In der Ukraine tobt ein blutiger Krieg. Der Plan der russischen Regierung, Kiew zu stürzen und eine Marionettenregierung einzusetzen ist gescheitert, stattdessen sieht es immer mehr nach einem Abnutzungskrieg aus. In den beiden Regionen Luhansk und Donezk, in denen bereits seit acht Jahren Krieg herrscht, haben die Russen jedoch Fortschritte gemacht, große Teile der Regionen sind unter russischer Besatzung.
  • Am 21. Februar 2022 hat Russlands Präsident Wladimir Putin die beiden selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten anerkannt
  • Kurz darauf entsendete Putin Truppen in diese Regionen, um „Frieden sicherzustellen“
  • Große Teile von Donezk und Luhansk sind von den Russen erobert worden
  • Erwartet wird, dass Russland den Donbass annektieren will
  • Was sind die Separatistengebiete?
  • Was ist der Hintergrund zum Konflikt?
  • Was ist der aktuellen Stand seit der Invasion am 24. Februar 2022?

Luhansk und Donezk: Was sind die Separatistengebiete?

Die beiden Gebiete Luhansk und Donezk befinden sich ganz im Osten der Ukraine an der Grenze zu Russland. Beide Regionen haben ihre Unabhängigkeit von der Ukraine ausgerufen, als 2014 der Bürgerkrieg begann. Diese Regionen werden zusammengefasst der „Donbass“ genannt. Diese Regionen sind russischsprachig, die Verbindungen zu Russland waren vor dem Krieg stark. Doch sind es nun russischsprachige Teile der Ukraine, die am stärksten vom russischen Angriff betroffen sind. Besonders die Hafenstadt Mariupol in der Region Donezk ist weitestgehend zerstört worden.

Separatistengebiete: Was bedeutet das?

Luhansk und Donezk, die Regionen im Donbass, in denen die Front im Bürgerkrieg verlief, sind sogenannte Separatistengebiete. Sie werden von den Separatisten angeführt – das bedeutet, von einer Gruppe, die sich von der Ukraine lösen möchte. Diese Separatisten werden seit 2014 von der russischen Regierung und vom russischen Militär unterstützt. Seitdem Russland die Gebiete als unabhängig anerkannt hat, können sie offiziell von militärischer Unterstützung profitieren. Bisher war bekannt, dass Russland die Separatistengebiete unterstützt, auch militärisch, doch war das nicht offiziell.
Die Separatisten, die in Donzek und Luhansk die Führungen übernommen haben, repräsentieren nicht das ukrainische Volk, dass dort lebte oder noch immer lebt. Einem Bericht der UN-Menschenrechtskommission aus 2014 zufolge handelt es sich in den Regionen um eine Gewalt- und Terrorherrschaft. Seit Beginn des Bürgerkrieges ist die Bevölkerung auf rund die Hälfte geschrumpft. Die Separatisten haben von Beginn an Unterstützung aus Russland bekommen.

Luhansk und Donezk im Krieg: Werden sie Teil von Russland?

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 melden russische Streitkräfte vor allem in Donezk und Luhansk Erfolge. Nachdem der Plan des Kreml, die ukrainische Regierung zu stürzen, gescheitert ist, konzentrieren sich die Russen vermehrt auf die Gebiete in der Ostukraine.
Russland will nach Einschätzung der USA in Kürze die selbsternannten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine annektieren. Russland wolle vermutlich Mitte Mai manipulierte Referenden über einen Anschluss der beiden Separatisten-Regionen im Donbass abhalten, sagte der US-Botschafter bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Michael Carpenter.
Ein ähnliches Vorgehen sei in der inzwischen von Russland kontrollierten südukrainischen Region Cherson geplant, wo Moskau bereits die Nutzung des Rubel als Währung durchsetzen will. Carpenter betonte, solche gefälschten Referenden würden "nicht als legitim angesehen" - so wie bereits das Referendum zur Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014.
Mit Blick auf die Verlässlichkeit der US-Geheimdienstinformationen über Russlands Pläne sagte der Botschafter, er stufe sie als "sehr glaubwürdig" ein. "Leider hatten wir beim Offenlegen der nächsten Schritte (Russlands) mehr Recht als Unrecht." Die USA hatten schon Wochen vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eindringlich vor der Gefahr eines Einmarschs der russischen Streitkräfte im Nachbarland gewarnt. Washington war damit bei westlichen Verbündeten auf Skepsis gestoßen.

Bürgerkrieg in der Ukraine: Was war passiert?

Die Ukraine war bis 1991 Teil der Sowjetunion (UdSSR). Mit der Auflösung der UdSSR entstanden mehrere unabhängige Staaten, darunter die Ukraine. Bis heute haben viele der Staaten eine komplizierte Beziehung zu Russland. Um sich Schutz vor Russland zu sichern, haben sich Staaten wie Estland, Lettland, Litauen und Polen der Nato zugewandt und sind Mitglieder geworden. Diese Osterweiterung empfindet Russland als Bedrohung. Putin behauptet, dass das ein Grund für den Angriff auf die Ukraine sei – doch sollte an dieser Stelle angemerkt werden, dass die Nato Russland nicht bedroht hat. Die Nato-Osterweiterung passierte auf Verlangen der Länder in Osteuropa, da diese einen Beitritt wünschten.
Die Ukraine ist kein Mitglied der Nato. Seit Jahren gibt es aber verstärkte Bestrebungen, sich dem Bündnis anzuschließen bzw. sich stärker zur EU hinzuwenden. Der Konflikt begann Ende 2013, als es in der Ukraine zu Massenprotesten kam. Die Proteste rührten daher, dass die ukrainische, pro-russische Regierung gegen den Willen eines großen Teils der Bevölkerung entschieden hat, ein Abkommen mit der EU zu stoppen. Die Proteste gingen von November 2013 bis Februar 2014 und tragen heute den Namen „Euromaidan“ oder auch „Revolution der Würde“. Bei einer Eskalation der Euromaidan-Proteste gab es schwere Zusammenstöße, es starben viele Menschen, die Regierung wurde ab 22. Februar 2014 abgesetzt.
Aus Sorge vor einer Annäherung der Ukraine an den Westen entzündete sich ein neuer Konflikt im Osten des Landes und insbesondere auf der Halbinsel Krim. Diese Teile des Landes wollten nämlich weiterhin eine positive Beziehung zu Russland haben – was letztlich dazu führte, dass sich Teile der Ostukraine abzuspalten versuchten. Im März 2014 gab es auf der Krim ein umstrittenes Referendum, nachdem eine Mehrheit der Bevölkerung befürwortete, Teil von Russland zu werden. Wladimir Putin machte somit Nägel mit Köpfen und annektierte die Krim. Der Westen verurteilte dies als völkerrechtswidrig.
Seither herrscht im Osten der Ukraine ein Bürgerkrieg zwischen dem westlich-orientierten und dem pro-russischen Teil der Bevölkerung.

Ukraine und Russland: Historisch ein Volk?

Präsident Putin vertritt der Ansicht, dass die Ukraine und Russland ein und dasselbe Volk seien. Er ist der Meinung, dass die Ukraine deshalb kein eigener Staat sein sollte, da die beiden Völker eine gemeinsame Geschichte haben. Der ukrainische Präsident sagte dazu nach Angaben der Seite „Ukraine Crisis“ im Juli vergangenen Jahres: „Wir sind definitiv nicht ein Volk. Ja, wir haben viel gemein. Wir haben zum Teil eine gemeinsame Geschichte, Erinnerung, Nachbarschaft und Verwandtschaft, den gemeinsamen Sieg über den Faschismus und allgemeine Tragödien… Aber ich wiederhole: Wir sind nicht ein Volk.
Es gibt viele Menschen mit russischer Biografie, die in der Ukraine leben – nach jüngsten Angaben sind es rund acht Millionen Russen.