Kommt sie nun oder kommt sie nicht? Seit Wochen wird über eine vierte Corona-Impfung gesprochen. Auch eine Impfpflicht steht im Raum. Einige Experten drängen, mit dem zweiten Booster schnell loszulegen, andere bremsen die Forderungen. Gleichzeitig erreichen die aktuellen Corona-Zahlen täglich neue Höchstwerte und die Omikron-Variante breitet sich rasant aus.
  • Wie ist der aktuelle Stand in Deutschland?
  • Was sagen Gesundheitsexperten und Immunologen?
  • Für wen lohnt sie die Booster-Impfung?
  • Welcher Impfstoff ist geeignet?
  • Israel als Vorreiter: Wie läuft die zweite Booster-Impfung dort?
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Booster vom Booster: Kommt die vierte Impfung oder kommt sie nicht?

Die Impfquoten in Deutschland steigen langsam. Mehr als 72 Prozent der Menschen sind zwei Mal geimpft. 75 Prozent haben ihre erste Dosis bekommen. Auch die Booster-Impfungen laufen: 46 Prozent und damit fast die Hälfte aller Deutschen sind inzwischen geboostert.
Dass die dritte Impfung entscheidend ist im Kampf gegen das Coronavirus, haben Gesundheitsexperten bestätigt. Einige von ihnen raten jetzt dazu, erneut zu boostern. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht davon aus, dass es in Deutschland nicht bei drei Impfungen bleiben wird. Bereits vor Weihnachten sagte er: „Ich persönlich würde von einer vierten Impfung ausgehen.“ 70 bis 80 Prozent der symptomatischen Krankheitsfälle könne man, laut Lauterbach, mit einer zweiten Auffrischimpfung verhindern. Deshalb sei im späteren Jahresverlauf eine vierte Impfung notwendig, die speziell auf die Omikron-Variante abgestimmt sei. Gleichzeitig betonte er zuletzt, dass die Studienlage noch zu unsicher sei und auf weitere Forschungsdaten gewartet werden müsse. Das Robert-Koch-Institut (RKI) prüfe bereits die Notwendigkeit dieser Booster-Impfung.

Infektiologe Wendtner empfiehlt vierte Impfung vorzubereiten

Der Münchner Corona-Experte Clemens Wendtner rät dazu die vierte Corona-Impfung zügig vorzubereiten: „Für mich wäre eine Viertimpfung vier bis sechs Monate nach der dritten Impfung eine adäquate Maßnahme“, sagte der Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Noch warte man aber auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko).
Der Experte rät außerdem, nicht auf einen speziellen Omikron-Impfstoff zu warten: „Ich fürchte, das wird zu lange dauern.“ Vor April sei nicht mit neuen Impfstoffen zu rechnen – die Omikron-Welle rolle aber jetzt heran. Wendtner fordert, eine Viertimpfungs-Kampagne schon jetzt vorbereiten.

Corona in Bayern: Holetschek hält regelmäßige Impfungen für erforderlich

Auch der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CDU) hält regelmäßige Auffrischimpfungen gegen Corona für notwendig. In welchem Abstand die Auffrischungen erfolgen sollten, müsse sich noch zeigen. Hier seien die Ständige Impfkommission und das Robert Koch-Institut (RKI) gefordert.

Patientenschützer Brysch fordert vierte Impfdosis für jeden

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, fordert indes ein Impfangebot für jeden bis zum Sommer. „Jeder sollte die Möglichkeit erhalten, bis zum Sommer ein viertes Impfangebot mit den aktuell verfügbaren Wirkstoffen in Anspruch nehmen zu dürfen“, sagte Brysch den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Wer braucht eine vierte Impfung?

Derweil stellt sich auch die Frage für wen die Booster-Impfung überhaupt notwendig ist. Gesundheitsexperten unterscheiden bei ihrer Beantwortung zwischen immunschwachen und immungesunden Menschen. Für Gesunde spielt eine vierte Impfung wohl vorerst keine Rolle. Bei Menschen mit Immunschwäche rät das Robert-Koch-Institut (RKI) hingegen dazu, regelmäßige Auffrischimpfungen abzuwägen.
Das sagt auch Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). Sie sieht eine vierte Dosis vor allem für alte und immunschwache Menschen: „Die vierte Impfung braucht die Normalbevölkerung mit gesundem Immunsystem nicht.“ Falk betont auch, dass bei sogenannten „inaktiven Imfpstoffen“ wie bei der Corona-Impfung der Schutz in der Regel nach der dritten Impfung relativ lange hoch bleibe.
Das bestätigte auch der Berliner Virologe Christian Drosten gegenüber dem ZDF- „heute journal“. Gesunde Menschen bräuchten demnach eventuell keinen Booster mehr, da das Virus nicht mehr so stark mutiere.

Lohnt sich ein Omikron-Impfstoff?

Auch wenn noch nicht darüber entschieden wurde, ob zum vierten Mal geimpft wird, laufen die Forschungen für einen speziellen Omikron-Impfstoff beim Unternehmen Biontech auf Hochtouren. Diese sollen laut Wissenschaftlern einen besseren Schutz vor der Corona-Variante gewährleisten. Mit insgesamt 80 Millionen Impfdosen werde ab April oder Mai gerechnet. Auch ein Moderna-Impfstoff soll dann wieder angeboten werden.
Doch wie sinnvoll ist dieser spezielle Impfstoff?
Impfstoffexperte Sebastian Ulbert vom Fraunhofer-Institut hält es in der Thematik für wichtiger, mit den bereits verfügbaren Impfstoffen zu boostern, denn „damit ist man auch bei Omikron gut gegen schwere Verläufe geschützt.“
Die Hoffnung bei Immunologen wie DGfI-Präsidentin Falk ist, dass bei Corona nach dem Winter ein „schrittweiser Übergang in eine endemische Situation“ erfolgt. Das würde bedeuten, dass das Virus regional regelmäßig auftaucht und die meisten Menschen durch Impfung oder Infektion eine gewisse Immunität besitzen. Passiert das nicht, können sich im Herbst auch die Immungesunden wieder eine Impfung holen – dann wohl mit einem spezifischen Impfstoff.

Israel verteilt vierte Corona-Impfung – Wie gut wirkt der Booster wirklich?

Israel galt schon in den ersten drei Impf-Durchgängen als Vorreiter. Die breite Bevölkerung wurde dort nicht nur schneller geimpft, auch Wirksamkeitsstudien wurden parallel durchgeführt.
Seit etwa zwei Wochen werden im Land nun auch vierte Impfungen verteilt. Zunächst an alte und immunschwache Menschen sowie Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Doch wie gut wirkt der Booster? Eine israelische Studie zeigte nun, dass die Antikörper-Zahl unmittelbar nach der vierten Impfung zwar um das fünffache erhöht sei, dass dies „aber nicht ausreichend“ sei, wie die Leiterin der Studie, Gili Regev, bestätigt.
Kurz nach der vierten Impfung sei man demnach auf dem gleichen Stand wie nach der dritten Impfung. Bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen, wie immungeschwächten und alten Menschen, lohne sich die Auffrischung zwar, ob man die zweite Booster-Impfung aber allen Menschen geben müsse, sei fraglich. „Wir brauchen noch mehr Informationen“, sagt die Professorin. Entsprechend betonte Regev die Wichtigkeit der ersten Booster-Impfung: „Wer die erste und zweite Dosis bekommen hat, muss dringend auch die dritte bekommen.“

Ulm