• In einer Sitzung des VW-Aufsichtsrats hat Konzernchef Herbert Diess einen massiven Stellenabbau erwähnt.
  • Dabei soll es laut Handelsblatt um rund 30.000 Arbeitsplätze gehen.
  • Die Konzernspitze tritt Spekulationen nun entgegen
  • Weshalb steht der Wolfsburger Konzern Volkswagen finanziell aktuell nicht gut da?
Kurzarbeit, Rohstoffmangel, Produktionsstopp – beim Automobilhersteller VW läuft es gerade nicht besonders rund. Nun kommt ein anderes Problem hinzu: Die E-Mobilität bei VW ist im internationalen Vergleich noch zu teuer.

Stellenabbau bei VW: 30.000 Produktions-Arbeitsplätze gefährdet?

Weg vom Verbrenner-Motor und hin zur ökologischeren Elektromobilität. Dieser Weg ist steiniger als gedacht – zumindest nach der Berechnung des Konzernchefs Diess. Insbesondere das Hauptwerk in Wolfsburg müsse für den Wandel groß umgebaut werden – und um das zu schaffen, gebe es mehrere Möglichkeiten, zitiert das Handelsblatt Herbert Diess. Bis zu 30.000 Stellen, vor allem in der Produktion, könnten durch den Umbau gefährdet sein, heißt es weiter.

Volkswagen tritt Spekulationen entgegen

Die Konzernspitze von Volkswagen ist Spekulationen über die mögliche Streichung Zehntausender Jobs entgegengetreten. „Ein Abbau von 30.000 Stellen ist kein Thema“, hieß es am Mittwochnachmittag aus dem Umfeld von Vorstandschef Herbert Diess nach Berichten, wonach erhebliche Kürzungen etwa am Stammsitz in Wolfsburg bevorstehen könnten. Dazu gebe es keine konkreten Pläne.
Diess soll nach Informationen aus Unternehmenskreisen bei einer Aufsichtsratssitzung im September über die Zahl 30 000 gesprochen haben. Allerdings sei es dabei nicht um ein etwaiges, unmittelbares Szenario drohender Arbeitsplatzverluste gegangen, betonte VW nun.
Wohl aber sei es nötig, Themen wie die Kostenlage und Auslastung von Standorten intensiv zu diskutieren: „Es steht außer Frage, dass wir uns angesichts der neuen Marktteilnehmer mit der Wettbewerbsfähigkeit unseres Werks in Wolfsburg befassen müssen.“ Es geht dabei vor allem um den US-Rivalen Tesla und dessen neues deutsches Werk bei Berlin.

VW-Aufsichtsrat protestiert gegen Vorstand Diess

In der Aufsichtsratssitzung am 24. September habe die „Luft gebrannt“, schreibt das Handelsblatt im aktuellen Bericht. Denn Vorstandschef Herbert Diess habe vom Absturz mit dem Automobilhersteller BMW erzählt und dann einige Horrorszenarien bei Volkswagen skizziert. In einer davon war vom Abbau von rund 30.000 Arbeitsplätzen im VW-Werk Wolfsburg die Rede. Der überrumpelte Vorstand habe protestiert, schreibt das Handelsblatt.

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo wendet sich an Belegschaft

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo wandte sich im Intranet an die Belegschaft: „Die Schlagzeilen vom heutigen Vormittag haben bei vielen von euch zu Recht Fragen und zum Teil leider auch Sorgen ausgelöst.“ Ein Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen wäre „absurd“, schrieb sie. Man habe sich auch eine klare Stellungnahme der Unternehmensseite zu diesem Thema gewünscht.

Bei VW fehlen Halbleiter

Europas größter Autohersteller hat an seinem Hauptsitz zurzeit einen erheblichen Leerlauf. Mehrfach musste Kurzarbeit für Zehntausende Beschäftigte verlängert werden, weil hier - wie bei anderen Anbietern - Halbleiter fehlen. Auch unabhängig von den akuten Engpässen gibt es in Teilen der Belegschaft Sorgen um eine ausreichende Werkbelegung in den kommenden Jahren. Der Betriebsrat forderte unter anderem schon, neben dem ab 2025/2026 geplanten Projekt „Trinity“ mindestens ein weiteres Elektromodell in der Konzernzentrale anzusiedeln.
„Die schwierige Lage im Werk Wolfsburg bildet einen klaren Schwerpunkt der laufenden Beratungen für die diesjährige Planungsrunde“, sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo kürzlich. Bis Mitte November sollen konkrete Entscheidungen zu Modellen und Standorten im globalen VW-Produktionsnetz fallen. Beim jüngsten Treffen der Aufseher soll es laut dem Bericht erneut zu Irritationen zwischen Diess und Mitgliedern des Gremiums gekommen sein.
Grundsätzlich haben Belegschaftsvertretung und Firmenleitung in dem Punkt dasselbe Ziel: Möglichst bald sollen weitere E-Modelle folgen, auch angesichts der steigenden Konkurrenz durch den US-Rivalen Tesla mit dessen neuem Werk in Grünheide bei Berlin. Einen offenen Konflikt wie Mitte 2020, als Diess heftig mit dem damaligen Betriebsratschef Bernd Osterloh aneinandergeraten war, habe es aber zuletzt nicht gegeben, hieß es aus dem Umfeld mehrerer Beteiligter.

E-Mobilität im Trend: VW liegt in Deutschland vorne

Die deutschen Autohersteller haben bei den Neuzulassungen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden in ihrem Heimatmarkt die Nase vorne. In den ersten neun Monaten kamen alleine 45 Prozent der angemeldeten Neuwagen mit diesen Antrieben von den vier Marken VW, Mercedes, BMW und Audi, wie aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht. VW liegt dabei mit 84.300 Neuzulassungen vorne, dahinter folgt Mercedes mit gut 52.300 vor BMW mit 41.400 und Audi mit 37.900. Erst auf Rang fünf folgt mit rund 26.000 Fahrzeugen Tesla als erster Importeur. Bei rein batteriebetriebenen Elektroautos liegt ebenfalls Volkswagen mit 54.400 vorne. Dahinter folgen mit Tesla (26.000), Hyundai (18.800) und Renault (18 000) allerdings Importeure. Bei Plug-in-Hybriden ist die Rangfolge dagegen Mercedes (44.800), BMW (30.700), VW (29.900), Audi (28.600).