Bundestagswahl im Südwesten
: Christoph Naser nicht im Bundestag – Palmer fordert Wahlrechtsänderung

Die CDU hat zwar den Wahlkreis Tübingen gewonnen. Doch für Christoph Naser reicht es nicht für ein Bundestagsmandat. Tübingens OB Boris Palmer fordert eine erneute Änderung des Wahlrechts.
Von
Jonas Bleeser,
dpa
Tübingen
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Offensiv wirbt der CDU-Kandidat im Wahlkreis Tübingen-Hechingen, Christoph Naser, um "beide Stimmen". Er weiß: Ein unterdurchschnittliches Erststimmen-Ergebnis könnte ihn wegen des neuen Wahlrechts das Direktmandat kosten.

Für Christoph Naser ist es ein bitterer Wahlsieg: Obwohl er den Wahlkreis klar gewann, kommt er wegen des neuen Wahlrechts nicht ins Parlament. Damit schickt der Wahlkreis Tübingen-Hechingen keinen Abgeordneten nach Berlin.

Hardy Kromer
  • CDU-Kandidat Christoph Naser verpasst Bundestagsmandat trotz Wahlsieg in Tübingen.
  • Nasers 31,7% der Erststimmen reichen nicht, da Zweitstimmen fehlen.
  • Neue Wahlrechtsreform schränkt Überhangmandate ein, nur 630 Abgeordnete im neuen Bundestag.
  • Grüne-Kandidatin Asli Kücük erreicht 24,7%.
  • Reform betrifft erstmals Bundestagswahl, weniger Abgeordnete als bisher.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

CDU-Kandidat Christoph Naser wird den Wahlkreis Tübingen trotz der meisten Erststimmen nicht im neuen Bundestag vertreten. Seine 31,7 Prozent reichen für ein Bundestagsmandat nicht aus, wie die Bundeswahlleitung bekannt gab. 

Wegen der Wahlrechtsreform, die nun zum ersten Mal greift, ziehen nicht mehr alle siegreichen Wahlkreis-Kandidaten automatisch in den Bundestag ein: Sie bekommen nur noch dann ein Mandat, wenn ihre Partei auf genügend Zweitstimmen kommt. Dafür entfallen die früher üblichen Überhang- und Ausgleichsmandate. Künftig hat der Bundestag nur noch 630 Abgeordnete, statt aktuell 733.

Der 33-jährige Naser lag in Tübingen mit 31,7 Prozent vor der Grünen-Kandidatin Asli Kücük (24,7 Prozent).  Naser will auf jeden Fall in der Politik bleiben: Das starke Ergebnis wertet er auch ohne Mandat im Bundestag als persönlichen Auftrag, sagte er am Montagmorgen am Telefon.

Boris Palmer fordert erneute Reform des Wahlrechts

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer meldete sich am Morgen auf Facebook zu Wort: Er forderte umgehend eine erneute Reform des Wahlrechts. „Das neue Wahlrecht hat für Tübingen dramatische Konsequenzen: Kein Abgeordneter in unserem Wahlkreis für die kommenden vier Jahre. Ich halte das für grob falsch.“

Eine Tübingerin schafft es rein – für Reutlingen

Eine Tübingerin aber ist doch im Bundestag: Anne Zerr zieht über die Landesliste für die Linke ins Parlament ein. Angetreten ist sie im Wahlkreis Reutlingen, der damit zwei Abgeordneteins Parlament schickt: Auch der Wahlkreisgewinner Michael Donth schaffte den Sprung nach Berlin.

In Baden-Württemberg sind laut Mandatsrechner.de insgesamt sechs Wahlkreise betroffen:

  • Wahlkreis 277 Rhein-Neckar
  • Wahlkreis 282 Lörrach-Müllheim
  • Wahlkreis 290 Tübingen-Hechingen
  • Wahlkreis 259 Stuttgart II
  • Wahlkreis 274 Heidelberg
  • Wahlkreis 275 Mannheim