Taylor Swift in Wien: Das planten die Attentäter

Alle drei Konzerte von Taylor Swift in Wien wurden ersatzlos abgesagt. Was ist aktuell zu den Anschlagsplänen bekannt?
Jordan Strauss/AP/dpa-tmn/dpaIm ausverkauften Ernst-Happel-Stadion in Wien hätten jeden Abend 65.000 Menschen ausgelassen zu Hits wie „Blank Space“ oder „Shake It Off“ von Taylor Swift gefeiert. Die Massenveranstaltungen wurden zum Ziel für islamistische Attentäter und wegen der Terrorgefahr weniger als 24h vor dem Konzertbeginn abgesagt. Österreichische Behörden haben auf einer Pressekonferenz am Donnerstag den aktuellen Stand der Ermittlungen mitgeteilt. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), DSN-Direktor Omar Haijawi-Pirchner und der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, gaben dabei auch neue Informationen zu den Anschlagsplänen bekannt.
Taylor Swift Konzert in Wien abgesagt
Konzerte wurden bereits in der Vergangenheit Ziel terroristischer Anschläge. So kam es zum Beispiel am 13. November 2015 zu einem Anschlag im Pariser Nachtclub Bataclan, bei dem mehr als 130 Menschen starben und viele weitere hundert verletzt wurden. Zuletzt wurden am 24. März bei einem Angriff auf einen Konzertsaal bei Moskau mindestens 137 Menschen getötet. Die Sorge, dass sich eine derartige Bluttat wiederholen könnte, war bei den Veranstaltern von den Taylor Swift Konzerten in Wien zu groß. „Aufgrund der Bestätigung durch Regierungsbeamte über einen geplanten Terroranschlag im Ernst-Happel-Stadion haben wir keine andere Wahl, als die drei geplanten Shows zur Sicherheit aller abzusagen“, teilte der Veranstalter, Barracuda Music, auf Instagram mit. Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, sagte gegenüber dem ORF-Radio, dass die beiden Festnahmen zwar konkrete Bedrohungslage minimiert hätten, allerdings seit Monaten eine abstrakte Bedrohung mit erhöhter Terrorgefahr bestehe. Die Polizei habe nach eignen Angaben nicht darauf gedrängt, die Konzerte abzusagen, Innenminister Karner betonte jedoch bei der Pressekonferenz sein Verständnis für die Absage des Konzertveranstalters.
Diese Personen wurden bisher festgenommen
Ein 19-Jähriger sei in Ternitz, rund 75 Kilometer südwestlich von Wien, aufgespürt worden. Er gilt bei den Ermittlungen als Hauptverdächtiger, war der Staatspolizei bereits bekannt und habe bereits ein vollumfängliches Geständnis abgelegt. Eine weitere Person sei in Wien von der Polizei gestellt worden. Es handele sich dabei um einen 17-jährigen. Die beiden hätten im Austausch gestanden und „Konkrete Vorbereitungshandlungen“ auf einen möglichen Anschlag im Haus des 19-Jährigen in Ternitz durchgeführt. Ein 15-jähriger Österreicher wird laut den Behörden derzeit ebenfalls vernommen.
Aktuell werden laut der Polizei keine weiteren Personen gesucht. Es scheint den Behörden nach keine weitere Bedrohungslage in anderen Bundesländern zu geben. Im Umfeld soll es jedoch Personen gegeben haben, die von den Plänen wussten und diese unter Umständen auch unterstützten. Diese Ermittlungen dauern nach Angaben der Behörden weiter an.
Radikalisierung im Internet: Verbindungen zum IS
Der 19-jährige Österreicher sei auf einschlägigen Plattformen im Internet aktiv gewesen. Über Online-Foren habe er sich radikalisiert, berichtete die Polizei. Von dem Verdächtigen sei im Juli ein Treueschwur gegenüber dem aktuellen Führer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in einem Internetaccount hochgeladen worden. Zwar sei das Video vom Verdächtigen kurz danach wieder gelöscht worden, die Polizei habe das Video jedoch sicherstellen können.
Im Rahmen der Festnahmen wurden am Mittwoch auch die Räumlichkeiten des 19-Jährigen durchsucht. Am Abend waren dort immer noch Spezialisten im Einsatz und Ermittler in Schutzanzügen zu sehen. Aus Sorge vor möglichen Sprengstoff-Fallen hatte die Polizei das Gebäude weiträumig abgeriegelt. Dazu mussten zahlreiche Menschen ihre Wohnung verlassen. Auch ein Teil eines Seniorenheims wurde geräumt. Die dort vorgefundenen Waffen gaben zusammen mit dem Geständnis des 19-Jährigen weitere Hinweise zu den Anschlagsplänen.
Was planten die Attentäter?
Bei der Hausdurchsuchung seien mehrere chemischen Substanzen sichergestellt worden. Laut den vorgestellten Ermittlungsergebnissen handelte es sich dabei um Wasserstoffperoxid, welches der Herstellung von Sprengstoff diente. Der 19-Jährige hatte sich nach Polizeiangaben über Bombenbau online informiert und Anleitungen heruntergeladen. Darüber hinaus wurden Hieb- und Stichwaffen wie Macheten und Messer, aber auch IS-Propaganda-Material, Schreckschussmunition und ein Polizeihorn beschlagnahmt.
Der 19-Jährige hatte laut den Behörden keine Karte für das Konzert. Er soll auf die Zuhörer und Fans außerhalb des Stadions gezielt haben. Bei den drei Konzerten wurden rund 20.000 Fans erwartet, die ohne Tickets zu der Arena gekommen wären, um die Musik ihres Idols aus der Ferne zu hören. In seinem Geständnis habe der 19-Jährige ausgesagt, dass er dort mit Messern und Bomben sich selbst und so viele Menschen wie möglich töten wollte. Ein Eindringen in das Stadion sei von ihm nicht geplant gewesen. Mit dem Polizeihorn habe der 19-Jährige laut Polizeiangaben auf das Gelände kommen oder sich damit einen Fluchtweg ermöglichen wollen.
Über Facility-Unternehmen eingeschleust
Der zweite Verdächtige war laut den aktuellen Ermittlungsergebnissen seit drei Tagen in einem Facility-Unternehmen angestellt, welches bei den Konzerten von Taylor Swift in Wien tätig gewesen wäre. Er habe im umfangreichen Kontakt mit dem 19-Jährigen gestanden, verweigere jedoch derzeit eine Aussage, weshalb zu den Plänen des 17-Jährigen noch keine genauen Details bekannt sind. Ein weiterer 15-Jähriger werde aktuell noch vernommen.
