Richtig in den Fokus gerückt ist der Messengerdienst Telegram erst in der Corona-Pandemie. Vorher galt die App noch als sichere Alternative zu Whatsapp – vor allem in Sachen Datenschutz. Die verschlüsselte Kommunikation in geheimen Chatgruppen haben sich allerdings schnell extreme Gruppierungen zunutze gemacht. Wegen virtuellen Versammlungen von Verschwörungstheoretikern, sogenannten Corona-Leugnern und Rechtsextremen steht Telegram heftig in der Kritik. Alle Infos zu den Hintergründen des Messengers und zur aktuellen Debatte findet ihr hier.
  • Was ist Telegram?
  • Wem gehört die App?
  • Wo ist der Sitz?
  • Was sind die Unterschiede zu Whatsapp?
  • Wie ist der aktuelle Stand der Diskussion um Telegram?

Was ist Telegram?

Telegram ist eine kostenlose Messaging-App, über die sich Nutzer wie über Whatsapp, Signal, Threema oder den Facebook-Messenger austauschen können – mit Textnachrichten, Sprachnachrichten, Videos und Fotos. Telegram-Gruppen können zudem bis zu 200.000 Mitglieder haben. Erstellt man einen sogenannten „Kanal“, können dem sogar unbegrenzt Leute folgen. Solche Kanäle nutzen Beispielsweise auch Regierungsportale, um den Bürgerinnen und Bürgern News mitzuteilen. Über Kanäle wird nur publiziert, ohne Interaktion der Follower. Es besteht die Möglichkeit, sogenannte „geheime Chats“ zu erstellen. Es gibt öffentliche und private Gruppen und Kanäle. Diese Form der Kommunikation hat sich jedoch als gefährlich erwiesen, da jede Privatperson, auch mit radikaler Gesinnung, Theorien und Verschwörungen frei zugänglich publizieren und verbreiten.

Wem gehört Telegram?

Der Eigentümer von Telegram ist Pawel Durow. 2013 wurde der Messenger von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow gegründet. Vorher hatten die Brüder bereits das meistgenutzte russische soziale Netzwerk Vk.com gegründet. Pawel Durow ist laut eines Tagesschau-Berichts stolz, dass Behörden die Nutzer nicht ausspähen können. Er selbst sei wohl schon ins Visier geraten: Denn er sieht sich als „Rebell, als Kämpfer für Meinungsfreiheit und gegen staatliche Überwachung“.

Wer ist Pawel Durow? – Steckbrief zum Telegram-Gründer

Pawel Durow ist kaum in der Öffentlichkeit zu sehen. Er hält sich meist bedeckt und im Hintergrund. Wer ist der Mann hinter Telegram?
  • Name: Pawel Durow
  • Geboren: 10.10.1984
  • Alter: 36
  • Geburtsort: Leningrad, Russland
  • Beruf: Unternehmer
  • Vermögen: über 17 Milliarden US-Dollar (Schätzung Forbes im Juni 2021)
Im April 2014 trat Pawel Durow als Direktor von VK.com zurück und verließ das Unternehmen und Russland.

Telegram Sitz: Wo ist der Sitz des Unternehmens?

Die Basis des Entwicklerteams befindet sich nach eigenen Angaben in Dubai. Pawel Durow bezeichnet sich und sein Team allerdings als „Digitalnomaden“. Im Impressum von Telegram ist keine Anschrift zu finden.

Telegram vs. Whatsapp: Was ist der Unterschied bei Nutzung und Datenschutz?

Die versendeten Dateien dürfen  auf Telegram bis zu 1,5 Gigabyte groß sein. Bei Whatsapp ist die maximale Dateigröße 100 Megabyte. Es sind in Whatsapp außerdem nur Gruppen mit bis zu 256 Mitgliedern möglich, wohingegen es bei Telegram 200.000 sind. Bei Whatsapp sind Chats zwischen Nutzern dafür mittlerweile automatisch Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Dritte können nicht zugreifen. In Telegram startet man dafür extra einen „geheimen Chat“. Ansonsten werden die Standard-Chats verschlüsselt auf den Telegramservern gespeichert. Der Quellcode von Telegram ist Open Source. Jeder User und jede Userin kann den Code theoretisch also einsehen und auf Sicherheitslücken prüfen.

Gruppen und Corona-Verschwörungen: Der aktuelle Stand der Diskussion um Telegram

Besonders bei extremen und radikalen Gruppierungen ist Telegram beliebt. Zum Beispiel bei Corona-Leugnern, Rechtsextremen und Verschwörern. Einer der Gründe dafür ist die einfache Kommunikation zwischen vielen Menschen mit gleicher Gesinnung über Kanäle und Gruppen. Ein anderer ist, dass Telegram im Gegensatz zu Facebook, Instagram oder Youtube kaum Inhalte löscht. Auch nicht, wenn es sich um kritische Behauptungen, Lügen und Verschwörungstheorien handelt. Corona-Leugner und sogenannte „Querdenker“ wie Attila Hildmann haben den Messenger zuletzt genutzt, um Verschwörungstheorien zu verbreiten. Auf Telegram werden meist auch Corona-Demos gegen die aktuellen Maßnahmen organisiert. Zuletzt hab es gerfährliche Äußerungen einzelner Mitglieder einer Telegram-Gruppe die sich gegen Michael Kretschmer, Ministerpräsident in Sachsen, richteten. Die Nachrichten legten den Verdacht nahe, dass einige Mitglieder im Besitz von Waffen sein könnten, teilte die Polizei auf Twitter mit. Aktuell läuft eine Razzia:

Corona-Ungeimpfte flüchten sich in Telegram, suchen Dienstleister und Co.

Auf einem „Werbekanal für Ungeimpfte“ beim Messengerdienst Telegram tauschen sich Menschen aus, die aktuell nicht gegen Corona geimpft werden möchten. Einem aktuellen Bericht des BR zufolge suchen sie dort Friseure, Pflegedienstleister, Sportangebote und Co. Also Dienstleister, die sie wegen der fast überall gültigen 2G Corona-Regel nicht mehr aufsuchen dürfen. Dem Bericht zufolge gibt es auch öffentliche Telegram-Kanäle oder Gruppen, in denen Ungeimpfte nicht nur Dienstleistungen suchen und finden, sondern auch Jobs. Diese würden teilweise sogar gezielt von Unternehmen auf Mitarbeitersuche genutzt.