Tsunami Entstehung
: Mehr als 30 Meter hohe Wellen – So entsteht ein Tsunami

Tsunamis sind eine der verheerendsten Naturkatastrophen. Aus dem Nichts heraus können sie ganze Landstriche verwüsten. Doch wie entstehen sie eigentlich?
Von
David Hahn
Berlin
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Suzu, Japan: Offenbar hatte das starke Erdbeben, welches die Küste Japans am Neujahrstag erschütterte, auch einen Tsunami zur Folge.

Kyodo News/dpa

2004 kam es, ausgelöst durch ein Unterwasser-Erdbeben im Indischen Ozean, zu einem der verheerendsten Tsunamis. Über 230.000 Menschen verloren ihr Leben und zahlreiche Küstengemeinden in Indonesien, Sri Lanka, Thailand, Malaysia, Indien, Myanmar bis hin zur afrikanischen Ostküste wurden zerstört. Auch wenn das Ausmaß dieses Tsunami beispiellos in die Geschichte der Naturkatastrophen einging, sind Tsunamis nicht selten. Japan wird zum Beispiel jedes Jahr mindestens einmal von einem Tsunami getroffen. Dabei sind allerdings nur die wenigsten tödlich und verursachen derart immense Schäden. 80 Prozent aller Erdbeben und 65 Prozent der weltweiten Tsunamis entstehen im Pazifischen Feuerring, welcher die Kontinentalgrenzen Asiens, Nord- und Südamerikas umgibt und in dem sich neben Japan auch Philippinen, Indonesien und viele weitere Länder befinden. Doch woran liegt das? Und wie wird aus einem Erdbeben eine Welle?

Wie entsteht ein Tsunami?

Tsunamis können laut der Earth System Knowledge Platform (ESKP) von herabstürzenden Erdmassen oder vulkanischer Aktivität hervorgerufen werden, bei denen sich auch Erdrutsche unter Wasser ereignen. Auch dabei entstehende Explosionen oder Glutlawinen können in Folge eines Vulkanausbruches Wassermassen bewegen. Da es sich beim Pazifischen Feuerring um einen Vulkangürtel und das tektonisch aktivste Gebiet der Erde handelt, sind auch hier diese Art von Tsunamis möglich. In den meisten Fällen wird ein Tsunami jedoch von einem Erdbeben ausgelöst, welches unter dem Meer stattfindet. Aufgrund der vielen Plattengrenzen im Pazifischen Feuerring ist auch hier die Gefahr für durch Seebeben ausgelöste Tsunamis deutlich höher als in anderen Teilen der Erde. Dabei löst nicht jedes Seebeben automatisch einen Tsunami aus. Dafür gelten weitere Voraussetzungen.

Erdbeben: Bedingungen für einen Tsunami

Zum einen muss es laut der Aktion Deutschland hilft durch das Beben zu einer vertikalen Verschiebung kommen. Erdbeben können durch verschiedene Plattenbewegungen entstehen. Reiben die Erdplatten nur aneinander vorbei und lösen ein Beben aus, folgt kein Tsunami. Dieser entsteht nur, wenn sich eine Platte unter eine andere schiebt. An dieser Stelle reißt der Meeresboden ruckartig auf und das Wasser wird nach oben geschoben. Des Weiteren muss das Erdbeben stark genug sein. Oft wird eine Stärke von mindestens 7,0 auf der Richterskala angegeben, damit das Wasser darüber stark genug in Schwingung versetzt wird. Zuletzt muss sich das Zentrum des Erdbebens auch in der richtigen Höhe befinden. Man geht dabei von Tiefen von weniger als 50 Kilometer aus.

Ausbreitung: Tsunami mit 1000 Kilometer pro Stunde

Liegen die eben aufgeführten Bedingungen vor, dann breitet sich die Erhebung des Wassers in alle Richtungen um das Epizentrum rasend schnell aus. Nach Angaben des SWR kommt die Welle dabei auf eine Geschwindigkeit von mehreren hundert Kilometern pro Stunde. So kann ein Tsunami ganze Ozeane durchqueren und auch weit entfernt vom Entstehungsort Küstenabschnitte verwüsten.

Folgen: Tsunami trifft auf Küstenabschnitt

Befindet man sich auf dem offenen Meer, ist die Welle eines Tsunami meist kaum spürbar. Laut der Welthungerhilfe hebt sich das Wasser lediglich ca. 50 cm hoch. Anders als bei normalen Wellen, bei denen sich nur die Meeresoberfläche bewegt, hebt sich bei einem Tsunami jedoch der gesamte Wasserspiegel mit der Welle. Kommt die Welle in Küstennähe und steigt der Meeresboden an, hat die Welle weniger Platz und wird nach oben gedrückt. Bei dem Tsunami 2004 wurde die Welle dadurch bis zu 30 Meter hoch. Trifft diese Welle auf den Küstenabschnitt, sind die Folgen verheerend. Nicht nur aufgrund der Höhe der Welle, sondern vor allem wegen der Länge der Welle, richten Tsunamis große Verwüstung an. So sind Tsunamis nach Angaben des SWR oft bis zu mehreren hundert Kilometern lang. Als Folge rollen sie mitunter bis ins Landesinnere über ganze Landstriche hinweg. Wenn sich die Welle und das Wasser wieder zurückzieht, kann die daraus folgende Sogwirkung ebenfalls große Schäden anrichten und Menschen sowie Objekte auf das Meer hinausziehen.

Woher kommt der Name „Tsunami“?

Auf offener See ist ein Tsunami eher unauffällig. Erst an der Küste erhebt sich der Wellenkamm und ist sicht- und spürbar. Japanische Fischer sollen laut der Welthungerhilfe nach ihrer Arbeit zurückgekommen sein und zerstörte Häfen, Küsten und Landstriche vorgefunden haben. Deshalb sei das Phänomen als Tsunami getauft worden, was so viel bedeutet wie „Welle im Hafen“. „Tsu“ steht dabei für Hafen und „nami“ für große Welle.