Wahlen in Thüringen und Sachsen: Das sind die Reaktionen auf die Wahlergebnisse

Hier gibt es die Reaktionen nach den Landtagswahlen und Thüringen und Sachsen.
Michael Kappeler/dpaNach den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen am 1. September gibt es jede Menge Einordnungsversuche und Analysen aus Politik und Gesellschaft. Hier gibt es ausgewählte Stimmen zu den Wahlen:
Reaktionen auf die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen
Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees
Als „zutiefst deprimierend“ bewerten Holocaust-Überlebende die voraussichtlichen Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Die Entwicklung erschwere das Vertrauen, „das sie Deutschland mittlerweile wieder entgegenbringen“, sagte der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, am Sonntagabend in Berlin. Bislang sei es unvorstellbar gewesen, dass gerade hierzulande „so viele Menschen einer Partei vertrauen, die mehr als braun gesprenkelt ist und sogar von anderen rechtsextremen Parteien in Europa als zu vergangenheitsbelastet ausgegrenzt wird“.
Lars Klingbeil (SPD)
SPD-Chef Lars Klingbeil hat sich nach den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen selbstkritisch geäußert. „Mein Anspruch ist, dass wir besser werden“, sagte Klingbeil am Sonntagabend in der ARD mit Blick auf das schwache Abschneiden seiner Partei, aber auch der demokratischen Parteien insgesamt. Allerdings habe die SPD besser abgeschnitten als noch vor einigen Wochen vorhergesagt, fügte Klingbeil hinzu.
Martin Schirdewan (Linke)
Linke-Chef Martin Schirdewan sieht in der Gründung des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) eine Ursache für die schlechten Wahlergebnisse seiner Partei in Sachsen und Thüringen. „Klar ist, dass natürlich die Rechtsabspaltung des Bündnisses Sahra Wagenknecht meiner Partei insbesondere wehgetan hat, aber auch der gesellschaftlichen Linken“, sagte Schirdewan im ZDF.
„Man muss sagen, BSW ist ein Geschenk für die AfD, weil die gesellschaftliche Linke und auch meine Partei vor allem darunter leiden, aber die extreme Rechte durch das BSW und seine Positionen gestärkt wird.“
Bijan Djir-Sarai (FDP)
FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sieht im schlechten Abschneiden seiner Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen keinen Grund zur Resignation. „So bitter auch der Abend ist, es gibt keinen Grund hier depressiv oder wütend zu sein, sondern das Gegenteil ist der Fall“, sagte der FDP-Politiker bei einer Stellungnahme in der Berliner Parteizentrale. „Der heutige Abend ist für mich natürlich ein Rückschlag, aber gleichzeitig ein vorübergehender Rückschlag und Ansporn zugleich.»
Omid Nouripour (Grüne)
Grünen-Chef Omid Nouripour sieht die Chance auf eine weitere Regierungsbeteiligung seiner Partei in Sachsen. Die Koalition dort habe gut gearbeitet, sagte er in der ARD. „Auch wenn der Ministerpräsident die letzten zwei Jahre eigentlich gegen die eigenen Leute die ganze Zeit Wahlkampf gemacht hat.“ Für Thüringen, wo es die Grünen wohl nicht in den Landtag schaffen, kündigte er eine Beschäftigung mit dem Ergebnis an, das er schmerzhaft nannte. „Ehrlich gesagt ist mein Schmerz heute Abend randständig, verglichen mit der Tatsache, dass wir eine tiefe Zäsur haben und eine offen rechtsextreme Partei das erste Mal seit '49 stärkste Kraft geworden ist in einem Landtag.“
Sahra Wagenknecht (BSW)
Nach den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen hat BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht ihre Bedingungen für einen Einstieg ihrer Partei in eine Landesregierung bekräftigt. Viele Menschen bewege das Thema Frieden zutiefst und sie lehnten es ab, US-Mittelstreckenraketen in Deutschland zu stationieren, sagte Wagenknecht bei einer Wahlparty in Erfurt. Eine Landesregierung müsse diesen Wunsch der Menschen berücksichtigen und sich auf Bundesebene dafür einsetzen.
„Wenn Krieg kommt, braucht man doch über Bürokratieabbau nicht mehr zu reden“, sagte Wagenknecht. Dann gebe es größere Sorgen. „Wir werden Sie nicht enttäuschen, wir machen was draus“, rief Wagenknecht. Sie hoffe, dass auch bei der CDU angekommen sei, dass sich etwas ändern müsse.
Björn Höcke (AfD)
Thüringens AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke hat nach dem Wahlerfolg seiner Partei den Anspruch auf die Regierungsführung in dem Bundesland angemeldet. „Wir sind bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen“, sagte Höcke am Sonntag in der ARD. Es sei „gute Tradition, dass die stärkste Kraft zu Gesprächen einlädt“, betonte er.
Alice Weidel (AfD)
AfD-Chefin Alice Weidel sieht in dem Ergebnis ihrer Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen einen „historischen Erfolg“. Die AfD sei „erstmals bei Landtagswahlen stärkste Kraft“ geworden, sagte sie am Sonntagabend in der ARD zu den Prognosen für Thüringen. Ihre Partei gehe „gestärkt“ aus den Wahlen hervor. Für Weidel sind die Ergebnisse „gleichzeitig eine Abstrafung der ‚Ampel‘“. Diese „sollte sich fragen, ob sie noch weiterregieren kann“, betonte die AfD-Chefin.
Carsten Linnemann (CDU)
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat den Ausgang der Wahlen in Thüringen und Sachsen als Erfolg für seine Partei verbucht. Er sehe „eine echte verbliebene Volkspartei“, sagte er in der ARD nach den 18-Uhr-Prognosen. „Wir sind das Bollwerk.“ Auch ihn treibe der Erfolg der AfD aber um, räumte er ein. „Unser Ergebnis ist sehr gut, und die Ampel-Parteien sind abgestraft worden“, bilanzierte Linnemann.
