Auf sozialen Netzwerken wie WhatsApp, Telegram und Facebook werden viele Nachrichten zum Thema Corona geteilt, kommentiert, weitergeleitet. Es entstehen riesige Gruppen von Menschen, die sich zu diesem Thema austauschen – dabei kann es in der Flut der Nachrichten schwer fallen, einen Faktencheck zu machen. In dieser Zeit passieren viele Dinge, die noch vor zwei Jahren undenkbar gewesen wären. Vielen scheint jetzt alles möglich zu sein.
In diesem Text wollen wir einige Corona-Nachrichten, die uns über den Weg laufen, prüfen. Was stimmt, was stimmt nicht?

Fordert Lauterbach Fußfesseln für Ungeimpfte – oder ist ntv-Artikel ein Fake?

Aktuell kursiert die Nachricht, dass Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gefordert haben soll, dass Ungeimpfte künftig elektronische Fußfesseln tragen sollen. Das ist falsch. Wie das Portal „Correctiv“ zeigt, passt der Screenshot, der durch die Netzwerke kursiert, nicht zur Webseite von NTV, auf der der Artikel veröffentlicht worden sein soll. Schriftart, Schriftfarbe und Artikelaufbau stimmen nicht überein mit dem Stil der Seite.
Generell sollte man immer stutzig werden, wenn man nur einen Screenshot eines Artikels bekommt – aber keinen Link zum eigentlichen Text. Bilder können (und werden) schnell gefälscht.

Corona und Grippe im Vergleich – Welche Krankheit ist gefährlicher?

An Corona sterben mehr Menschen. Laut RKI schwankt die Zahl der Grippetoten in Deutschland je nach Saison extrem. Das geht aus einem Bericht des BR hervor. Mal waren es wenige hundert Todesfälle, mal mehr als 20.000. Im besonders schlimmen Winter 2017/18 wurden knapp 1700 Tote gemeldet, man ging jedoch von etwa 25.000 Grippetoten aus. Der erste belegte Corona-Fall in Deutschland im Januar 2020 entdeckt. Bis zum Frühsommer 2021 sind mit oder an Covid mehr als 85.000 Menschen gestorben – trotz Lockdowns und strengen Maßnahmen.
Corona ist außerdem ansteckender als die Influenza (Grippe). Der R-Wert, also die Reproduktionszahl ist Maßstab dafür, wie ansteckend eine Krankheit ist. Beträgt sie 1, steckt ein Infizierter im Schnitt einen weiteren Menschen an. Beträgt sie 3, steckt ein Infizierter im Schnitt drei andere an. Hier die Übersicht der geschätzten R-Werte laut RKI:
  • Influenza: 1,28
  • Spanische Grippe 1918: geschätzt 1,8
  • Asiatische Grippe 1957: geschätzt 1,7
  • Hongkong-Grippe 1968: geschätzt 1,8
  • Corona-Virus: 2,8 - 3,8 (je nach Variante)

Antiviraler Kaugummi „Covid Gum“ schützt gegen Corona – kann das sein?

Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Wer auf die Webseite des Herstellers von „Covid Gum“ geht, dem wird ein Produkt versprochen, dass sich „das Ansteckungsrisiko mit Covid-19 deutlich verringert“. Und noch dazu: Covid Gum sei vegan und bestehe nur aus natürlichen Inhaltsstoffen. Der Kaugummi soll so funktionieren: Beim Kauen von Covid Gum werden antivirale Stoffe freigesetzt, die die Viruslast verringern. Das würde bedeuten, dass jemand mit Corona weniger Virus ausatmet – und so seine Umgebung schützt. Man muss laut Hersteller 15 Minuten kauen für rund 120 Minuten Wirkzeit. Eine Packung mit 30 Kaugummis kostet 9,90 Euro.
Schützt der antivirale Kaugummi gegen Corona? Vielleicht, ein bisschen ist hier die Antwort. Das Kauen des Kaugummis hat ungefähr die gleiche Wirkung wie Gurgeln. Dieses alte Hausmittel hilft tatsächlich gegen Atemwegserkrankungen, bzw. kann dagegen helfen, dass sie entstehen. Dazu hat es schon Studien gegeben – und so ähnlich funktioniert der Kaugummi. Aber, wie auch der Hersteller schon schreibt: Covid Gum ersetzt keine Hygienemaßnahmen wie Abstand und Maske und ersetzt auf keinen Fall die Impfung. Der Kaugummi sei „als Zusatzmaßnahme zu den bekannten Hygienemaßnahmen“ zu verstehen. Der sicherste Schutz gegen Corona ist das Impfen. Wer aber trotzdem noch etwas extra haben will, kann ruhig das Kaugummi probieren.

„Biontech-Chef Uğur Şahin ist ungeimpft“ – was hinter einem Interview auf Twitter steckt

Es kursiert auf Twitter ein Video, dass den Gründer der Firma Biontech, Uğur Şahin, zeigt, der darin sagt, er sei nicht gegen Corona geimpft. Darin sagt er angeblich gegenüber Journalisten der Deutschen Welle, dass er sich nicht impfen lassen darf.
Dieses Video ist zwar kein Fake, aber es ist alt. Es stammt aus dem Dezember 2020, als der Impfstoff noch nicht allen zur Verfügung stand. Wenn Uğur Şahin also sagt, er dürfe sich nicht impfen lassen, dann hat er in diesem Kontext recht. Im Dezember 2020 war der Impfstoff in Deutschland zunächst nur für ältere Menschen und Pflegebedürftige verfügbar. Şahin hat sich selbst auch schon zu der Falschmeldung geäußert: Er postete ein Foto auf Linkedin von sich, wie er Anfang 2021 die Impfung erhielt.

Fühererscheinentzug für Ungeimpfte – ist das im Gespräch?

Die Theorie, dass Ungeimpften bald der Führerschein entzogen werden könnte, ist ein Gerücht. Der Sender ntv hatte einen Verfassungsrechtler interviewt, der sagte: „Es gibt gewisse Grundleistungen, die für das Überleben notwendig sind, die müssen auch Leute bekommen, die sich nicht impfen lassen. Der Staat hat da einige Möglichkeiten auf einer langsam ansteigenden Skala, auf der die Eingriffe härter werden. Er wird sinnvollerweise unten anfangen.“ Auf Nachhaken des Senders sagte der Jurist Joachim Wieland: „Der Staat könnte bei Bafög, Wohngeld und Ähnlichem ansetzen und die Auszahlung vom Impfstatus abhängig machen. Er könnte einem Impfverweigerer den Führerschein entziehen. Auch das ist eine Sanktionsmöglichkeit, die der Staat hat.“ Von Seiten der Regierung hatte sich also niemand zum Thema Führerschein oder ähnlichem geäußert. Das Gerücht, diese Maßnahme sei im Gespräch hielt sich allerdings hartnäckig.

Impfzwang und Impfpflicht: Muss man sich impfen lassen?

Neben einrichtungsbezogenen Impfpflichten wird in der Bundesregierung aktuell auch eine zeitnahe Entscheidung über eine allgemeine Impfpflicht vorbereitet. Allerdings bedeutet das nicht, dass jemand zur Impfung gezwungen wird. Es Bedeutet wie bei anderen staatlich angeordneten Pflichten auch, dass mit Einschränkungen, Bußgeldern und anderen Maßnahmen gerechnet werden muss, wenn man sich nicht an die Pflicht hält. Es wird allerdings niemand unfreiwillig zum Arzt oder ins Impfzentrum gebracht.

Gefährliche „Medikamente“: Wurmkur Ivermectin wirkt nicht gegen Corona

Eine Zeit lang wurde verbreitet, dass das Entwurmungsmittel Ivermectin zur Behandlung bei einer Corona-Infektion eingesetzt werden könne. Das ist ein Medikament, das eigentlich in der Tiermedizin eingesetzt wird, um Pferde oder Rinder zu entwurmen. Sowohl in Österreich, Deutschland als auch in den USA haben Menschen vermehrt Ivermecin gekauft und eingenommen. Es häuften sich in Giftnotrufzentralen die Anrufe von Patienten, die das Mittel genommen hatten. Es wirkt nicht gegen Covid-19 und laut RKI bestehe das „Risiko der schwerwiegenden Toxizität bei unkontrollierter Anwendung“.

Corona-Impfung macht unfruchtbar: Eine hartnäckige Falschmeldung

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die Impfung gegen Corona unfruchtbar machen könnte. Das ist aber nicht richtig. Die Impfung ist sicher und verändert nichts an der Fruchtbarkeit von weder Mann noch Frau. Die Impfung ist auch sicher für Schwangere und ist während der Stillzeit ebenfalls unbedenklich. Einige Frauen haben berichtet, dass sie nach der Covid-Impfung einen veränderten Zyklus gemerkt haben. Das ist möglich und bei Impfungen völlig normal. Das hängt mit der Reaktion des Immunsystems zusammen. „Die beobachteten Störungen des Zyklus sind vorübergehend und nicht mit Unfruchtbarkeit verbunden,“ schreibt das RKI.