Die Frage, die die Regierung in den kommenden Tagen und Wochen beschäftigen wird, liegt im Grunde bereits auf dem Tisch: Wer soll von den geplanten Entlastungen profitieren – und wer nicht? Die einen, in der Regel SPD und Grüne, wollen nur Beziehern kleiner und mittlerer Einkommen helfen. Die anderen, also die FDP, rekurrieren gerne auf die „arbeitende Mittelschicht“, womit dann eher die etwas höheren Einkommen gemeint sind (deren Empfänger das in der Regel anders sehen). Wo die genaue Trennlinie liegt, ist also Ansichtssache, klar ist aber: Je höher man sie ansetzt, desto teurer wird es.
Dennoch weigert sich die FDP nach wie vor, eine Übergewinnsteuer für Krisen­­gewinner mitzutragen oder die Schuldenbremse weiter auszusetzen. Diese Haltung ist kaum noch nachvollziehbar. Wenn es keine außergewöhnliche Krisensituation ist, in der sich das Land momentan befindet, was muss dann noch passieren, damit die Liberalen sich bewegen? Die FDP nimmt für sich gerne in Anspruch, die Partei des rationalen Pragmatismus zu sein. Es wäre an der Zeit, dies unter Beweis zu stellen, vor allem, da man dies von den Koalitionspartnern ebenfalls einfordert.