Tschernobyl ohne Strom
: Stromausfall im Atomkraftwerk – wie gefährlich ist der Blackout?

Im ehemaligen ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl ist seit heute (9.3.2022) der Strom weg. Welche Folgen hat der Stromausfall?
Von
Amelie Schröer mit Agenturen
Tschernobyl
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Die Abdeckung des beschädigten Reaktors im Kernkraftwerk Tschernobyl. Heute, am 9.3.2022, kam es im AKW zu einem Stromausfall. Welche Gefahren drohen jetzt?

Bryan Smith/dpa

Im ehemaligen ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl kam es heute (9.3.2022) zu einem Stromausfall. Der ukrainische Netzbetreiber Ukrenerho teilte am Morgen mit, dass durch Beschuss der russischen Armee die Stromleitungen beschädigt wurden. Diese zu reparieren sei aufgrund der Kämpfe in der Region nicht möglich, heißt es weiter.

Die ukrainische Atomenergiefirma Energoatom warnte in der Folge vor radioaktiven Substanzen, die aus dem Kraftwerk austreten können.

  • Welche Folgen hat der Stromausfall im Atomkraftwerk?
  • Wie gefährlich ist der Blackout wirklich?
  • Was sagen Energoatom und andere Energieexperten?

Einen Überblick über die aktuellsten Ereignisse in der Ukraine gibt unser Liveticker.

Stromausfall in Tschernobyl: Warnung vor radioaktiven Strahlen

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Stromausfalls im Atomkraftwerk in Tschernobyl meldete sich die ukrainische Atomenergiefirma Energoatom. Sie warnte vor radioatikven Strahlen, die aus dem Kraftwerk austreten können. Grund dafür ist, dass verbrauchter Kernbrennstoff nicht gekühlt werden könne. Ein Stromausfall in einem Atomkraftwerk ist also insofern fatal als dass die Kühlpumpen nicht mehr funktionieren. Selbst in einem abgeschalteten Atomkraftwerk entwickelt der Reaktor Nachwärme, die ohne Kühlung innerhalb weniger Stunden zu einer Kernschmelze führen kann.

Auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba warnte am Mittwoch auf Twitter vor einer erhöhten Strahlenbelastung. Dieselgeneratoren könnten den Stromausfall 48 Stunden lang ausgleichen. „Danach werden die Kühlsysteme des Lagers für abgebrannten Kernbrennstoff abgeschaltet, wodurch Strahlungslecks unmittelbar bevorstehen“, schrieb er weiter. Damit bringe Russlands Präsident Wladimir Putin ganz Europa in Gefahr.

Folgen durch Stromausfall: Wie gefährlich ist der Blackout im AKW wirklich?

Sind die Menschen in der Ukraine und später auch in anderen Teilen Europas jetzt einem erhöhten Strahlen-Risiko ausgesetzt? Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sagt nein. Die Stromversorgung sei zwar grundsätzlich ein wesentlicher Sicherheitsfaktor, schrieb die Organisation am Mittwoch auf Twitter. In Tschernobyl seien die abgebrannten Brennelemente jedoch in ausreichend großen Kühlbecken, die auch ohne Elektrizität genug Wärme ableiten würden, hieß es. Sie sehen „in diesem Fall keine kritischen Auswirkungen auf die Sicherheit.“

Bereits am zweiten Tag der Kämpfe in der Ukraine (25.2.2022) hatte die russische Armee das Atomkraftwerk in Tschernobyl in Beschlag genommen. Seitdem sind dort nur noch 210 Mitarbeiter im Dienst, weil es seit der russischen Übernahme keinen Schichtwechsel mehr gegeben hat. Seit zwei Wochen arbeiten sie ununterbrochen auf dem Gelände. Sie hätten zwar Wasser und Nahrung, aber ihre Lage verschlechtere sich immer mehr. Außerdem habe die IAEA keine Verbindung mehr zu ihren Überwachungsgeräten, die sicherstellen, dass alles Nuklearmaterial an seinem Platz ist. Bislang sind auch ein weiteres AKW und einige andere Einrichtungen mit Beständen von Nuklear-Material von der russischen Invasion betroffen. Radioaktives Material ist aber nicht ausgetreten.

Atomkatastrophe von Tschernobyl: Was passierte 1986 im AKW?

Vor etwa 36 Jahren, am 26. April 1986, kam es im AKW in Tschernobyl zu einem schweren Unfall, bei dem hunderte Menschen starben und sich radioaktive Strahlen in ganz Europa verbreiteten. Seitdem steht das Kraftwerk still. Bis heute werden dort allerdings noch radioaktive Abfälle gelagert, die von einem Schutzmantel abgedeckt werden, damit keine Strahlung austritt.

Alle Informationen zu der Atomkatastrophe findet ihr im folgenden Artikel: