Anschlag in Magdeburg
: Polizei kontaktierte Taleb A. einige Wochen vor dem Attentat

Die Innenministerin Sachsen-Anhalts informiert über bisherige Ermittlungen. Saudi-Arabien hatte die Auslieferung von Taleb A. beantragt. Er sitzt in Untersuchungshaft.
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dpa/afp
Magdeburg
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Auto fährt in Menschenmenge auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Mit diesem Auto raste der Täter in hunderte Besucher des Magdeburger Weihnachtsmarkts.

Hendrik Schmidt/dpa
  • Taleb A. raste am Freitagabend mit einem Auto über den Magdeburger Weihnachtsmarkt, tötete fünf und verletzte 235 Menschen.
  • Die Polizei kontaktierte ihn bereits im September 2023 und Oktober 2024 wegen Sicherheitsbedenken.
  • Saudi-Arabien forderte seine Auslieferung und warnte vor seiner Gefährlichkeit.
  • Die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg ermittelt wegen Mordes und versuchten Mordes.
  • Spenden für die Opfer: über 220.000 Euro eingegangen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Polizei hat den Täter von Magdeburg einige Wochen vor dessen Todesfahrt kontaktiert. Im September 2023 und Oktober 2024 seien sogenannte Gefährderansprachen durchgeführt worden, sagte Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang im Ältestenrat in Magdeburg. Das Gespräch im vergangenen Jahr sei im Polizeirevier Salzlandkreis durchgeführt worden. Das Gespräch in diesem Jahr sei auf der Arbeitsstätte erfolgt, sagte die CDU-Politikerin.

Die Hintergründe zu den Gefährderansprachen blieben auch auf Nachfrage der Abgeordneten offen. Zieschang sagte, der jeweiligen Zusammenhang solle im vertraulichen Teil der Sitzung dargestellt werden.

Zieschang: Ermittlungen nach einem Post 

Der Täter Taleb A. war in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen aufgefallen. Zieschang sagte, nach einem Post des Mannes auf der Plattform X am 1. Dezember 2023 habe die Polizei Ermittlungen aufgenommen. In diesem Zusammenhang hätten die Beamten ebenfalls versucht, eine Gefährderansprache durchzuführen. Weder am 2. Dezember noch am 4. Dezember 2023 sei der Mann angetroffen worden, sagte Zieschang. Das Verfahren wurde demnach später eingestellt.

Ob die Gefährderansprache im Oktober 2024 in diesem oder in einem anderen Zusammenhang erfolgte, blieb zunächst offen. Am Samstag hatte bereits der Direktor der Magdeburger Polizeiinspektion, Tom-Oliver Langhans, von einer Strafanzeige und dem Versuch einer Gefährderansprache berichtet. Er nannte keine Details, das Verfahren liege bereits ein Jahr zurück. 

Täter sitzt in U-Haft

Mit einer Gefährderansprache will die Polizei signalisieren, dass sie einen potenziellen Straftäter im Blick hat und fordert ihn auf, ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen. 

Der Täter Taleb A. war mit einem Auto am Freitagabend über den Weihnachtsmarkt gerast und hatte fünf Menschen getötet und nach aktuellen Zahlen bis zu 235 verletzt. Er sitzt in Untersuchungshaft. Ihm werden fünffacher Mord, mehrfacher versuchter Mord und mehrfache gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Saudi-Arabien hatte Auslieferung beantragt

Für den mutmaßlichen Attentäter von Magdeburg lag ein Auslieferungsersuchen aus Saudi-Arabien vor. Die Regierung in Riad habe außerdem „viele Male“ vor Taleb A. gewarnt, berichteten saudiarabische Regierungskreise am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Auch in Deutschland waren in mehreren Bundesländern Behörden wiederholt mit A. befasst. Viele Menschen zeigen sich weiter solidarisch mit den Opfern des Anschlags – bei der Stadt Magdeburg gingen über 220.000 Euro an Spenden ein.

Der Grund für das Auslieferungsersuchen von A. wurde AFP aus Saudi-Arabien nicht genannt. Saudi-Arabien habe zudem die Bundesrepublik gewarnt, der aus dem Wüstenstaat kommende Verdächtige könne „gefährlich“ sein, hieß es.

Hinweis blieb unbeantwortet

Bereits am Wochenende gab es erste Hinweise auf frühere Warnungen aus Saudi-Arabien. In Deutschland hatte A. wiederholt in Mecklenburg-Vorpommern Ärger mit den Behörden, wie die dortige Landesregierung mitteilte. Nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks bekam auch die Polizei in Sachsen-Anhalt bereits vor mehr als einem Jahr einen Hinweis zu dem späteren mutmaßlichen Attentäter und ließ diesen unbeantwortet. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat angekündigt, den Umgang der Behörden mit A. aufklären zu wollen.

Die Ermittlungen zu der Tat übernahm unterdessen die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg, nachdem zunächst die Staatsanwaltschaft Magdeburg zuständig war. Ermittelt werde wegen des Verdachts des Mordes in fünf Fällen und des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 200 Fällen, teilte die Behörde mit.