Kanzler auf der Zugspitze: Schnaps um kurz nach Neun für Friedrich Merz

Markus Söder und Friedrich Merz schauen auf der Zugspitze dem Tanz des Volkstrachtenverein "D'Höllentaler Grainau" zu.
Peter Kneffel/dpa- Kanzler Friedrich Merz besucht mit Markus Söder die Zugspitze – Empfang mit bayerischer Tradition.
- Folklore-Programm: Gebirgsschützen, Schuhplattler, Blasorchester und Schnaps um 9 Uhr morgens.
- Söder lobt die Zusammenarbeit mit Merz, Themen wie Mütterrente und Migration setzen CSU-Positionen um.
- Bayern will Schlüsselrolle in der KI-Strategie – Merz verspricht, die Anliegen zu prüfen.
- Wetter am Besuchstag neblig und regnerisch – Merz bleibt gut gelaunt und selbstbewusst.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Schnaps um kurz nach neun Uhr morgens ist auch in Bayern eher unüblich – doch der Folklore wegen kommt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an dem Hochprozentigen nicht vorbei. „Vielen, vielen Dank, der Schnaps ist gut“, versichert Merz lachend, und eine junge Frau vom Trachtenverein verrät, dass sie dem Kanzler gerade am Fuß der Zugspitze einen Stamperl mit heimischen Marillenschnaps kredenzte.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bietet dem Kanzler beim Besuch seines Kabinetts das volle Programm schon fast klischeehafter Traditionen an Deutschlands höchsten Berg. Eine Ehrenabordnung von 48 Kompanien der Gebirgsschützen ballert mehrere Salven in die Luft, die Bergwacht schickt neben einer Abordnung auch ihren Chef, die Höllentaler Schuhplattler treten auf – und ein Blasorchester spielt die deutsche Nationalhymne und die Bayernhymne.
Söder sagt, es sei „das erste Mal, dass ein Bundeskanzler auf der Zugspitze ist“. Bayern ist zudem das erste Bundesland, dessen Kabinett Merz in seiner Funktion als Regierungschef besucht – er wolle die Einladungen aus allen Bundesländern annehmen, sagt der Kanzler. Sein Vorgänger Olaf Scholz (SPD) bekam nie einen solchen Besuch.
Geballte bayerische Gastfreundschaft
Die geballte Gastfreundschaft aus Bayern gab es in dieser Form zuletzt vor fünf Jahren. Damals lud Söder die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die Insel Herrenchiemsee im Chiemsee und bot ihr einen Empfang wie für eine Königin, Kutschfahrt inklusive, Gesamtkosten 122.000 Euro. Damals hatte Söder das Gefühl, bei Merkel nach zahlreichen Attacken der CSU in der Flüchtlingskrise wieder etwas gutmachen zu müssen.
Inzwischen lästert Söder längst wieder über Merkels Flüchtlingspolitik. Mit Merz ist die Situation anders. Das Verhältnis zum seit wenigen Wochen als Bundeskanzler amtierenden CDU-Chef wurde im Wahlkampf demonstrativ als gut dargestellt. Seitdem hat sich wenig geändert, obwohl es mit dem Koalitionszoff um die Stromsteuer und dem Desaster um die Wahl der neuen Verfassungsrichter Anlass für die früher üblichen Giftpfeile der kleinen Schwesterpartei CSU gegeben hätte.
„Wir sind kooperativ, und wir sind konstruktiv“, sagt Söder. Wer die CSU und Söder kennt, weiß, dass sich das schnell ändern kann - doch im Moment scheint Söder äußerst zufrieden. Er lobt die persönlich „hervorragende und verlässliche Zusammenarbeit“ mit Merz. „Da gilt ein Wort“, sagte er.
Söder ist vermutlich auch deshalb zufrieden, weil die CSU ihre Themen durchsetzen kann. Das CSU-Leibthema Mütterrente wird 2027 umgesetzt und damit vor der nächsten bayerischen Landtagswahl 2028, in der Migrationspolitik kann CSU-Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ohne nennenswerte koalitionsinterne Widerstände seine Verschärfungen umsetzen. Beim Merz-Besuch wünscht sich der Ministerpräsident nun noch, dass Bayern in der KI-Strategie des Bunds eine besondere Rolle bekommt.
Merz sagt gönnerhaft zu, all die Wünsche zu prüfen und in Berlin einzubringen. Genau zehn Wochen nach Beginn seiner Regierungsarbeit will er sich auch vom Streit um die Verfassungsrichter die Bilanz der Anfangsphase nicht verhageln lassen.
Dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Regierungskoalition wegen des Streits für beschädigt hält, ficht Merz nicht an. „Das beschädigt nach meiner Auffassung die Bilanz nicht“, sagt der Kanzler. Er sieht allenfalls Grund zum Nachjustieren.
Merz gibt sich gut gelaunt und selbstbewusst. Würde das Wetter an diesem Dienstag auf der Zugspitze mitspielen, wäre es ein perfekter Wohlfühltermin. Das tut es aber nicht. Es herrscht während des Besuchs ein Wechsel aus Nebel, Regen, dichten Wolken und nur im Tal bei der Ankunft ganz kurz Sonne – da wird der morgendliche Schnaps Kanzler und Ministerpräsident gut gewärmt haben.
