Unwetter Slowenien aktuell
: Wo gibt es Überschwemmungen und Erdrutsche?

Nach heftigen Regenfällen ist die Lage in Slowenien weiter kritisch: Viele Gebiete stehen weiter unter Wasser und auch die Erdrutschgefahr ist weiterhin allgegenwärtig. Alle Infos im Überblick.
Von
Philipp Staedele
Ljubljana
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Slowenien, Kamnik: Ein Fahrzeug des Bergrettungsdienstes ist nach dem Hochwasser zerstört. Die Aufräum- und Rettungsarbeiten nach den schweren Überschwemmungen in Slowenien sind im Gange. Einige Gebiete sind immer noch unzugänglich, und die Menschen werden weiterhin evakuiert.

Luka Dakskobler/dpa

Slowenien kämpft weiterhin mit den Auswirkungen der bisher schwerwiegendsten Naturkatastrophe in der Geschichte des unabhängigen Landes, das 1991 gegründet wurde. Nach den intensiven Regenfällen gegen Ende der vergangenen Woche waren am Montagmorgen nach wie vor Gebiete entlang der Flusstäler der Save, Drau und Mur überflutet, wie von der Nachrichtenagentur STA berichtet wurde. In der Nacht zum Montag verzeichneten die Feuerwehren insgesamt 57 Einsätze, vor allem in der Nähe der Städte Murska Sobota und Slovenj Gradec im Norden des Landes.

Nach Regenfällen: Tausende Einsätze, mögliche Todesopfer

Seit dem vergangenen Freitag führten anhaltende und heftige Regenfälle dazu, dass Flüsse und Gewässer in Slowenien über ihre Ufer traten. Diese Überschwemmungen und Erdrutsche verursachten beträchtliche Schäden. Ganze Dörfer mussten evakuiert werden, Straßen und Eisenbahngleise standen unter Wasser, und an der Mur brach ein Damm.

Seit dem vergangenen Donnerstag wurden in Slowenien tausende Einsätze durchgeführt. Allein in der Nacht zum Sonntag unterstützte der Katastrophenschutz in 186 Ortschaften. Insgesamt 137 Feuerwehreinheiten waren damit beschäftigt, Wasser aus überfluteten Häusern abzupumpen, umgestürzte Bäume zu entfernen, Menschen aus gefährdeten Gebäuden zu retten und dringend benötigte Lebensmittel sowie Medikamente zu liefern.

Bezüglich möglicher Todesopfer gab es zunächst keine genauen Angaben. Die Polizei ermittelt in Zusammenhang mit den Unwettern in vier Todesfällen. Darunter befanden sich zwei Niederländer, die wahrscheinlich beim Wandern vom Blitz getroffen wurden. Zusätzlich wurde am Sonntag ein vermisster Italiener gesucht, wie die Behörden mitteilten.

Dammbruch entlang der Mur löste Alarm aus

Am Sonntag wuchs die Besorgnis über den steigenden Pegelstand des etwa 450 Kilometer langen Flusses Mur, der seinen Ursprung in Österreich hat. Dieser Fluss verläuft nicht nur durch Slowenien, sondern berührt auch die Länder Kroatien und Ungarn.

Bereits am Samstagabend löste ein Dammbruch entlang der Mur im östlichen Teil des Landes Alarm aus. Innerhalb kurzer Zeit wurden 500 Einwohner aus dem Dorf Dolnja Bistrica in Sicherheit gebracht. Das Wasser wurde gezielt auf landwirtschaftliche Flächen und Wiesen umgeleitet, wie Miroslav Vuk, der Leiter des örtlichen Katastrophenschutzes, berichtete. Parallel dazu wurden Bemühungen unternommen, den Damm mit Sandsäcken und massiven Betonblöcken von etwa zwei Tonnen Gewicht abzudichten.

Slowenien, Schwarzenbach: Ein überschwemmtes Gebiet ist auf einer Luftaufnahme zu sehen. Angesichts der verheerenden Überschwemmungen und Erdrutsche der letzten drei Tage hat Slowenien die EU und die Nato um technische Hilfsgüter zur Beseitigung der Schäden gebeten.

-/AP/dpa

Erhöhte Erdrutschgefahr in Slowenien

Der Geologische Dienst Sloweniens warnte aufgrund der anhaltend hohen Bodenfeuchtigkeit vor einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Erdrutschen. Am Sonntag waren nach wie vor mindestens sechs Ortschaften in bergigen Regionen akut gefährdet. Anton Preksavec, der Bürgermeister von Dravograd an der Drau, einer Stadt, die von Erdrutschen betroffen war, sprach am Wochenende von einer „Apokalypse wahrhaft biblischen Ausmaßes“.

Der Geologische Dienst Sloweniens betonte die Wichtigkeit, dass die Bevölkerung verstärkt auf Veränderungen im Boden, an Gebäuden und an Hängen achten solle. Zu den betroffenen Gebieten zählten unter anderem Ljubno ob Savinji im Savinja–Tal, der Raum Crna, die Region Zgornje Podravje an der Save, die Gorenjska–Region, die sich 30 Kilometer westlich von Ljubljana befindet, sowie Dravograd entlang des Drau–Flusses. Die Katastrophenschutzbehörden wiesen darauf hin, dass auf der Landstraße von Dravograd nach Maribor eine ständige Erdrutschgefahr bestehe.

Eine Vielzahl von Dörfern war aufgrund von Wassermassen und Geröll von der Außenwelt abgeschnitten. Rettungskräfte versorgten Tausende von Menschen mit dringend benötigten Gütern per Hubschrauber. Besondere Besorgnis erregte der ansteigende Wasserpegel des 450 Kilometer langen Flusses Mur, der nicht nur in Slowenien, sondern auch in Kroatien für Unruhe sorgte. Die Mur entspringt in Österreich, durchfließt Slowenien und mündet schließlich in Kroatien in die Drau.

Slowenien beantragt internationale Hilfe

Infolge der verheerenden Überschwemmungen und Erdrutsche der vergangenen drei Tage hat Slowenien am Sonntag technische Hilfsgüter von der EU und der NATO zur Bewältigung der Schäden angefordert. Diese Information wurde von der slowenischen Nachrichtenagentur STA unter Berufung auf die Regierung veröffentlicht. Einen Tag zuvor hatte Ministerpräsident Robert Golob die Überschwemmungen als die gravierendste Naturkatastrophe der letzten drei Jahrzehnte in dem EU– und NATO–Mitgliedsland bezeichnet. Er schätzte den Gesamtschaden auf über 500 Millionen Euro. Die Schäden betrafen Straßen, Eisenbahnen, Brücken, Kanalisationssysteme und Gebäude.

Gesamtschaden von mehr als 500 Millionen Euro

Laut Schätzung von Premierminister Robert Golob beliefen sich die Gesamtschäden in Slowenien auf über 500 Millionen Euro. Besonders betroffen waren die Straßen– und Energieinfrastruktur sowie Hunderte Wohngebäude. Mithilfe des EU–Katastrophenschutzmechanismus stellte Slowenien einen Antrag auf Unterstützung, der die Bereitstellung von 30 Baggern unterschiedlicher Kapazitäten und 30 Spezialfahrzeugen zur Regulierung von Wasserläufen vorsah. Zudem wurden Ingenieurteams angefordert, um diese Geräte zu betreuen.

Wetteraussichten machen Hoffnung

Für den Montag prognostizierte die slowenische Umweltagentur Arso nur noch geringfügige Niederschläge. Der Wasserstand der Mur begann am Sonntagabend bei Gornja Radgona an der österreichischen Grenze zu sinken. Aufgrund der durchtränkten Böden blieb jedoch nach wie vor die Gefahr von Erdrutschen bestehen. Zugleich wurden umfangreiche Aufräum– und Reinigungsarbeiten in Angriff genommen.

Auch Österreich von Überschwemmungen und Erdrutschen betroffen

Auch Österreich ist von den Regenmassen Ende vergangener Woche überrascht worden. Alle Infos im Überblick gibt es hier:

(mit Material von afp und dpa)