza töten 326 Menschen.
  • Angriffe nach Ende der Waffenruhe; Hamas bestätigt 330 Tote.
  • Israel fordert Evakuierung der Grenzgebiete im Gazastreifen.
  • Waffenruhe lief am 1. März aus, keine Einigung auf Verlängerung.
  • Hamas hatte zuvor 33 Geiseln freigelassen, Israel 1800 Gefangene.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach nächtlichen Luftangriffen Israels gegen die Hamas im Gazastreifen ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben der von den Islamisten kontrollierten Gesundheitsbehörde weiter gestiegen. Mindestens 404 Menschen seien in der Nacht auf Dienstag (18.03.2025) ums Leben gekommen, teilte die Behörde mit. Die Zahl der Verletzten wird mit mehr als 560 beziffert. Die Angaben unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten und lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Zahlreiche Opfer sollen laut der Behörde noch unter Trümmern verschüttet sein.

Bewohner berichten in sozialen Medien von vielen Opfern

In sozialen Medien verbreitete Aufnahmen sollen verzweifelte Angehörige sowie Leichen getöteter Palästinenser nach den Angriffen zeigen, darunter auch Kinder. Die Echtheit der Videos und Bilder konnte zunächst nicht verifiziert werden.

Es sind die schwersten Luftangriffe Israels seit Inkrafttreten der Waffenruhe mit der Hamas vor rund zwei Monaten. Es seien „umfangreiche Angriffe auf Terrorziele“ der Hamas ausgeführt worden, hieß es in einer Erklärung. Die Regierung gab an, dies sei eine Reaktion auf „die wiederholte Weigerung der Hamas, unsere Geiseln freizulassen“.

Nahostkonflikt - Chan Junis: ARCHIV - 18.03.2025, Palästinensische Gebiete, Chan Junis: Palästinenser suchen in den Trümmern ihrer zerstörten Häuser nach den israelischen Luftangriffen nach ihren Habseligkeiten. Israels Militär hat rund zwei Monate nach Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen wieder massive Angriffe auf die islamistische Hamas im gesamten Küstenstreifen aufgenommen. Foto: Abed Rahim Khatib/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Palästinenser suchen in den Trümmern ihrer zerstörten Häuser in Chan Junis nach den israelischen Luftangriffen nach ihren Habseligkeiten.

Abed Rahim Khatib/dpa

Israelische Armee: Grenzgebiete sollen evakuiert werden

Am Morgen rief die israelische Armee die Bevölkerung im Gazastreifen zu einer Evakuierung der Grenzgebiete auf. Zu ihrer Sicherheit müssten sich die Menschen „zu den bekannten Zufluchtsorten im Westen der Stadt Gaza und in Chan Junis“ begeben, erklärte der Sprecher der israelischen Armee, Avichay Adraee, im Onlinedienst X. Der Aufruf gelte besonders für vier Regionen im Norden und Süden des Küstengebiets, hieß es weiter. Diese seien „gefährliche Kampfgebiete“.

Die Waffenruhe im Gazastreifen war am 19. Januar in Kraft getreten. In einer ersten Phase, die am 1. März auslief, hatte die Hamas 33 von ihr als Geiseln verschleppte Menschen an Israel übergeben. Im Gegenzug kamen 1800 palästinensische Gefangene aus Israel frei. Eine Einigung über eine Verlängerung der Waffenruhe wurde trotz intensiver Bemühungen der Vermittler USA, Ägypten und Katar bislang nicht erzielt.

In derselben Nacht setzten die mit Israel verbündeten USA ihre heftigen Luftangriffe auf die Huthi im Jemen fort, wie das US-Regionalkommando Centcom mitteilte. Die Miliz ist wie die Hamas in Gaza Verbündeter des Irans.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, Brian Hughes, sagte der US-Nachrichtenseite „Axios“: „Die Hamas hätte Geiseln freilassen können, um die Waffenruhe zu verlängern, hat sich aber stattdessen für Verweigerung und Krieg entschieden.“ US-Präsident Donald Trump habe Israel grünes Licht für die Wiederaufnahme der Angriffe auf die Hamas gegeben, zitierte das „Wall Street Journal“ einen israelischen Beamten. Israel habe danach die USA über den Beginn der Angriffe vorab informiert.

Weißes Haus: „Die Hölle wird losbrechen“

„Die Hölle wird losbrechen, und alle Terroristen im Nahen Osten - die Huthi, die (libanesische) Hisbollah, die Hamas, vom Iran unterstützte Terrorstellvertreter und der Iran selbst - sollten Präsident Trump sehr ernst nehmen“, zitierten US-Medien die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Wie der US-Präsident deutlich gemacht habe, würden „alle jene, die nicht nur Israel, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika terrorisieren wollen, einen Preis zu zahlen haben“, sagte Leavitt demnach dem US-Sender Fox News.

Schwerste Luftangriffe seit Beginn der Waffenruhe

Israels schwerste Luftangriffe in Gaza seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe erfolgten auf die „wiederholte Weigerung der Hamas, unsere Geiseln freizulassen, sowie auf ihre Ablehnung aller Vorschläge, die sie vom Gesandten des US-Präsidenten Steve Witkoff und von den Vermittlern erhalten hat“, teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit. Netanjahu und dessen „extremistische Regierung“ hätten beschlossen, das Waffenruhe-Abkommen „zu brechen“, hieß es in einer Erklärung der Hamas.

Damit riskiere Israel das Leben der Geiseln, drohte die islamistische Terrororganisation. Sie forderte die Vermittler Ägypten, Katar und USA auf, Israel „für den Bruch“ des Abkommens zur Verantwortung zu ziehen. Netanjahu hatte wiederholt erklärt, Israel werde alle seine Kriegsziele erreichen. Dazu gehört die Freilassung aller Geiseln und die komplette Zerschlagung der Hamas. „Israel wird von nun an mit zunehmender militärischer Stärke gegen die Hamas vorgehen“, hieß es in der Mitteilung von Netanjahus Büro.

Trump erhöht Druck auf Iran

Auch die Trump-Regierung erhöht jetzt den Druck auf den Iran und die mit Teheran ebenfalls verbündete Huthi-Miliz im Jemen. Jeder Schuss, der von den Huthi abgefeuert werde, werde von nun an als ein Schuss angesehen, der von den Waffen und der Führung des Iran abgefeuert worden sei, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. „Der Iran wird dafür verantwortlich gemacht werden und die Konsequenzen tragen, und diese Konsequenzen werden schrecklich sein!“ Zuvor hatte der Iran mit heftigen Gegenmaßnahmen gedroht.

„Der Iran wird jegliche Aggression der USA konsequent erwidern“, sagte Hussein Salami, Kommandeur der Revolutionsgarden (IRGC), die Elitestreitmacht des Irans. In ähnlicher Weise äußerte sich auch der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghaei. Nach Darstellung beider hat die islamische Republik keinen Einfluss auf die Huthi-Miliz im Jemen. Diese handelt demnach unabhängig. Salami und Baghaei wiesen jegliche Einmischung der Vereinigten Staaten in die iranische Nahostpolitik entschieden zurück.

Angriffe im Jemen gehen weiter

Der Iran spiele „das unschuldige Opfer“ außer Kontrolle geratener Terroristen, schrieb Trump. Stattdessen diktiere Teheran aber jeden Schritt der Huthi. Auf Trumps Befehl hin greift das US-Militär die Miliz seit Samstag massiv aus der Luft an. Arabische Medien berichteten in der Nacht von erneuten Luftangriffen im Raum der Hafenstadt Hudaida sowie der Hauptstadt Sanaa. Nach früheren Huthi-Angaben wurden mindestens 53 Menschen getötet. Ähnlich wie Israel im Gazastreifen gegen die Hamas vorgeht, so geht auch das US-Militär im Kampf gegen die Huthi dabei jetzt ganz gezielt auch gegen die Anführer der Miliz vor.

Führende Mitglieder der Huthi flohen Berichten zufolge nach den ersten nächtlichen US-Luftangriffen aus der Hauptstadt Sanaa in ländliche Gegenden. Sie seien zudem angewiesen worden, öffentliche Plätze zu meiden. Die USA wollen die Angriffe nach Worten von Verteidigungsminister Pete Hegseth erst einstellen, wenn die Miliz ihrerseits die Attacken auf die Schifffahrt beendet.

Die Huthi hatten vor wenigen Tagen angekündigt, diese Angriffe auf Schiffe im Roten Meer wieder aufzunehmen. Sie wollen damit nach eigenen Angaben ein Ende der Blockade des Gazastreifens durch Israel erreichen. Die Vereinten Nationen riefen zu äußerster Zurückhaltung und zur Einstellung aller militärischen Aktivitäten auf. Jede weitere Eskalation könne Vergeltungsmaßnahmen auslösen und die Region weiter destabilisieren.