Warum kam es zu dem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen, bei dem Anfang Juni fünf Menschen starben? Die Ursache für das tödliche Unglück ist nach wie vor nicht klar – doch nach fast vier Wochen gibt es jetzt einen Verdacht, von dem der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet.
Demnach geht es in einem internen Schreiben um eine Schienenverschiebung, deren Grund „horizontale Brüche in den Betonschwellen“ an der Unglücksstelle gewesen seien. Die Rede ist von „zum Teil vorgeschädigten Betonschwellen“. Diese haben dem Dokument zufolge "zu einer unzulässigen Spurerweiterung und dem Verlust der Spurführung" geführt.

Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen: Schäden am Bahndamm als Ursache?

Zuvor hatte der Münchner Merkur von Mängeln am Bahndamm berichtet, die den Zug zum Entgleisen gebracht haben könnten. „Neben den Fahrzeugen ist insbesondere auch die Infrastruktur Gegenstand der Untersuchungen“, sagte Moritz Metzler, Sprecher der an den Ermittlungen beteiligten Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU), dem Blatt.
Sogenannte Oberbauschäden könnten also für das Unglück zumindest mitverantwortlich gewesen sein. Die Deutsche Bahn hat sich dazu bislang nicht geäußert.
Ein Verdacht gegen die Bahn kam bereits wenige Tage nachdem der Zug entgleist war auf, als die Staatsanwaltschaft gegen drei Mitarbeiter der Deutschen Bahn ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung einleitete. Zudem wurde bekannt, dass die Bahn in Kürze den zehn Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen der Gemeinde Oberau und Garmisch-Partenkirchen sanieren wollte. Die Ermittlungen zur Unfallursache führt eine Soko „Zug“.
Vor zwei Wochen wurden die letzten Zugteile aus dem Trümmerfeld geborgen, doch die Zugstrecke ist weiterhin nicht befahrbar: „Die Strecke ist von uns nicht endgültig freigegeben, weil nach wie vor Untersuchungen durch Sachverständige vor Ort durchzuführen sind“, sagte Oberstaatsanwältin Andrea Grape am Mittwoch in München. Eine Prognose, wie lange dies noch dauern wird, sei derzeit nicht möglich. Welche Experten genau auf dem Abschnitt nach Hinweisen auf die Unglücksursache suchen, wollte Grape nicht verraten.
Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen Bergung der Waggons mit Liebherr-Kränen aus Ehingen

Ehingen

Die Sachverständigen werden Grape zufolge Gutachten erstellen. Erst dann könnten die Ermittler mit einer strafrechtlichen Bewertung beginnen und prüfen: „Trägt jemand eine Mitschuld an diesem Unglück oder tragen vielleicht mehrere Personen eine Mitschuld?“ Zu einer möglichen Unfallursache könne sie im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen nichts sagen
Rund um die Unfallstelle müssen nach bisherigen Angaben der Deutschen Bahn rund 700 Meter Schienen sowie 500 Schwellen erneuert werden. Zudem sind neue Oberleitungen nötig. Die Arbeiten können erst starten, wenn es eine Freigabe durch die Behörden gibt.
Der Regionalzug war am Mittag des 3. Juni auf der Fahrt von Garmisch-Partenkirchen nach München entgleist. Vier Frauen sowie ein 13-Jähriger starben. Fast 70 Menschen wurden verletzt, 16 davon schwer und 52 leicht.