Travis King Nordkorea: Wer ist Travis King? Der Soldat, der nach Nordkorea floh

Die entmilitarisierte Zone, welche Nord- und Südkorea trennt. Travis King hat diese ohne Erlaubnis nach Nordkorea überquert und ist nach Angaben Nordkoreas daraufhin festgenommen worden.
Kim Hong-Ji/dpaDer US-Soldat Travis King ist im Juli von Südkorea nach Nordkorea geflohen. Pjöngjang bestätigte nun erstmals am Mittwoch, dem 16.08.2023, dass es den amerikanischen Soldaten Travis King festhalte. Travis King habe außerdem gestanden, „dass er illegal in das Gebiet der Demokratischen Volksrepublik Korea eingedrungen“ sei. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA sei er nach seiner Überquerung von der nordkoreanischen Armee festgehalten worden. Doch wer ist Travis King und warum ist er nach Nordkorea geflohen? Die bisher bekannten Details im Überblick.
Wer ist Travis King?
Travis King, mit vollem Namen Private Travis T. King, ist nach Angaben von Reuters im Januar 2021 der US-Armee beigetreten und diente als Kavalleriescout der Koreanischen Rotationsstreitkraft, welche Teil des US-Sicherheitsengagements für Südkorea ist. Er sei dort der Einheit der 1. Panzerdivision der USA zugeteilt und administrativ einer Einheit der 4. Infanteriedivision zugeordnet worden. Ursprünglich stammen seine Familie und er aus Racine, Wisconsin.
Wie ist Travis King nach Nordkorea geflohen? Die Geschichte hinter der Flucht
Der Soldat sollte in der vergangenen Woche nach einer Schlägerei, einer Auseinandersetzung mit der Polizei und einem Gefängnisaufenthalt in Südkorea in die USA geflogen werden. Er konnte jedoch entwischen und sich einer Besichtigungstour an der Demilitarisierten Zone anschließen. Dort übertrat er die Grenze von Süd- nach Nordkorea. An der Stelle wird die hoch gesicherte Grenze zwischen beiden Ländern nur durch eine niedrige Betonmauer markiert.
Zuvor sei er nach Angaben von Reuters alleine durch die Sicherheitskontrolle zu seinem Gate am Flughafen gegangen, wo er den Mitarbeitern von American Airlines sagte, dass er seinen Pass verloren habe. Anschließend sei er von einem Mitarbeiter der Fluggesellschaft mit Zustimmung eines Vertreters des südkoreanischen Justizministeriums begleitet worden und habe die Abflugzone verlassen. Etwa 24 Stunden nach Verlassen des Flughafens sei er bei einer Busreise durch die stark befestigte Demilitarisierte Zone (DMZ) gerannt, welche die Nord- und Südkorea seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 mit einem Waffenstillstand trennt. Ein Augenzeuge, der nach eigenen Angaben an derselben Besichtigungstour teilnahm, sagte CBS, die Gruppe habe eines der Gebäude auf dem Gelände besucht, als „dieser Mann laut 'Ha-ha-ha' ruft und einfach zwischen einigen Gebäuden hindurchläuft“. „Zuerst dachte ich, es sei ein schlechter Witz, aber als er nicht zurückkam, wurde mir klar, dass es kein Witz war“, sagte der Zeuge. Sarah Leslie, eine Touristin aus Neuseeland, die mit King auf der Tour war, sagte laut Reuters, sie habe ihn plötzlich über die Grenze rennen sehen, während US-amerikanische und südkoreanische Truppen versuchten, ihn aufzuhalten.
Warum floh Travis King?
Laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA wollte der US-Soldat „der unmenschlichen Misshandlung und Rassendiskriminierung in der US-Armee“ entgehen. Während solch vermeintlichen Aussagen von Nordkorea oft als Propagandamittel gegen die USA und verfeindete Staaten eingesetzt werden, betont die staatliche Nachrichtenagentur, dass King von der „ungleichen Gesellschaft“ in den USA desillusioniert und bereit sei, in Nordkorea oder einem Drittland Zuflucht zu suchen. Er sei durch die Volksarme festgenommen worden, die Ermittlungen dauerten an. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Das Pentagon erklärte am Dienstag, dass es Kings angebliche Aussagen nicht bestätigen könne, aber daran arbeite, ihn über alle Kanäle nach Hause zu bringen
Laut einem Urteil eines südkoreanischen Gerichts habe King sich einer Körperverletzung und der Beschädigung öffentlichen Eigentums aus einem Vorfall im Oktober für schuldig bekannt. Am 8. Februar verhängte das Westliche Bezirksgericht Seoul eine Geldstrafe von 5 Millionen Won (4.000 US-Dollar). Anstelle der Zahlung der Geldstrafe verbrachte King jedoch Zeit in einem südkoreanischen Gefängnis. Zwei nicht genannte US-Beamte sagten nach Angaben von Reuters, dass er zurück in den USA mit US-militärischen Disziplinarmaßnahmen konfrontiert gewesen wäre, ohne anzugeben, mit welchen Vorfällen diese in Verbindung standen. Seine genauen Beweggründe für die Flucht sind unbekannt.
(Mit Material von AFP)


