„Unfassbare Unverschämtheit“: Hella von Sinnen greift Dieter Nuhr scharf an

Hella von Sinnen kritisiert die Aussagen von Dieter Nur aufs Schärfste.
Collage: dpa | Sebastian Christoph Gollnow, Georg WendtNach den umstrittenen Aussagen von Dieter Nuhr zu Femiziden reißt die Kritik nicht ab. Nun meldet sich auch Entertainerin Hella von Sinnen zu Wort. In einem Interview findet sie deutliche Worte für ihren Comedy-Kollegen und wirft ihm vor, Femizide zu verharmlosen.
Hella von Sinnen kritisiert Dieter Nuhr deutlich
Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung reagierte Hella von Sinnen fassungslos auf Nuhrs Äußerungen. Mit Blick auf die Zahl der Frauen, die jedes Jahr von ihren (Ex-)Partnern getötet werden, sagte sie:
„Jedes Jahr werden an die 350 Frauen von ihren Männern ermordet – und er sagt das? Was ist das für eine unfassbare Unverschämtheit von Nuhr?“
Die 66-Jährige wirft dem Kabarettisten eine „Verniedlichung von Femiziden und Verleugnung dieses Frauenhasses“ vor. Außerdem äußerte sie Zweifel daran, ob Dieter Nuhr seine Sendung im Ersten behalten werde: „Ich bin gespannt, ob Herr Nuhr seinen Job bei der ARD behält.“
Darum geht es in der Debatte
Auslöser der Kontroverse sind Aussagen aus der Sendung „Nuhr im Ersten XXL“ vom 18. Juni. Darin erklärte Dieter Nuhr zunächst, dass die jährlich rund 300 bis 350 Frauenmorde in Deutschland selbstverständlich „zu viele“ seien.
Anschließend sagte er jedoch, die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, sei „praktisch null“. Ergänzend bemerkte er, zur Sicherheit könne es helfen, den Partner „vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenzulernen“.
Diese Aussage löste heftige Kritik aus. Zahlreiche Stimmen warfen Nuhr vor, sich über Femizide lustig zu machen oder den Opfern eine Mitschuld zu geben.
Dieter Nuhr weist die Vorwürfe zurück
Dieter Nuhr selbst widersprach den Vorwürfen entschieden. Auf Facebook erklärte der Kabarettist:
„Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun.“
Nach eigenen Angaben habe er nicht Frauenmorde verharmlosen wollen. Vielmehr habe sich seine Kritik gegen eine aus seiner Sicht pauschale Verurteilung von Männern gerichtet.
Auch der rbb äußert sich
Der für „Nuhr im Ersten“ zuständige Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) nahm ebenfalls Stellung. Der Sender erklärte, die öffentliche Kritik an den Aussagen sei nachvollziehbar. Gleichzeitig verwies der rbb auf die künstlerische Freiheit von Satireformaten. Vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit dürfe Nuhr auch provozierend und zugespitzt formulieren.
Mit der deutlichen Kritik von Hella von Sinnen erhält die Debatte um Dieter Nuhrs Aussagen nun weiteren prominenten Nachdruck. Ob die Diskussion Konsequenzen für den Kabarettisten haben wird, bleibt abzuwarten.

