Christian Baldauf hat Julia Klöckner zweimal den Vortritt gelassen und will es an diesem Sonntag mit seinem teamorientierten Stil schaffen: Die SPD in Rheinland-Pfalz als Regierungspartei abzulösen. Seit 30 Jahren stellen die Sozialdemokraten in dem Land von Helmut Kohl schon die Regierung. Die seit acht Jahren amtierende Regierungschefin Malu Dreyer ist beliebt, auch bei CDU-Wählern. Beim beherrschenden Thema des Wahlkampfs, der Pandemie, kann sie Erfolge vorweisen. Die einzige Ampel-Regierung aus SPD, FDP und Grünen in Deutschland hat fünf Jahre lang ohne größere Probleme zusammen regiert und könnte den Umfragen zufolge rechnerisch sogar dann weiter machen, wenn die CDU leicht vor der SPD läge. Eine Wechselstimmung sehen Fachleute nicht.

Nach Umfragen hat SPD aufgeholt

In den Umfragen hat die SPD in den letzten Wochen zudem aufgeholt. In der am Donnerstagabend veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF lag sie bei 33 Prozent, die CDU kam auf 29 Prozent. Das Institut Insa sah die SPD am Freitag ebenfalls vorn - mit 32 Prozent und mit 29 Prozent für die CDU. Zum Vergleich: In der bundesweiten Gunst der Wähler schaffte es die SPD zuletzt bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa nur auf 16 Prozent - nur etwa halb so viel wie in Rheinland-Pfalz.

Masken-Affäre für Gegenwind

Aus dem Rückenwind für die CDU aus Berlin zu Beginn des Wahlkampfs im ländlich geprägten Rheinland-Pfalz ist in der Schlussphase Gegenwind geworden: Vor allem wegen der Masken-Affäre einiger Unions-Abgeordneter. „Eine solche Affäre auf den letzten Metern im Wahlkampf braucht kein Mensch!“, stellt der 53 Jahre alte Anwalt Baldauf fest und kritisierte das Verhalten der Abgeordneten scharf.

Schwierige Wahlkampfbedingungen unter der Corona-Pandemie

FDP und Grüne sind zwar ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf gezogen und kämpfen beide um die Erst- und die Zweitstimmen. FDP-Landeschef und Vize-Ministerpräsident Volker Wissing lobt wenige Tage vor der Wahl im „Spiegel“ aber noch den Regierungsstil von Dreyer. Und distanziert sich als FDP-Generalsekretär zugleich von der CDU: „Malu Dreyer begreift eine Koalition auch als ein Team, Angela Merkel ausschließlich als ein politisches Zweckbündnis.“ Der Wahlkampf unter den Einschränkungen der Pandemie hat es Oppositionsführer Baldauf von Anfang an schwer gemacht, sich bei den Wählern bekannt zu machen.