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Europawahl
Ulm / Tobias Knaack  Uhr
Die Partei DIE PARTEI von Martin Sonneborn hat ihr Ergebnis bei der Europawahl deutlich verbessert. Künftig könnten bis zu drei Mitgliedern im EU-Parlament in Straßburg vertreten sein.

Ersten Hochrechnungen im ARD-Fernsehen zufolge könnte die Satirepartei DIE PARTEI von Martin Sonneborn um knapp zwei Prozentpunkte auf 2,3 Prozent der Stimmanteile in Deutschland im Vergleich zur Europawahl 2014 zulegen.

Damit dürften mindestens zwei, den ersten Hochrechnungen zufolge (Stand 19.30 Uhr) nach aber vielleicht sogar drei Parlamentarier der Partei bald im EU-Parlament sitzen. Auf Bundesebene würde die Partei aktuell Rang sieben belegen. Vor ihr lägen demnach „nur“ CDU/CSU, Grüne, SPD, AfD, FDP und Linke stärker.

Für Europa reicht’s: Die Partei macht Slogan wahr

Die Partei war gewohnt satirisch und bissig in den Wahlkampf gegangen. Sie hatte unter anderem mit dem Slogan „Für Europa reicht`s“ geworben – wie sich am Sonntag herausstellen sollte ein Slogan, der sich mehr als erfüllen sollte. Sonneborn, bisher „Einzelkämpfer“ seiner Partei in Straßburg, hat also bis zu zwei neue Kollegen an seiner Seite.

Im Jahr 2014 hatte DIE PARTEI 184.709 Stimmen in Deutschland auf sich vereint – umgerechnet 0,6 Prozent der Stimmen. Martin Sonneborn, ehemaliger Chefredakteur der Satirezeitung „Titanic“ und Bundesvorsitzender der Partei, war seither im EU-Parlament in Straßburg vertreten. Er gehört keiner Fraktion des Parlaments an.

Bei der Europawahl hat die große Koalition aus Union und SPD herbe Verluste hinnehmen müssen. Deutliche Gewinner sind die Grünen. Martin Sonneborns Die Partei erzielte ein Rekordergebnis.

DIE PARTEI – ausgeschrieben: Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – spielte, wie bei vorangegangenen Wahlen auch schon, mit antifaschistischen Bonmots Wahlkampf gemacht. So spielt die Partei im Titel ihres Twitterkanals, aber auch auf Plakaten unter anderem mit den Worten und Namen Krieg, Bombe, Eichmann, Keitel, Heß und Göbbels (mit Ö) – also Begriffen aus der Kriegsführung sowie den Namen von führenden Nazis aus der Zeit des Dritten Reichs.

Der Inhalt des Titelbildes der PARTEI auf Twitter wurde vieler Orten auch als Plakat zur Wahlwerbung aufgehängt.
© Foto: Screenshot Twitter; Quelle: Die Partei

Ebenso richtete sie ihren Wahlkampf klar gegen die Alternative für Deutschland AfD aus – ebenso wie gegen Parteien und Personen des rechten Spektrums. So ließ die Partei unter anderem mit weißer Schrift auf rotem Grund plakatieren: „Hier könnte ein Nazi hängen“. Mit den AfD-Größen Alexander Gauland, Beatrix von Storch und Björn Höcke ging sie in folgenden Bildern auf ihre Art um.

Die Partei machte einen klaren Wahlkampf mit satirischen Mitteln – hier gegen die AfD-Größen Gauland, von Storch und Höcke (von links).
© Foto: Screenshot Homepage DIE PARTEI / Quelle: DIE PARTEI

Zudem richtete die Partei auf ihrer Homepage einen sogenannten AfD-Blocker ein. Worum es sich dabei handelt, erklärte der Bundesvorsitzende Sonneborn rund zwei Wochen vor der Wahl in einem anderthalbminütigen Beitrag auf der Videoplattform Youtube.

Youtube

Zwei oder drei Sitze für Partei im EU-Parlament?

Martin Sonneborn, selbst auch sehr aktiv auf Twitter, retweetete kurz nach der ersten Hochrechnung einen Post der Partei, der Ergebnisse von Politico Europe präsentierte. Demzufolge soll die Satirepartei sogar 2,8 Prozent der Stimmen in Deutschland erhalten haben. Bezugnehmend auf die rosa Einfärbung des Politico-Posts war zu lesen: „2,8 % und schweinchenrosa! Das muss einfach ein gutes Zeichen sein“

Der Screenshot des Posts von Politico Europe, der DIE PARTEI kurz nach der ersten Hochrechnung bei 2,8 Prozent sah.
© Foto: Screenshot Twitter / Quelle: DIE PARTEI, Politico Europe

In Ulm holt die Partei knapp drei Prozent der Stimmen

In Ulm holte die Partei von Martin Sonneborn einem ersten Zwischenergebnis zufolge (Stand: 20.30 Uhr) sogar 2,9 Prozent, in einzelnen Wahlbezirken in der Stadtmitte übersprang sie sogar die – für die Europawahl irrelevante – Fünfprozent-Hürde.

Die Satirepartei DIE PARTEI hat bei der Europawahl ein Rekordergebnis eingefahren. Und in Ulm war die Partei noch stärker als im Bundesschnitt.

Entsprechend euphorisch und im besten satirischen Sinne kündeten Mitglieder der PARTEI aus Ulm und aus dem Alb-Donau-Kreis am Abend bei Betrachtung der Ergebnisse beim Kurznachrichtendienst Twitter vom „klaren Wahlsieg“.

Mit diesem Tweet feierte die PARTEI in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis ihren „klaren Wahlsieg“.
© Foto: Screenshot Twitter / Quelle: DIE PARTEI Ulm/ADK

Sonneborn disst die SPD nach ihrer Wahlschlappe

Und dort wo es „Sieger“ gibt, zumal wenn sie Satiriker gibt, muss es natürlich auch Verlierer geben. Und die bekommen es dann von den Satirik-Siegern nochmal so richtig. Und so ließ Sonneborn es sich am Abend nicht nehmen, ein Bild mit Bier zu twittern, auf dem er zudem einen Aufkleber in der Hand hält, auf dem lediglich steht: „Lol SPD“. Lol ist englisch (“Laughing out loud“) und steht für „lauthals lachen“. Die SPD war bundesweit auf 15,6 Prozent abgeschmiert.

Mit diesem Tweet disste Martin Sonneborn am Sonntagabend nach der Europawahl die schwer geschlagene SPD.
© Foto: Screenshot Twitter / Quelle: Martin Sonneborn