Wasserknappheit
: Berlin droht das Trinkwasser auszugehen

Dem Großraum Berlin drohen einer Studie zufolge große Engpässe bei der Trinkwasserversorgung. Aber scheinbar ist nicht nur die Hauptstadt betroffen.
Von
Philipp Staedele
Berlin
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Die Oberbaumbrücke über die Spree in Berlin. Entlang der Spree und in Berlin droht einer Studie zufolge Trinkwasserknappheit.

Paul Zinken/dpa

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des Umweltbundesamts besteht eine erhebliche Gefahr für die Trinkwasserversorgung im Großraum Berlin und entlang der Spree. Insbesondere in trockenen Sommermonaten könnte der Wasserstand des Flusses um bis zu 75 Prozent sinken, wenn die Förderung von Grundwasser aus der Lausitz aufgrund des Endes der Braunkohlegewinnung stark reduziert wird.

Berlin, Brandenburg und Sachsen stehen vor Mammutaufgabe

Behördenchef Dirk Messner warnte: „In Berlin und Brandenburg könnte im schlimmsten Szenario das Wasser empfindlich knapp werden, wenn nicht entschlossen gegengesteuert wird. Die Länder Brandenburg, Berlin und Sachsen stehen vor entsprechenden Herausforderungen.“

Das Problem hat seinen Ursprung in den Auswirkungen des Bergbaus in der Lausitz, bei dem über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert der Wasserabfluss in der Spree künstlich verstärkt wurde. Im Rahmen der Kohleförderung wurde Grundwasser abgepumpt und in den Fluss eingeleitet. Heutzutage stammt mehr als die Hälfte des Wassers, das die Spree bei Cottbus führt, aus diesem abgepumpten Grundwasser. In besonders heißen Sommern steigt dieser Anteil sogar auf 75 Prozent an.

Haushalte sollen mehr Wasser sparen

Die vorgestellte Studie schlägt verschiedene Maßnahmen vor, um die Wasserknappheit zu bewältigen. Dazu gehört die Stärkung von Talsperren und Wasserspeichern sowie die Erweiterung bestehender Seen als Wasserspeicher. Zudem sollten die betroffenen Länder gemeinsam erforschen, wie Wasser aus anderen Regionen durch neuartige Rohrsysteme möglichst umweltverträglich in die Spree geleitet werden kann.

Des Weiteren wurde betont, dass Haushalte, Industrie und Landwirtschaft vermehrt Wasser sparen sollten. Als eine mögliche Option wird vom UBA auch erwähnt, dass im Notfall das Grundwasser vorerst weiterhin aus den Tagebauen abgepumpt und gereinigt in die Spree geleitet werden könnte.

Messner: „Klimawandel ist das größte Problem“

Messner sagte, die drohende Wasserknappheit sei kein Grund, auf den Kohleausstieg zu verzichten: „Der Klimawandel ist das größte Problem, mit dem wir es zu tun haben. Er schafft schon heute Dürren und Wetterextreme. Der Kohleabbau war über Jahrzehnte schädlich für die Umwelt.“

Das Umweltnetzwerk Grüne Liga forderte, dass die Verantwortlichkeiten des Tagebaubetreibers LEAG nicht außer Acht gelassen werden sollten. René Schuster, Braunkohle–Experte des Verbandes, erklärte, dass das Unternehmen einen angemessenen Anteil der Kosten tragen müsse, da sonst die Gefahr bestehe, dass der Staat den fossilen Konzernen erneut ein Milliardengeschenk machen würde.

Die Studie ergab, dass der Wassermangel unter anderem die Rohwasserbereitstellung für das größte Trinkwasserwerk in Friedrichshagen, Berlin, beeinträchtigt. Auch die Verdünnung des gereinigten Berliner Abwassers mit Spreewasser, die etwa 220 Millionen Kubikmeter pro Jahr beträgt, wird zunehmend problematisch. Gleichzeitig wird in den kommenden Jahrzehnten allein sechs Milliarden Kubikmeter zusätzliches Wasser benötigt, um die Restlöcher der Tagebaue aufzufüllen und eine Stabilität zu gewährleisten.

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