Stefanie Heinzmann: Erschütternder Tagebucheintrag aus ihrer Jugend

Die Sängerin Stefanie Heinzmann singt als Vorgruppe von Johannes Oerding auf der Bühne im Volksparkstadion.
picture alliance/dpa, Gregor FischerStefanie Heinzmann gehört zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Schweiz. Seit ihrem Durchbruch hat sie zahlreiche Hits veröffentlicht und sich immer wieder für einen offenen Umgang mit psychischer Gesundheit eingesetzt. Im SWR3-Podcast „Talk mit Thees“ spricht die Musikerin nun so persönlich wie selten zuvor über Mobbing, Selbstverletzung, Essstörungen, chronische Schmerzen und ihre langjährige Therapie.
Seit 20 Jahren in Therapie
Psychische Gesundheit ist für Stefanie Heinzmann längst kein Tabuthema mehr. Im Gespräch mit Kristian Thees erzählt die Sängerin, dass sie bereits seit rund 20 Jahren therapeutische Unterstützung in Anspruch nimmt. Auch ihr aktuelles Album „Circles“ entstand in enger Zusammenarbeit mit ihrer Therapeutin.
Jeder Song des Albums steht dabei für einen Abschnitt ihres Lebens. Besonders der Titel „Oceans“ beschreibt die Unsicherheit und Angst, die das Leben mit sich bringen kann. Das Meer sei für sie ein Sinnbild für das Leben: vertraut und gleichzeitig voller unbekannter Tiefen.
Erschütternder Tagebucheintrag aus ihrer Jugend
Besonders bewegend wird das Interview, als Stefanie Heinzmann aus ihren alten Tagebüchern erzählt. Ein Eintrag aus ihrer Jugend habe sie tief getroffen.
Damals schrieb sie: „Ich will nicht sterben, aber ich kann nicht mehr leben.“
Die Sängerin berichtet, dass sie zu dieser Zeit zwischen 16 und 17 Jahre alt war. Auslöser sei unter anderem ein Bandscheibenvorfall gewesen, der starke Schmerzen verursachte. Zeitweise habe sie sich sogar gewünscht, man würde ihr das schmerzende Bein amputieren.
Heute blickt sie mit großer Traurigkeit auf diese Phase ihres Lebens zurück.
Mobbing, Selbstverletzung und Essstörung
Im Interview spricht Stefanie Heinzmann außerdem offen über Mobbing während ihrer Schulzeit. Unter anderem sei sie wegen ihrer Buffalo-Schuhe gehänselt worden.
Hinzu kamen massive Selbstzweifel. Sie fühlte sich nicht attraktiv genug, verletzte sich selbst und entwickelte ein gestörtes Essverhalten. Innerhalb weniger Monate verlor sie rund 13 Kilogramm und wog bei einer Körpergröße von 1,66 Metern zeitweise nur noch etwa 45 Kilogramm.
Parallel dazu absolvierte sie zahlreiche Auftritte mit ihrer Coverband. Irgendwann fehlte ihr jedoch die Kraft. Sie sei ständig erschöpft gewesen und habe dauerhaft mit Heiserkeit zu kämpfen gehabt.
Schließlich habe sie sich selbst klargemacht, dass sie essen müsse, wenn sie weiter singen wolle. Es folgten ambulante Therapien und eine intensive medizinische Behandlung.
Das Album „Circles“ verarbeitet ihre Erfahrungen
Die schwierigen Erfahrungen ihrer Vergangenheit verarbeitet Stefanie Heinzmann heute in ihrer Musik. Das Album „Circles“ erzählt von Ängsten, Hoffnung und persönlicher Entwicklung.
Mit ihrer Offenheit möchte die Sängerin anderen Betroffenen Mut machen und zeigen, dass es möglich ist, Hilfe anzunehmen und Schritt für Schritt neue Perspektiven zu entwickeln.
