Über die Zustände in Nordkorea weiß man auch außerhalb von Corona-Zeiten wenig. Der Informationsfluss ist nicht größer geworden. Uwe Hermann war bis vor kurzem für die Welthungerhilfe in dem schwierigen Land.

Die aktuelle Echtzeitkarte der Johns Hopkins University zeigt, wie viele Infizierte es in den jeweiligen Ländern gibt. Die roten Punkte finden sich in fast allen Ländern. Nordkorea hat nach offiziellen Angaben keine Infizierte und bleibt somit auf der Karte ohne Markierung.

Zweifel an den Behauptungen Nordkoreas

Trotz der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus behauptet Nordkorea, bislang von der Pandemie verschont geblieben zu sein. "Bisher ist in unserem Land kein einziger Mensch mit dem neuartigen Coronavirus infiziert worden", sagte Pak Myong Su, Direktor der Abteilung für Epidemiebekämpfung Nordkoreas, der Nachrichtenagentur AFP. Angesichts der Nähe Nordkoreas zu China, wo das Virus erstmals auftrat, wird die Aussage aus dem abgeschotteten Staat international angezweifelt.

Laut Experten ist das international isolierte Nordkorea wegen seines schwachen Gesundheitssystems besonders anfällig für das Virus. Im März sagte der oberste US-Militärkommandeur in Südkorea, General Robert Abrams, er sei "ziemlich sicher", dass der Norden bestätigte Ansteckungsfälle habe.

Interview mit Uwe Hermann von der Welthungerhilfe

Herr Hermann, die Welthungerhilfe ist seit 26 Jahren die einzige deutsche Nichtregierungsorganisation, die in Nordkorea arbeitet. Warum und unter welchen Umständen haben Sie das Land verlassen?

Uwe Hermann: Wir waren, wie alle Ausländer in einer vierwöchigen Quarantäne. Da nicht klar war, wie sich die Lage entwickelt, wurden Evakuierungspläne ausgearbeitet. Schließlich stellte die nordkoreanische Regierung eine Chartermaschine zur Verfügung.

Die Deutsche Botschaft in Pjöngjang hat schon dicht gemacht

Das heißt alle Deutschen sind aus Nordkorea raus?

Fast alle. Die deutsche Botschaft ist geschlossen. Die Flagge ist eingeholt.  Wir haben aber entschieden, unsere Arbeit nicht aufzugeben. Unser Landesdirektor Andreas Oswald ist geblieben. Er ist meines Wissens der einzige Deutsche, der noch in der KDVR ist.

Um was noch zu tun?

Wir sind im Bereich Ernährungssicherung tätig. In Nordkorea herrscht ein hohes Maß an Mangelernährung. Es geht in unseren Projekten um Tierzucht, um Züchtungen von Kartoffeln und Gemüse. Wir arbeiten mit Genossenschaften, Kindergärten und Krankenhäusern zusammen. Da wir mit lokalen Mitarbeitern agieren, können wir jetzt nach dem Ende der Quarantäne die Projekte – wenn auch eingeschränkt - fortsetzen.

Offiziell gibt es noch keinen Corona-Infektionsfall in Nordkorea

Wenn die Mangelernährung so verbreitet ist, müsste Corona doch in Nordkorea ein noch größeres Problem sein als anderswo.

Offiziell gibt es in Nordkorea keinen einzigen Corona-Fall.

Bitte?

Wir wissen nicht wie verlässlich die Zahlen sind. Wir wissen zum Beispiel, dass sich hinter TBC-Erkrankten häufig Aids verbirgt. Das könnte bei Corona ähnlich sein. Aber das ist reine Spekulation. Auf der anderen Seite hat Nordkorea, das ja ohnehin schon ziemlich abgeschottet ist, sofort komplett dicht gemacht. Schon im Februar gab es praktisch keinen Reiseverkehr mehr.

Wie gehen denn das Regime und die nordkoreanischen Medien mit Corona um?

Das wird schon als Problem wahrgenommen. Über Nacht haben alle Einwohner Masken bekommen. Es gibt Bilder von Kim Jong Un und um ihn herum tragen die Generäle Masken. Er nicht. Es wird über Corona in China berichtet. Und wie gesagt, die Ausländer mussten in Quarantäne. Auch unsere koreanischen Mitarbeiter übrigens. Die mussten wir in unseren Büros unterbringen. Das wurde eng.

Und alle anderen bewegten sich wie immer? Keine außerordentlichen Einschränkungen?

Genau. Das normale Leben wurde nicht verändert. Allerdings ist allen klar, dass das Gesundheitswesen des Landes von einem Corona-Ausbruch komplett überfordert wäre. Immerhin sind für den Gesundheitsbereich die internationalen Sanktionen gelockert worden.

Fiebermessen für Ausländer gehörte zum Alltag in Nordkorea

Was hieß eigentlich Quarantäne genau für Sie?

Ausländer sind in Pjöngjang grundsätzlich in einem Diplomatenviertel untergebracht. Das ist ziemlich hermetisch abgeriegelt. Unser Büro liegt außerhalb des Viertels. Dorthin durften wir täglich fahren. Aber jedes Mal, wenn wir das Viertel verließen, wurde Fieber gemessen.

Und wenn Sie Fieber gehabt hätten?

Dann wäre ich schlimmstenfalls in ein umgerüstetes Hotel gekommen, in das man Verdachtsfälle untergebracht hat.

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Wie haben Sie sich versorgt.

Es gibt ein Geschäft im Diplomatenviertel. Da durften wir hin.

Wollen Sie zurück nach Nordkorea?

 Unbedingt. Aber derzeit gibt es keine Chance. Es gibt keine Flüge, keine Visa und die Lage ist weiterhin unübersichtlich. Selbst wenn die Einreise gelänge, würde man sofort wieder in Quarantäne gesteckt.

Die es aber sonst nicht mehr gibt.

Nein. Nur für jene, die aus dem Ausland kommen. Aber das dürften nur sehr wenige sein.

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Informationen zum Land

Die Demokratische Volksrepublik Korea, bekannt als Nordkorea ist ein Staat in Ostasien. Er wurde am 9. September 1948 proklamiert und umfasst den nördlichen Teil der Koreanischen Halbinsel. In Nordkorea leben auf 120.538 Quadratkilometern rund 25 Millionen Menschen. Wie das Auswärtige Amt schreibt, ist das politische Leben Nordkoreas von allgegenwärtiger Propaganda geprägt. Regiert wird in einem Einparteiensystem, Nordkorea gilt als das weltweit restriktivste politische System der Gegenwart.