Präsident Erdogan hatte eine Verschärfung des Teil-Lockdowns in der Türkei angekündigt, falls die Corona-Zahlen nicht sinken sollten. Nun ist es tatsächlich so gekommen: Für Menschen in der Türkei gelten nun an Wochenenden coronabedingt landesweite Ausgangssperren.

Neue Corona-Regeln in der Türkei: Ausgangssperren

  • Samstags und sonntags darf man nur noch zwischen 10 Uhr und 17 Uhr vor die Tür, um etwa im nächstgelegenen Laden einzukaufen, wie es in einer Verfügung des Innenministeriums heißt.
  • Ausgenommen von der Ausgangssperre sind unter anderem Touristen oder andere Reisende.
  • Andere Regeln gelten für Menschen unter 20 und über 65 Jahre. Sie dürfen während der Ausgangssperre nicht vor die Tür.
  • Die Ausgangssperre gilt jeweils bis Montagmorgen um 5 Uhr Ortszeit.
  • Öffnen dürfen Supermärkte und Lebensmittelläden, Obst- und Gemüsehändler und Metzger.
  • Auch Lieferdienste dürfen zwischen 10 Uhr und 17 Uhr ausliefern, Restaurants und Imbisse zwischen 10 Uhr und 20 Uhr.

Zehntausende Neuinfektionen jeden Tag

Das türkische Gesundheitssystem gerät an seine Grenzen. Patienten müssen laut Ärzten teils tagelang auf ein Bett auf der Intensivstation warten, berichtet der Sender n-tv. Es mangele an Ausstattung und Personal, heißt es.
Derzeit gibt es pro Tag etwa 30.000 neue Fälle, nachdem die Türkei ihre Corona-Zahlen wieder nach internationalem Standard ermittelt. Seit Juli waren nur Fälle gezählt worden, die mindestens mittelschwere Corona-Symptome aufwiesen. Dies wiederum hatte zu scharfer Kritik von der Weltgesundheitsorganisation WHO und zu verschärften deutschen Reisewarnungen geführt. Die gesamte Türkei ist derzeit als Risikogebiet eingestuft.

In der Türkei gelten seit dieser Woche auch unter der Woche Ausgangsbeschränkungen zwischen 21.00 Uhr abends und 5.00 Uhr morgens. Unter 20-Jährige und über 65-Jährige dürfen unter der Woche nur in einem Zeitfenster von drei Stunden vor die Tür. Außerdem sind Neujahrsfeiern verboten, und an Beerdigungen dürfen höchstens 30 Personen teilnehmen.

Corona Türkei: In Wirklichkeit 50.000 Neuinfektionen am Tag?

Die Türkische Ärztevereinigung (TTB) glaubt unterdessen, dass es täglich mindestens 50.000 neue Corona-Fälle geben könnte. Staatliche Krankenhäuser seien voll belegt, während die Regierung behauptet, dass die Auslastung bei nur etwa 70 liege. „Patienten warten manchmal tagelang auf ein Bett auf einer Intensivstation“, so der Ärztebund, der schon seit Monaten die offiziellen Statistiken hinterfragt. In einigen Provinzen müssten Patienten auf den Korridoren oder in Kantinen behandelt werden, es gebe aber nicht ausreichend Personal und Ausstattung. Laut TTB erlebt das Land zurzeit einen „Tsunami“, vor dem man ausdrücklich gewarnt hatte. Die TTB fordert nun eine verstärkte Heranziehung von Privatkliniken und Stiftungskrankenhäusern.

Corona-Zahlen in der Türkei

Hurriyet meldet - Stand 5.12.2020 - folgende Fallzahlen:
  • 31.896 Neuinfektionen in 24 Stunden
  • 6128 Erkrankte
  • 5800 Patienten auf Intensivstationen
  • Mindestens 196 Tote in 24 Stunden
  • 533.198 Erkrankte seit März
  • 14.705 Corona-Tote seit Pandemiebeginn