Energiekrise: Weihnachtsbeleuchtung 2022: Lichterglanz trotz Krise in diesen Städten

Weihnachtlich illuminiert ist der Kurfürstendamm in Berlin (Langzeitbelichtung). Wegen der angespannten Lage an den Energiemärkten und der steigenden Preise dräut in deutschen Kommunen eine Weihnachtszeit mit weniger Beleuchtung und Freizeitspaß als in früheren Jahren. Hier der aktuelle Überblick.
Paul Zinken/dpaIn Sachen Energie heißt es gerade: sparen, sparen, sparen. Einzelhändler sollen die Türen schließen, in Büros sollen die Temperaturen absinken, die Außenbeleuchtung für Werbeplakate wird ausgeknipst. Um gut durch den Winter zu kommen, muss so viel wie möglich Energie — vor allem Gas — eingespart werden.
Bei all diesen Energiesparverordnungen fragt sich der eine oder andere sicher schon: Was heißt das alles für Weihnachten? Muss die Beleuchtung auch dafür ausgespart werden? Kann es Weihnachtsmärkte in gewohnter Form geben — nach zwei Jahren Corona–Pause? Hier sind alle aktuellen Infos zum Thema.
Weihnachten 2022: Kabinett erlaubt Beleuchtung trotz Energiekrise
Die Bundesregierung hat eine Ausnahme für Weihnachtsbeleuchtung im seit Anfang September geltenden Energiespargesetz beschlossen. Das Beleuchtungsverbot gelte nun nicht „bei der Beleuchtung von Gebäuden und Baudenkmälern, die anlässlich traditioneller oder religiöser Feste (wie beispielsweise Weihnachten) installiert und betrieben wird“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Die Energiesparverordnung war am 1. September in Kraft getreten. Hier geht‘s zum Übersichtsartikel über die Energiesparmaßnahmen.
Grundsätzlich soll Weihnachtsbeleuchtung also laut Regierung erlaubt sein. Doch müssen die Städte und Kommunen möglicherweise die sündhaft teuren Rechnungen bezahlen, die dann auf sie zukommen.
Die Deutsche Umwelthilfe hat hingegen zum Energiesparen aufgerufen. „In diesem Winter sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sowohl auf die Weihnachtsbeleuchtung in Städten wie auch die der Häuser und Wohnungen verzichtet wird“, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. „Angesichts des Kriegs in der Ukraine, der Energieknappheit, aber auch aus Gründen des Klimaschutzes sollten wir einmal innehalten.“
Resch brachte eine Beleuchtungsgrenze von einem Baum pro Stadt und Gemeinde ins Gespräch. „Vielleicht lässt sich dies ja auf jeweils einen beleuchteten Baum pro Gemeinde reduzieren“, erklärte er. „Hier bewusst zu verzichten, zu sparen und solidarisch zu sein, das könnte diese Weihnachtszeit sogar zu einer ganz besonderen machen.“
Städte sparen bei Weihnachtsbeleuchtung: Weihnachtsmärkte in Gefahr?
Obwohl die Weihnachtsbeleuchtung möglich ist, werden einige Städte darauf verzichten — auch weil die Kosten so hoch sein würden. Hier ein Überblick über einige Großstädte, die sich schon zum Thema Weihnachten geäußert haben:
Bamberg
„Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Energiekrise besteht Übereinstimmung, dass es in diesem Jahr keine Beleuchtung wie in den vergangenen Jahren geben kann“, sagt ein Sprecher der Stadt Bamberg.
Berlin
In Berlin drohen dunkle Einkaufsboulevards wie Kurfürstendamm, Tauentzienstraße oder Unter den Linden. Weil der Senat entschied, die Straßenbeleuchtungen nicht zu unterstützen und mitzufinanzieren, suchen manche Bezirke und Geschäftsleute Sponsoren.
Konkrete Auflagen des Senates für die Weihnachtsmärkte 2022 in Berlin bestünden aber nicht und seien auch nicht geplant. Auch an eine Absage von Märkten, etwa bei einer Zuspitzung der Gasmangellage und weiter steigenden Energiepreisen, sei nicht gedacht: „Der Senat organisiert keine Weihnachtsmärkte und kann diese folglich auch nicht absagen.“
Dresden
Nach zwei Jahren coronabedingten Ausfalls soll der Park von Schloss Pillnitz in Dresden in diesem Advent wieder zum Christmas Garden auf Zeit werden. Angesichts der „sehr energiebewussten Haltung sehen wir der neuen Saison zuversichtlich entgegen“, sagte Sebastian Stein, Geschäftsführer der Christmas Garden Deutschland GmbH, der Deutschen Presse–Agentur. „Wir sind optimistisch und setzen auf eine erfolgreiche Spielzeit.“ Die Veranstalter gehen fest davon aus, dass in der berühmten Barockanlage von Schloss Pillnitz vom 17. November bis zum 15. Januar 2023 Leuchtinszenierungen und Lichtfiguren in der Dunkelheit glitzern. Laut Stein setzten die Organisatoren von Anfang an komplett auf modernste LED–Technik mit geringstmöglicher Wattzahl, dazu kommt teilweise Lasertechnik. „Der tatsächliche Lichtstromverbrauch ist vergleichsweise gering.“ Wegen der Energiekrise wird aber auf die Eisbahn verzichtet.
Stuttgart
In Stuttgart sollen laut Stadt die Ökostrom–Lichterketten nur noch 240 statt 450 Stunden an Tannenbäumen leuchten. Das Rathaus verzichtet ganz auf Beleuchtung und den Adventskalender in seinen Fenstern.
Kiel
In Kiel sollen die Beleuchtungselemente auf den Weihnachtsmärkten und in den Fußgängerzonen nicht wesentlich reduziert werden. „Allerdings werden die Lichterketten und Sterne bereits um 22 Uhr abgeschaltet.“
Essen
In Essen wird „auf einige atmosphärische Lichtelemente“ verzichtet und die Beleuchtung der Marktstände deutlich später eingeschaltet.
Nürnberg
Nürnberg verweist darauf, dass der Christkindlesmarkt seit fast zehn Jahren mit 100 Prozent Ökostrom versorgt werde, der Energieverbrauch der Beleuchtung sei mit LED–Lampen auf ein Minimum reduziert.
München
In der bayerischen Landeshauptstadt München gibt es etwa 30 Weihnachtsmärkte — nur der älteste und größte davon auf dem Marienplatz ist ein kommunaler Markt. Dieser habe „für die Stadt große touristische Bedeutung“, sagte Wolfgang Nickl, Referatsleiter für Arbeit und Wirtschaft in München. Eine Absage sei „nicht vorstellbar“, weil die Schausteller ein von den Corona–Lockdowns „ohnehin stark betroffenes Gewerbe“ seien, das man nun stützen müsse. Die Weihnachtsbeleuchtung werde „beschränkt auf LED–Leuchtkörper“, der Energieverbrauch sei also überschaubar.
Würzburg
In der Stadt Würzburg will man die Beleuchtung des Weihnachtsmarktes „auf das erforderliche Maß“ reduzieren“, so die Stadt auf Anfrage.
Augsburg, Bayreuth, Regensburg
In Augsburg wird über eine kürzere Beleuchtungsdauer nachgedacht, in Regensburg wird etwa die Neupfarrkirche nicht bunt angestrahlt, und in Bayreuth wird etwa die Nutzung von Heizpilzen auf dem Weihnachtsmarkt untersagt.
Erfurt
Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) hält eine Absage des Erfurter Weihnachtsmarktes aufgrund der drohenden Gasmangellage für undenkbar. Die Menschen bräuchten gerade in diesen Zeiten Momente der Entspannung und der Freude, sagte das Stadtoberhaupt. „Die Beleuchtung kostet uns insgesamt rund 5.000 Euro. Das ist viel Geld, aber das steht in keinem Verhältnis zu dem, was die Menschen vermissen würden, wenn alles duster ist“, sagte Bausewein.
Magdeburg
Der Magdeburger Weihnachtsmarkt soll nicht an den gestiegenen Energiekosten scheitern. Die städtische Weihnachtsmarkt GmbH pflege bereits seit Jahren einen sensiblen Umgang mit allen Ressourcen, erklärte die Stadtverwaltung auf Anfrage. So hätten vor allem durch die schrittweise Umstellung auf LED–Lichttechnik bis 2019 knapp 40.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr eingespart werden können.
Potsdam
Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam plant keine Auflagen für Weihnachtsmärkte, um dort Energie zu sparen. Für solche Auflagen gebe es derzeit keine Ermächtigungsgrundlage, sagte ein Stadtsprecher in Potsdam. Die Stadt sei jedoch in enger Abstimmung mit den Veranstaltern und Betreibern der Weihnachtsmärkte, die intensiv an der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen arbeiteten. Dazu gehört laut Veranstalter auch der Verzicht auf eine sehr energieintensive Kunsteisbahn.
mit dpa und epd
Energiesparen leicht gemacht — Wichtige Tipps oder Fragen zum Thema
Weitere Infos und wichtige Tipps zum Thema Energiesparen finden Sie unter swp.de/energiesparen. Haben Sie Fragen rund um das Thema, dann schreiben Sie uns gerne an energiesparen@swp.de.