Zusammenhang mit Mordfall?
: Münchner LKA-Beamte verkaufen Polizeiwaffen im Internet

Beamte sollen ausgemusterte Teile von Pistolen und Gewehren online verkauft haben. Besteht ein Zusammenhang mit dem Blumenladen-Mord in Nordrhein-Westfalen?
Von
Patrick Guyton
München
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Polizei: ARCHIV - 22.11.2023, Bayern, München: Ein Schild hängt am Eingang zu einer Polizeiinspektion. (zu dpa: «Polizei stellt kriminelle Jugendgang») Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Sie saßen sozusagen an der Quelle. BLKA-Polizisten verkauften Waffen im Internet.

Peter Kneffel/dpa
  • Münchner LKA-Beamte verkauften ausgemusterte Polizeiwaffen online.
  • Möglicher Zusammenhang mit dem 2019er Blumenladen-Mord in Neuss wird geprüft.
  • Die Pistole des Täters stammte aus den BLKA-Beständen und hätte 2018 vernichtet werden sollen.
  • Fünf Männer, darunter ein pensionierter 66-Jähriger, sind verdächtig.
  • Hoher fünfstelliger Betrag wurde durch den Verkauf eingenommen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Münchner Polizei hat einen mutmaßlichen schwunghaften Waffenhandel aufgedeckt – und zwar ausgerechnet bei ihren Kollegen vom Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA). Was das Polizeipräsidium am Freitag mitteilte, hört sich erst einmal wie eine gerissene Gaunergeschichte von Beamten an, hat aber möglicherweise auch eine sehr ernste Dimension.

Zusammenhang mit Blumenladen-Mord?

Denn vielleicht gibt es neue Erkenntnisse zum sogenannten Blumenladen-Mord im nordrheinwestfälischen Neuss, der die Region und ganz Deutschland erschüttert hatte. Ein 32-Jähriger hatte Ende April 2019 seine 27-jährige Ex-Freundin mit einer Pistole verfolgt und sie aus Eifersucht in einem Blumenladen mit vier Schüssen ermordet. Er selbst hatte sich danach auf Bahngleise gelegt und versucht, Suizid zu begehen. Ein Zug trennte ihm beide Beine ab, er überlebte schwer verletzt. Im Dezember 2019 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Pistole von damals stammte aus den Beständen des BLKA. Sie hätte schon 2018 vernichtet werden sollen. Wie der Täter sie erlangt hat, der zehn Jahre zuvor als Kandidat in der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ gewisse Bekanntheit erzielt hatte, konnte nie geklärt werden. Die Ermittlungen wurden im April 2021 ergebnislos eingestellt.

Verkauf wird geprüft

Nun aber könnte neues Licht in den Fall kommen. Ein Polizeisprecher sagt gegenüber dieser Zeitung, es bestehe „noch kein Tatverdacht“ gegen die BLKA-Polizisten, dass sie damals auch die Mordwaffe verkauft hatten. Aber das wird nun geprüft.

Sicher glaubt die Polizei belegen zu können, dass eine Gruppe aus fünf Männern über Jahre hinweg ausgemusterte Polizeiwaffen verkauft hat. Darunter sind ein 60 Jahre alter Polizist, ein 59-jähriger technischer Beamter und ein mittlerweile pensionierter 66-jähriger BLKA-Beamter. Bei dem 66-Jährigen war auch eine scharfe vollautomatische Waffe gefunden worden, bei der noch ungeklärt ist, ob er sie sich legal beschafft hat.

Ausgemusterte Pistolen und Gewehre

Die Gruppe saß sozusagen an der Quelle. Sie war zuständig für die vielen ausgemusterten Polizei-Pistolen und -Gewehre, die hätten eingeschmolzen werden sollen. Laut Polizei wurden Waffen und Waffenteile, etwa Griffschalen, über einen Zeitraum von einigen Jahren in Sammler-Foren im Internet verkauft. Eingenommen aus den Aktivitäten wurde „ein hoher fünfstelliger Euro-Betrag“, so der Sprecher. Verbindungen etwa ins kriminelle Milieu oder zu Terroristen wurden nicht festgestellt.

Bei Durchsuchungen in den Wohnungen wurden viele Teile von Waffen gefunden, deren Besitz keiner Erlaubnis bedarf. Die beiden aktiven Polizisten aus der Gruppe sind vom Dienst suspendiert.

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