Krankenschein per Telefon
: Einschränkungen und Bedingungen der telefonischen Krankschreibung

Telefonische Krankschreibungen können Patienten und Ärzten das Leben leichter machen. Aktuell sind diese nicht möglich, sollen aber wieder kommen. Wann und für wen soll sie gelten?
Von
Daniel Steiger
Berlin
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Krankschreibungen per Telefon sind aktuell nicht möglich. Sie sollen aber wieder eingeführt werden. Wann und unter welchen Bedingungen?

Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Saison der Atemwegsinfektionen ist in vollem Gange. Volle Wartezimmer in Hausarztpraxen und teils Warteschlangen vor Apotheken zeugen von einer zunehmenden Anzahl an Erkältungserkrankungen. Auch die Zahl der Corona–Erkrankungen nimmt wieder zu. Entlastung für Mediziner und Patienten könnte eine telefonische Krankschreibung bringen. Doch die lässt noch auf sich warten.

Wann kommt die telefonische Krankschreibung?

Die Regelung zur telefonischen Krankschreibung wurde während der Corona–Pandemie eingeführt, um Hausarztpraxen zu entlasten, und war im April 2023 zunächst ausgelaufen. Ein im Sommer vom Bundestag beschlossenes Gesetz von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht vor, dass Krankschreibungen per Telefon dauerhaft möglich werden sollen. Allerdings sollte die dazu notwendige Richtlinie ursprünglich erst Ende Januar 2024 vorliegen. Doch jetzt geht anscheinend alles viel schneller: Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken will am 7. Dezember über eine Änderung der entsprechenden Arbeitsunfähigkeits–Richtlinie entscheiden, wie aus der Tagesordnung des Ausschusses hervorgeht. Anders als sonst bei entsprechenden Richtlinien üblich sollen die Versicherten die Möglichkeit sofort nach Beschluss nutzen können, wie eine Sprecherin des Bundesausschusses am Mittwoch der Deutschen Presse–Agentur sagte.

Einschränkungen für Krankenschein am Telefon

Die telefonische Krankschreibung soll aber auch dann nur unter gewissen Einschränkungen möglich sein. Laut Gesundheitsministerium soll sie nur bei Krankheiten ohne schwere Symptome und nur bei Patienten, die in der jeweiligen Arztpraxis bekannt sind, gelten.

Warum Ärzte die schnelle Einführung der telefonischen Krankschreibung fordern

Angesichts der steigenden Zahl von Atemwegsinfektionen hat der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen– und Hausärzteverbandes, Markus Beier, mehr Tempo bei der Wiedereinführung der telefonischen Krankschreibung gefordert. Dass dies noch nicht geschehen ist, sei „überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagte Beier den Zeitungen des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vom Dienstag. Die Krankschreibung per Telefon wäre „schon diesen Winter eine dringend notwendige Entlastung für die derzeit extrem geforderten Hausarztpraxen gewesen.“ Die Hausärzte und ihre Praxisteams arbeiten ihm zufolge bereits jetzt unter absolutem Hochdruck, um alle zu versorgen. „Aber vielerorts wird es immer schwieriger, dem Ansturm gerecht zu werden.“

Das habe nicht nur mit der aktuellen Infektionswelle zu tun, sondern vor allem auch mit fehlenden Hausärztinnen und Hausärzten, sagte Beier. Dieses Problem sei seit Jahren bekannt. „Wir bekommen keinerlei Rückendeckung von den Verantwortlichen aus der Politik“, kritisierte er. „Es gibt zwar viele Versprechungen und Ankündigungen, auf eine wirkliche Entlastung und Stärkung unserer Arbeit warten wir aber bisher vergeblich.“

(mit Material von AFP und dpa)