Gerd Poppe ist tot: DDR-Bürgerrechtler stirbt kurz nach seinem 84. Geburtstag

Der DDR-Bürgerrechtler und erste Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Gerd Poppe, ist mit 84 Jahren gestorben.
Bernd Settnik, dpa- DDR-Bürgerrechtler Gerd Poppe ist mit 84 Jahren gestorben.
- Er war der erste Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik.
- Poppe saß nach der Wiedervereinigung für die Grünen im Bundestag.
- Poppe gründete die Initiative Frieden und Menschenrechte.
- Jahrzehntelang wurde er von der DDR-Staatssicherheit überwacht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der DDR-Bürgerrechtler Gerd Poppe starb am Samstag, wenige Tage nach seinem 84. Geburtstag, wie die von ihm mitgegründete Bundesstiftung Aufarbeitung am Sonntag in Berlin mitteilte. Deren Direktorin Anna Kaminsky würdigte Poppe als „Mann der klaren Prinzipien und zugleich der stillen Vermittlung“.
Deutschland verliere einen Menschen, der gezeigt habe, „wie lang der Weg der Aufklärung sein muss und wie lohnend er ist“, betonte Kaminsky. Sie sprach zugleich von einem „klugen, diskreten und beharrlichen Mitgestalter“.
Auch die Grünen-Spitze - Britta Haßelmann und Katharina Dröge für die Bundestagsfraktion sowie Franziska Brantner und Felix Banaszak für die Partei - würdigte den DDR-Bürgerrechtler, der nach der Wiedervereinigung für die Grünen im Bundestag saß. „Mit Gerd Poppe verlieren wir einen großen Bürgerrechtler und unbeirrbaren Kämpfer für Freiheit, Frieden und Menschenrechte in der DDR, in der Bundesrepublik Deutschland und weltweit“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von Partei- und Fraktionsspitze: „Gerd Poppe war unzweifelhaft einer der Vordenker der friedlichen Revolution und hat wesentlich zum Umsturz des SED-Regimes beigetragen.“
Mitbegründer der Initiative Frieden und Menschenrechte
Gerd Poppe wurde am 25. März 1941 in Rostock geboren. Der Physiker engagierte sich bereits seit 1968 in der DDR-Opposition. 1976 protestierte er gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Die Akademie der Wissenschaften zog daraufhin ihre Zusage für seine Einstellung zurück und er arbeitete von 1977 bis 1984 als Maschinist in einer Schwimmhalle in Ost-Berlin, danach bis 1989 als Ingenieur für die Diakonie der evangelischen Kirche. 1985 war er Mitbegründer der Oppositionsgruppe Initiative Frieden und Menschenrechte.
Von 1979 bis 1997 war er mit der DDR-Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe verheiratet, die später Brandenburgs erste Aufarbeitungsbeauftragte wurde. Jahrzehntelang wurde Gerd Poppe von der Staatssicherheit der DDR bespitzelt: Als er 1992 Einsicht in seine Stasi-Akte nahm, fand er heraus, dass mehr als 40 inoffizielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihn angesetzt waren, um ihn auszuspähen.
Poppe war für die Grünen im Bundestag
1990 gehörte Gerd Poppe einige Monate lang als Minister ohne Geschäftsbereich der vorletzten DDR-Regierung unter Hans Modrow an. In der letzten Volkskammer, die zugleich die erste frei gewählte der DDR war, war er Abgeordneter für Bündnis 90. Von 1990 bis 1998 saß Poppe für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, zeitweise war er außenpolitischer Sprecher der Fraktion. Anschließend war er bis 2003 Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt.
Für die Bundesstiftung Aufarbeitung betonte Kaminsky, Gerd Poppe habe gezeigt, dass der Kampf für Menschenrechte nicht mit dem Ende der Diktatur ende. Demokratie bedeute tägliche Mühe und politische Würde liege nicht in der Lautstärke, sondern in der Standfestigkeit. Der stille Ernst von Poppes Arbeit sei der Ausdruck eines freiheitlichen Ethos gewesen, „das nicht vergeht“.

