Kanzlerkandidatin der AfD
: Alice Weidels Hoffnung ist schwarz-grün

Noch kann sich die AfD keine Hoffnungen auf eine Regierungsbeteiligung, geschweige denn aufs Kanzleramt machen. Ein politisches „Weiter so“ würde ihr aber in die Hände spielen.
Kommentar von
Igor Steinle
Berlin
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Alice Weidel, co-leader of Germany's far-right Alternative for Germany (AfD) party, holds a bouquet of flowers during a press conference on December 7, 2024 in Berlin, as she was officially nominated as the AfD's candidate for Chancellor at a snap election scheduled for February 2025. Founded in 2013 to oppose Germany's membership of the European Union, the AfD has seen its support gradually rise in recent years as it has seized on fears about migration and a stumbling economy -- especially in former East Germany. The party is currently polling at around 18 percent in second place behind the conservatives, prompting it to name an official chancellor candidate for the first time. (Photo by Tobias SCHWARZ / AFP)

Erstmals Kanzlerkandidatin: Alice Weidel, Co-Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), nach ihrer Nominierung am 7. Dezember.

TOBIAS SCHWARZ/AFP

Die AfD ist in Umfragen derzeit die zweitstärkste Kraft in Deutschland. Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin zu küren ist daher legitim, auch wenn sie natürlich keine Chance auf das wichtigste Amt im Land hat. Ganz einfach, weil niemand bereit ist, mit der AfD zu koalieren – was angesichts des in weiten Teilen immer noch rechtsextremen Charakters der Partei absolut richtig ist.

Doch wie wird es in Zukunft weitergehen? Längst ist klar, dass die Strategie der AfD aufs Jahr 2029 ausgerichtet ist. Die Hoffnungen der AfD ruhen darauf, dass auch nach der Neuwahl alles so weitergeht wie bisher und Deutschland aus seinem Trott nicht herauskommt. Der größte Gefallen, den CDU und CSU den Rechtspopulisten daher tun könnten, wäre im kommenden Jahr eine schwarz-grüne Koalition im Bund einzugehen.

Die Mehrheit will einen Politikwechsel

Nicht nur Konservative, die sich einen Politikwechsel wünschen, wären auf der Palme. Eine gesellschaftliche Mehrheit wünscht sich einen politischen Kurswechsel: Fast die Hälfte der Bürger will laut aktuellem Deutschlandtrend nach der Wahl einen grundlegenden Wandel in Fragen der Wirtschafts- und Migrationspolitik.

Wird die Politik in der Lage sein, diesen Wunsch zu erfüllen? Eine Neujustierung in Richtung Realismus und Pragmatismus wäre wohl nur unter Schwarz-Gelb denkbar. Doch die Liberalen haben zuletzt viel Vertrauen verspielt. Mit Schwarz-Rot wäre es schon sehr viel schwerer, mit den Grünen kaum vorstellbar.

Bekämen die Wähler aber ein Weiter-so, wäre der Lerneffekt bei vielen, dass die einzige Chance auf einen Politikwechsel darin besteht, Alice Weidel und Co. noch stärker zu machen. Man kann daher nur auf Weitsicht hoffen – bei der Union und beim Wähler.