Tanken
: Warum steigen die Spritpreise in Deutschland so stark?

Sprit kostet mehr als zwei Euro pro Liter. Viele haben das Gefühl, dass die Preise vor allem in Deutschland explodieren. Ganz falsch ist dieser Eindruck nicht.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Inflationsrate: 11.03.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart: Deutlich über zwei Euro pro Liter liegen am Morgen alle angebotenen Spritsorten an einer Tankstelle in Stuttgart. Foto: Katharina Kausche/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Deutlich über zwei Euro pro Liter liegen am Morgen des 11. März 2026 alle angebotenen Spritsorten an einer Tankstelle in Stuttgart.

Katharina Kausche/dpa

Die Preise an den Tankstellen steigen aktuell deutlich. Superbenzin und Diesel kosten vielerorts mehr als zwei Euro pro Liter. Schnell entsteht dabei der Eindruck, dass die Preise vor allem in Deutschland besonders stark nach oben gehen. Ein Vergleich mit unseren Nachbarländern zeigt jedoch: Ganz allein steht Deutschland mit dieser Entwicklung nicht da, auch wenn der Anstieg hier tatsächlich zu den stärksten gehört.

Benzin: Deutschland mit dem stärksten Anstieg

Beim Benzinpreis liegt Deutschland im europäischen Vergleich derzeit weit vorne, wenn man die Entwicklung der vergangenen Wochen betrachtet. Am 9. März kostete ein Liter Benzin hierzulande durchschnittlich 2,03 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund 16 Prozent innerhalb eines Monats – stärker als in allen anderen betrachteten Ländern.

Auch in einigen Nachbarstaaten sind die Preise deutlich gestiegen, allerdings etwas weniger stark. In Österreich etwa legte der Benzinpreis um 14,8 Prozent zu und lag zuletzt bei 1,71 Euro pro Liter. In Luxemburg, wo Tanken traditionell günstiger ist, betrug der Anstieg rund 13 Prozent bei einem Preis von 1,65 Euro.

In anderen Ländern fiel der Preissprung deutlich moderater aus. In Frankreich etwa stieg der Benzinpreis im Monatsvergleich nur um 6,5 Prozent und lag bei etwa 1,79 Euro pro Liter. Noch geringer war die Entwicklung in osteuropäischen Ländern: In Polen verteuerte sich Benzin lediglich um 2,3 Prozent auf etwa 1,36 Euro, in Tschechien sogar nur um 1,7 Prozent auf rund 1,39 Euro pro Liter.

Der Vergleich zeigt: Benzin wird derzeit in vielen europäischen Ländern teurer. Deutschland gehört jedoch zu den Staaten, in denen die Preise aktuell besonders stark anziehen.

Diesel: Deutschland ebenfalls mit starkem Preisanstieg

Auch beim Diesel gehört Deutschland zu den Ländern mit besonders starken Preissprüngen. Am 9. März lag der durchschnittliche Preis bei 2,18 Euro pro Liter. Im Vergleich zum Vormonat entspricht das einem Anstieg von rund 27,5 Prozent.

Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich weit vorne. Noch stärker fiel der Anstieg nur in Luxemburg aus, wo der Dieselpreis um etwa 28 Prozent zulegte, allerdings weiterhin deutlich niedriger liegt – zuletzt bei 1,83 Euro pro Liter. Auch in Österreich und Dänemark kletterten die Preise kräftig, mit Zuwächsen von rund 24 beziehungsweise 23 Prozent.

In anderen Ländern fiel der Preisanstieg deutlich moderater aus. In Frankreich etwa verteuerte sich Diesel um rund 16,8 Prozent auf etwa 1,95 Euro pro Liter, in Belgien um 17,1 Prozent. Noch geringer war die Entwicklung in einigen Nachbarstaaten: In der Schweiz stieg der Preis um 9,5 Prozent, in den Niederlanden um 7,7 Prozent.

Besonders niedrig bleiben sowohl Preise als auch Anstiege in Teilen Osteuropas. In Tschechien kostete Diesel zuletzt etwa 1,37 Euro pro Liter und stieg im Monatsvergleich nur um 2 Prozent. In Polen fiel der Anstieg mit 1,7 Prozent noch geringer aus.

Der Vergleich zeigt: Auch beim Diesel steigen die Preise in vielen Ländern. Deutschland gehört jedoch zu den Staaten, in denen die Entwicklung derzeit besonders stark ausfällt.

Warum steigen die Preise derzeit so stark?

Auslöser für die Entwicklung ist vor allem der Konflikt im Nahen Osten. Der Ölpreis reagiert auf geopolitische Risiken besonders sensibel, etwa auf mögliche Störungen der Lieferwege im Persischen Golf. Ein wichtiger Engpass ist die Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des weltweit gehandelten Öls transportiert wird.

Steigende Rohölpreise wirken sich meist schnell auf die Preise für Benzin und Diesel aus.

Hoher Steueranteil in Deutschland

Ein weiterer Grund für das vergleichsweise hohe Preisniveau sind die Abgaben auf Kraftstoffe. Laut ADAC machen Steuern und staatliche Abgaben einen großen Teil des Spritpreises aus. Dazu zählen Energiesteuer, CO₂-Abgabe sowie 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Insgesamt bestehen rund 64 Prozent des Benzinpreises und etwa 56 Prozent des Dieselpreises aus Steuern und Abgaben.

Unterschiedliche Abgaben in Europa

Viele europäische Länder erheben niedrigere Abgaben. In Luxemburg etwa ist die Mehrwertsteuer geringer und der Staat setzt teilweise Höchstpreise fest. Auch in Polen oder Tschechien sind Energiesteuern und CO₂-Abgaben niedriger.

Das führt dazu, dass Preisschwankungen auf dem Weltmarkt dort weniger stark an den Zapfsäulen ankommen.

Marktstruktur und Wettbewerb

Auch der Wettbewerb spielt eine Rolle. In einigen Ländern gibt es deutlich mehr Tankstellen pro Einwohner, was den Konkurrenzdruck erhöht. Mehr Wettbewerb kann dazu führen, dass Preissteigerungen langsamer an die Kunden weitergegeben werden.

Kritik an der Mineralölbranche

Der ADAC kritisiert zudem, dass Preissteigerungen häufig schneller an die Verbraucher weitergegeben werden als Preissenkungen. Tanklager seien teilweise noch mit Kraftstoffen gefüllt, die zu niedrigeren Preisen eingekauft wurden.

Politik prüft Preissprünge

Die steigenden Preise werden inzwischen auch politisch diskutiert. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte an, die Entwicklung gemeinsam mit dem Bundeskartellamt beobachten zu lassen. Es solle geprüft werden, ob Unternehmen die Situation ausnutzen.

Ein Instrument, geopolitisch bedingte Preissteigerungen kurzfristig zu verhindern, gibt es laut Kartellamtspräsident Andreas Mundt allerdings nicht.

Entscheidend bleibt der Ölpreis

Wie sich die Preise weiter entwickeln, hängt vor allem vom Rohölmarkt ab. Der Konflikt im Nahen Osten hat die Sorge vor Lieferengpässen verstärkt, insbesondere wegen der strategisch wichtigen Straße von Hormus, über die ein großer Teil des weltweiten Öls transportiert wird.

Sollte der Konflikt länger dauern oder sich ausweiten, könnten Benzin und Diesel weiter teurer werden – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Quelle

Die verwendeten Zahlen stammen von der Plattform GlobalPetrolPrices.com. Dort werden wöchentlich die durchschnittlichen Kraftstoffpreise in rund 150 Ländern und mehr als 250 Städten weltweit erfasst und veröffentlicht, basierend auf nationalen Durchschnittswerten.