Der Krieg in der Ukraine droht schlimmer zu werden. Russlands Diktator Wladimir Putin fühlt sich zunehmend eingeengt, sein Plan ist überhaupt nicht aufgegangen. Seine Rhetorik wird als Reaktion schärfer: Er droht mit Nuklearwaffen, mit chemischen Waffen, mit einer „schmutzigen Bombe“ – indem er Kiew beschuldigt, eine solche zu entwickeln. Putin ist für den Westen schwer einschätzbar geworden. Er wirkt unberechenbar. Würde er wirklich den Atomkrieg riskieren? Welche Waffen könnte Russland in der Ukraine nutzen – und was wären die Folgen?

Die gefährlichsten Waffen im Krieg: ABC oder CBRN-Waffen

Die gefährlichsten Waffen, die in einem Krieg eingesetzt werden könnten, wurden früher ABC-Waffen und werden heute CBRN-Waffen genannt. Damit ist gemeint:
  • A: atomar
  • B: biologisch
  • C: chemisch
Mittlerweile wurde der Begriff ersetzt und dadurch auch erweitert durch CBRN-Waffen. Die A-Gefahren (atomar) werden also unterteilt in radiologische und nukleare Bedrohungen.
  • C: chemisch
  • B: biologisch
  • N: nuklear
  • R: radiologisch
Die Waffen, mit denen Russland in den letzten Monaten gedroht hat, gehören alle in eine dieser Kategorien.

Die „schmutzige Bombe“: Was es damit auf sich hat

Die schmutzige Bombe gehört zu den radiologischen Waffen. Es handelt sich hiermit um eine herkömmliche Waffe, zu der radioaktive Stoffe beigemischt wurden. Zu einer herkömmlichen Bombe oder Rakete könnte also ein radioaktives Mittel hinzugefügt werden, dass durch das Eintreffen der Rakete dann weit gestreut wird. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist die Gefährlichkeit einer solchen Waffe „beschränkt“, da die Wirkung der radioaktiven Stoffe (z.B. Cäsium-137) meistens nicht so hoch ist. Für die Bevölkerung müsse man meistens keine Strahlenschutzmaßnahmen treffen. Diese Einschätzung kann sich ändern, je nachdem welche radioaktiven Stoffe in der schmutzigen Bombe verwendet werden. So würde beispielsweise der Einsatz von Plutonium-239 in einer schmutzigen Bombe deutlich gefährlicher sein.
Das BfS weist aber auch darauf hin, dass die Wirkung einer schmutzigen Bombe vor allem psychosozial und daher immer noch sehr gefährlich ist. Mit dem Einsatz einer solchen Waffe wird die betroffene Bevölkerung terrorisiert, es sorgt für Angst und Panik. Dazu schreibt das BfS konkret:
„Insbesondere die Assoziationen zu den existierenden Kernwaffen, mit den verheerenden Folgen der Atomwaffeneinsätze von Hiroshima und Nagasaki, mit der latenten Bedrohungssituation während des Kalten Krieges, verbunden mit dem Gefühl der persönlichen Ohnmacht in Bezug auf die Gefahrenwahrnehmung - der Mensch besitzt keine Sinnesorgane für Strahlung - und in Bezug auf die Gefahrenbeherrschung können diese psychosozialen Effekte herbeiführen.“

Drohender Atomkrieg: Was sind Atomwaffen?

Bei Atomwaffen, auch Nuklearwaffen oder Kernwaffen genannt, handelt es sich um Massenvernichtungswaffen. Deren Wirkung beruht dabei auf Kernspaltung oder Kernfusion. Zur Herstellung wird entweder hoch angereichertes (über 90 Prozent) Uran oder aus abgebrannten Kernbrennstäben separiertes Plutonium benötigt. Eine einzige Atombombe kann riesige Flächen zerstören und hunderttausende Menschen töten.

Strategische Atomwaffen: Eine weltweite Gefahr

Wenn man an Atomwaffen denkt, denkt man für gewöhnlich an die strategischen Atomwaffen. Diese sind für die ganze Welt eine ernstzunehmende Bedrohung, da sie nicht im direkten Gefecht benutzt werden, sondern auf Distanz eingesetzt werden können. Strategische Atomwaffen können so eine Strecke von mehr als 5.500 Kilometer zurücklegen – das wäre zum Beispiel die Distanz zwischen Moskau und Washington. Vor allem diese zwei Supermächte – die USA und Russland – sind in der Lage ihre Atomwaffen in alle Winkel dieser Welt zu entsenden. Zudem können strategische Atomwaffen mehrere Atombomben auf ihrem Weg zum Endziel abwerfen.

Taktische Atomwaffen

Im Gegensatz zu den strategischen besitzen die taktischen Atomwaffen nicht die volle Sprengkraft und können auch nicht so lange Strecken zurücklegen. Nichtsdestotrotz sind sie extrem gefährlich und haben ein enormes Zerstörungspotential. Taktische Atomwaffen werden für gezielte Angriffe genutzt. Militärexperten warnen davor, dass Putin – sollte er im Ukrainekrieg mit dem Rücken zur Wand stehen – taktische Atomwaffen auch in der Ukraine einsetzen wird.

Atomwaffen: Radius und Wirkung

Atomwaffen gehören zu den Waffen auf der Welt, die das meiste Zerstörungspotential besitzen. Mit ihnen kann man ganze Flächen von der Landkarte tilgen und Regionen für hunderte von Jahren unbewohnbar machen.
Russland ist nicht nur Atommacht Nummer eins, sondern auch in Besitz einer speziellen Rakete. Die sogenannte „Satan 2“ kann mit bis zu 12 Atomsprengkörpern beladen werden. Laut „La Depeche“ können solche Raketen ein Land der Größe Frankreichs zerstören. Zudem kann sie existierende Abwehrsysteme überwinden und mit einem Radius von 10.000 Kilometern auch Städte an der amerikanischen Westküste erreichen. Die „Satan 2“ ist etwa 30 Meter lang und rund 100 Tonnen schwer.

Chemische Waffen: Was sind Chemiewaffen?

Chemische Waffen, die auch als Chemiewaffen bezeichnet werden, gehören zu den Massenvernichtungswaffen. Erstmals wurden sie im Ersten Weltkrieg in Form von Chlorgas eingesetzt. Sie sind laut Genfer Protokoll verboten. Per Definition versteht man unter einer chemischen Waffe toxisch wirkende Substanzen oder Gemische in Verbindung mit einer notwendigen Waffentechnik zur Ausbringung (Granaten, Sprühvorrichtungen). Hergestellt wurden sie ursprünglich, um Menschen im Krieg oder bei Terrorakten vorübergehend kampf- bzw. handlungsunfähig zu machen oder zu töten. Im erweiterten Sinn werden auch Brand- (Napalm), Nebel- und Rauchstoffe sowie Entlaubungsmittel (Herbizide) und Nesselstoffe zu den chemischen Waffen gezählt. Soldaten können sich verhältnismäßig gut gegen chemische Waffen schützen, daher bestimmt die größte Gefahr für die Zivilbevölkerung.
Als chemische Kampfmittel bezeichnet man jede Art von Gegenständen, die es ermöglichen, einen chemischen Kampfstoff zu transportieren. Letztere wiederum können eingeordnet werden in verschiedene Kategorien wie etwa Lungenkampfstoffe (z.B. Chlor), Hautkampfstoffe (z.B. Senfgas) oder Nervenkampfstoffe.

Definition Biologische Waffen: Was sind Biowaffen?

Zu den Massenvernichtungswaffen zählen auch biologische Waffen. Davon ist die Rede, wenn Krankheitserreger oder natürliche Giftstoffe gezielt als Waffe eingesetzt werden. Sie können sich nicht nur gegen Menschen und Tiere richten, sondern auch gegen Nutzpflanzen und Material. Rund 200 Erreger sind aktuell bekannt, die bisher schon als Biowaffen verwendet wurden. Im Gegensatz zu chemischen Kampfstoffen müssen biologische erst aufbereitet werden. Zu den bekanntesten B-Kampfstoffen zählen einige der sogenannten pathogenen Bakterien.
1975 trat das Übereinkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und von Toxinwaffen sowie über die Vernichtung solcher Waffen (BWÜ) in Kraft. „Es enthält ein umfassendes Verbot biologischer Waffen und ist als der erste multilaterale Vertrag, der eine Waffenart in ihrer Gesamtheit ächtet, ein wichtiger Pfeiler des internationalen Nichtverbreitungsregimes von Massenvernichtungswaffen“, informiert das Auswärtige Amt.

Beispiele für Biowaffen: Erreger

Es gibt einige Beispiele für Biowaffen. Dabei gibt es bestimmte Erreger, die am ehesten für einen Biowaffenanschlag in Frage kommen. Als am gefährlichsten werden unter anderem Pocken, Pest und Milzbrand eingestuft. Ebenfalls zur Liste potentieller Biowaffen gehören Gelbfieber-Virus, Tuberkulose-Bakterien, Q-Fieber oder Tularämie.