Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält im Kampf gegen die drastisch gestiegenen Corona-Zahlen bundesweit einheitlichere und striktere Gegenmaßnahmen für notwendig. Wenn es in ganz Deutschland immer mehr rote und dunkelrote Gebiete gebe, brauche es mehr einheitliche Maßnahmen, nach einheitlichen Standards, und auch unabhängig von regionalen Entwicklungen, argumentierte Söder am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Mit Blick auf die Bund-Länder-Beratungen mit Diskussion über einheitliche Corona-Regeln beim Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel fügte der Ministerpräsident außerdem hinzu: „Die Frage ist, ob das Level gesamtdeutsch nicht so hoch ist, dass wir stärkere Maßnahmen treffen müssen.“

Söder bevorzugt schnelle und harte Corona-Maßnahmen

Welche konkreten Gegenmaßnahmen er fordert, ließ Söder zunächst offen, er betonte aber: „Lieber gleich und richtig als spät und halbherzig, und lieber mit einer wirksamen Therapie als mit reinen Placebos.“ Es gebe nicht mehr viele Möglichkeiten, Dinge einheitlich national zu steuern. Und es reiche nicht aus, etwas zu beschließen, was in zwei Wochen schon wieder überholt sei, mahnte Söder.

Paris/Brüssel

Söder: „Lockdown näher als viele glauben“

Einen Kurzzeit-Lockdown von einer Woche, wie derzeit von einigen diskutiert, macht nach Ansicht Söders keinen Sinn. „Eine Woche Lockdown bringt gar nichts – das ist dann quasi wie einen Tag Antibiotika genommen oder zwei. Das wird uns nicht helfen.“ Wenn, dann müsse das so angewandt werden, dass es wirke - und zwar richtig.
Ob er einen etwas längeren Lockdown befürworten würde, ließ Söder offen. „Ob es zu einem Lockdown kommt, in welcher Form, ist aus heutiger Sicht offen.“ Aber man sei dem Schritt näher, als viele glaubten. „Wir rücken dem kritischen Punkt einfach näher - und zwar national.“ Gleichwohl würde man bei einem neuerlichen Lockdown „sicherlich nicht das gleiche machen wie im Frühjahr“, glaubt Söder. Deutlichere Ansagen macht indes Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz, der für sein Land bereits eine Lockdown-Schwelle definiert hat. Vor der Söder-Pressekonferenz hatte es im Übrigen bereits Gerüchte über einen unmittelbar bevorstehenden Lockdown für ganz Bayern gegeben. So weit wollte der außerhalb seines Landes polarisierende Söder aber dann doch nicht gehen.

Bislang kein Corona-Impfstoff in Sicht

„Das Ziel muss ja sein, dass wir für die nächsten Wochen auch wieder Stabilität bekommen, Lichtblick haben, bis Impfstoffe da sind.“ Allen müsse der Ernst der Lage bewusst sein. Man brauche ein wirksames Konzept, keine halbherzigen Maßnahmen. „Wirksam oder nicht wirksam – das sollte unser einziger Maßstab sein“, mahnte Söder und betonte mit Blick auf Mittwoch: „Wir müssen uns morgen bewähren.“ Dies sei nicht die letzte Chance, aber eine weitere ganz entscheidende Etappe, dämpfte der CSU-Politiker ein Stück weit die Erwartungen, nachdem man im Kanzleramt beim letzten Corona-Gipfel noch das Wort „historisch“ in den Mund genommen hatte, dann jedoch deutlich hinter den Zielen zurückblieb.