Am 27. Juli 2022 hat das Bodenpersonal der Lufthansa die Arbeit niedergelegt. Der Streik, aufgerufen durch die Gewerkschaft Verdi, hat zu mehr als 1.000 gestrichenen Flügen und hunderten Verspätungen geführt. Sowohl Langstrecken- als auch Kurzstreckenflüge waren betroffen.
Aber nach dem Streik ist vor dem Streik: Bei der Lufthansa - wie bei vielen Airlines aktuell - kommt das Personal an ihre Belastungsgrenze. Hier wollen wir also die Frage beantworten: Wird es diesen Sommer nochmal zu so einem Streik kommen?

Streik der Piloten bei der Lufthansa: Urabstimmung läuft

Die kurze Antwort auf die Frage dieses Artikels lautet: Ja, womöglich schon. Aktuell bereitet sich nämlich die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) auf einen großangelegten Streik vor. Die VC vertritt die Piloten der Lufthansa. Aktuell läuft noch bis zum 31. Juli 2022 eine Urabstimmung über mögliche unbefristete Streiks. Bei einer Urabstimmung fragt eine Gewerkschaft ihre Mitglieder, ob sie in den Arbeitskampf treten wollen oder nicht. Gestreikt wird, wenn 75 Prozent der Mitglieder der Urabstimmung zustimmen.
Sollten die Mitglieder der VC bei der Urabstimmung eine positive Antwort liefern, dann wäre die Gewerkschaft im August bereit für den Streik. Für die Lufthansa wäre das nicht nur wegen des Zeitpunkts ein Riesenproblem, sondern auch, weil es sich hiermit um unbefristete Streiks handelt. Der Schaden, dem das Unternehmen zukommen könnte, wäre also noch viel größer als beim Warnstreik. Der Warnstreik ist immer zeitlich befristet.

Streik des Bodenpersonals: Verdi schließt neuen Warnstreik bis Mitte August aus

Lufthansa-Kunden müssen nach dem Warnstreik des Bodenpersonals am 27. Juli zumindest bis zur nächsten Gesprächsrunde in der kommenden Woche keine weiteren Aktionen der Gewerkschaft Verdi fürchten. Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle sagte im ZDF-„Morgenmagazin“ auf eine entsprechende Frage: „Das kann ich ausschließen.“ Verdi und die Lufthansa wollen wieder am 3. und 4. August über Gehälter und Arbeitsbedingungen der rund 20 000 Bodenbeschäftigten sprechen. Behle verteidigte zudem die Länge des Warnstreiks von mehr als 24 Stunden: Man versuche, alle Beschäftigten einzubeziehen.

Streik bei Easyjet und Ryanair im Sommer 2022

Auch bei anderen Airlines ist die Stimmung des Personals gerade mies. Aber es wurden auch schon Erfolge erzielt. So haben sich Gewerkschaft und Unternehmen im Fall des Pilotenstreiks der SAS in Skandinavien nach vier Tagen Streik einigen können. Und auch in Belgien bei der Airline Brussels Airways ist es zu einer Entlastung des Personals gekommen, nachdem im Juni wegen eines Streiks zahlreiche Flüge ausfielen.
Allerdings ist bei den beiden Billiglinien Easyjet und Ryanair bisher noch keine Einigung in Sicht. In Spanien streikt das Kabinenpersonal beider Airlines noch bis Ende Juli an mehreren Tagen. Auch das belgische Personal von Ryanair hat Ende Juli die Arbeit niedergelegt. An folgenden Tagen wird bei diesen beiden Airlines der Arbeitskampf ausgeführt:
  • 28. Juli (Ryanair)
  • 29. Juli (Easyjet)
  • 30. Juli (Easyjet)
  • 31. Juli (Easyjet)
Ob danach eine Einigung mit den spanischen Gewerkschaften gefunden wird, ist noch völlig offen.

Verspätung oder Ausfall durch Streik: Welche Rechte habe ich?

Bei streikbedingtem Flugausfall oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden muss die Airline laut der Verbraucherzentrale Reisenden eine alternative Beförderung zum Ziel anbieten - etwa durch Umbuchung auf einen anderen Flug. Dies passiert oft automatisch. Oder die Airline bietet die Option an, das Ticket für innerdeutsche Flüge in eine Bahnfahrkarte umzuwandeln.
Bietet die Airline so etwas nicht von selbst an, sollten Betroffene ihr eine Frist zur Beschaffung der Alternative setzen. Als angemessenes Zeitfenster für die Frist sieht Reiserechtler Paul Degott zwei bis drei Stunden nach der geplanten Abflugzeit. Kommt die Airline der Aufforderung nicht nach, rät die Verbraucherzentrale Reisenden, sich selbst Ersatz beschaffen und die Kosten der Airline hinterher in Rechnung stellen.
Hat ein Flug mehr als fünf Stunden Verspätung, können Reisende das Ticket zurückgeben und ihr Geld zurückverlangen - Gutscheine müssen sie nicht akzeptieren. Auch Bearbeitungsgebühren dürfen nicht von der Airline einbehalten werden.