Bei der Lufthansa ist die Stimmung aktuell besonders mies: Nach einem Warnstreik des Bodenpersonals haben auch die Piloten bekanntgegeben, dass sie in den Arbeitskampf treten wollen. Und nicht nur bei der Lufthansa: Auch bei der Tochtergesellschaft Eurowings stehen die Zeichen jetzt auf Streik.
  • Ab wann wollen die Piloten streiken?
  • Welche Flugverbindungen wären betroffen?
  • Wie lange wären die Streiks?
  • Alle aktuellen Infos.

Streik der Piloten bei der Lufthansa: Ab wann soll gestreikt werden?

Die Urabstimmung ist positiv ausgefallen: Damit ist ein Streik der rund 5000 Piloten bei der Kernmarke Lufthansa zwar ab sofort möglich, wurde aber zunächst nicht beim Vorstand beantragt. Bereits vor der Auszählung hatte der VC-Tarifexperte Marcel Gröls erklärt, dass es sich zunächst um ein „Warnsignal“ an den Lufthansa-Vorstand handele. Vom Management erwarte man nun „gute Angebote“. Bei der Lufthansa Passage stimmten 97,6 Prozent der Teilnehmer für einen Streik. Bei der Frachttochter Cargo war die Zustimmung mit 99,3 Prozent noch höher.
Bei einer Urabstimmung fragt eine Gewerkschaft ihre Mitglieder, ob sie in den Arbeitskampf treten wollen oder nicht. Gestreikt wird, wenn 75 Prozent der Mitglieder der Urabstimmung zustimmen. Der Streik könnte diesen Sommer kommen, wenn sich Gewerkschaft und Unternehmen weiterhin nicht einig werden. Insidern zufolge könnte die Gewerkschaft bereits ab Mitte August und damit noch in der Ferienzeit streikbereit sein. Auch der September war in den Vorjahren meist ein besonders verkehrsreicher Monat, so dass ein Streik das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt empfindlich treffen würde.

Streik bei Eurowings: Urabstimmung läuft

Auch bei der Lufthansa-Tochter Eurowings sieht es aktuell nach Streik aus. Die Gewerkschaft hat auch hier ihre Mitglieder zur Urabstimmung aufgerufen. Alle Details sowie das Ergebnis der Abstimmung bei Eurowings gibt es in diesem Artikel.

Lufthansa und Cockpit verhandeln: Wird der Streik abgewendet?

Nach dem beigelegten Tarifkonflikt mit dem Bodenpersonal sucht die Lufthansa nun eine Einigung mit den Piloten. „Wir haben in den nächsten Wochen vier Termine ausgemacht, um zu schauen wie weit wir auseinander sind“, sagte der Vorsitzende der Tarifkommission, Andreas Pinheiro, in einem Podcast.
Die Gespräche sollen im vertraulichen Rahmen stattfinden, wie die Lufthansa bestätigte. Es soll keine Berichterstattung nach außen stattfinden. Streiks sind dem Vernehmen nach für die Spanne der Verhandlungen nicht geplant. Demnach ist es möglich, dass bis Ende August zunächst keine Streiks anstehen.

Pilotenstreik 2022: Wie lange wird gestreikt?

In der Urabstimmung ging es um unbefristete Streiks. Das heißt, die Lufthansa-Piloten würden einen Streik beginnen und solange durchhalten, bis ihnen eine bessere Verhandlungsgrundlage geboten würde. Die Gewerkschaft entscheidet in der Regel, welche Gruppen und in welchen Regionen die Arbeit niedergelegt werden soll. Der unbefristete Streik ist die schärfste Waffe einer Gewerkschaft. Der Streik wird ebenfalls mittels der Urabstimmung beendet: Das heißt, wieder 75 Prozent der Mitglieder müssen mit dem dann vorgelegten Angebot zufrieden sein. Im Fall der Lufthansa ist über Dauer und Ablauf des Streiks natürlich noch nichts bekannt.

Streik der Piloten: Welche Lufthansa-Flüge wären betroffen?

Klarheit gibt es auch hier noch nicht. In der Regel wollen die Gewerkschaften aber, dass der Streik gespürt wird um so die Firma unter Druck zu setzen. Dass in der Hauptferienzeit Flüge in Urlaubsländer also betroffen wären, ist wahrscheinlich. Sobald Details bekannt sind, klären wir unsere Leser und Leserinnen hier darüber auf.

Was verdienen Piloten 2022?

Piloten werden in der Regel sehr gut bezahlt, die bei der Lufthansa gehören zu den am besten bezahlten in der Branche. Nach Angaben der Seite „pilotausbildung.net“ sieht das das Gehalt von Lufthansa-Piloten aktuell so aus:
  • Einstiegsgehalt (Co-Pilot): 63.000 Euro/Jahr
  • Kapitän (8-12 Jahre Berufserfahrung): 110.000 Euro/Jahr
  • Endgehalt: 225.000 Euro/Jahr

Lufthansa-Streik: Was will die Gewerkschaft?

Grund für die Streikvorbereitungen der VC sind die nach sechs Verhandlungsrunden festgefahrenen Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag. Einem Schreiben der VC zufolge hat Lufthansa bislang kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Die VC verlangt nach eigenen Angaben unter anderem Gehaltssteigerungen von 5 Prozent im laufenden Jahr und einen automatisierten Inflationsausgleich ab dem kommenden Jahr. Sie hatte den laufenden Vertrag zum 30. Juni gekündigt.
Im Hintergrund schwelt zudem ein Konflikt über die künftige Konzernstrategie. Die VC hatte sich in der Vergangenheit die exakte Zahl von 325 Flugzeugen garantieren lassen, die ausschließlich von Kapitänen und Ersten Offizieren geflogen werden dürfen, die dem Konzerntarifvertrag unterliegen. Die Lufthansa hatte unter dem Eindruck der Corona-Krise die entsprechende Vereinbarung aufgekündigt und begonnen, unter dem Kranich-Logo einen neuen Flugbetrieb mit niedrigeren Tarifbedingungen aufzubauen. Die neue Airline soll im Europa-Verkehr wesentliche Aufgaben der bisherigen Kerngesellschaft übernehmen.

Streik bei Eurowings Discover? Ärger auch bei Lufthansa-Tochter

Im Lufthansa-Konzern kündigt sich der nächste Konflikt zwischen Beschäftigten und Management an. Die Kabinengewerkschaft Ufo will nach Angaben eines Sprechers „gewerkschaftliche Schritte“ einleiten, sollten nicht bis Ende August Termine für Tarifverhandlungen bei der Tochter „Eurowings Discover“ stehen. Ufo wirft dem Konzern vor, auf bislang drei Verhandlungsaufforderungen nicht reagiert zu haben. Auch einen Betriebsrat gibt es bei der im vergangenen Jahr gestarteten Gesellschaft mit inzwischen rund 1300 Beschäftigten bislang nicht, obwohl im April ein Wahlvorstand eingesetzt worden war.
Eurowings Discover ist als jüngste Airline im Lufthansa-Konzern seit gut einem Jahr am Start und verfügt nach eigenen Angaben demnächst über 21 Lang- und Mittelstreckenflugzeuge. Sie wurde ausdrücklich mit dem Ziel gegründet, Touristikflüge zu niedrigeren Kosten anzubieten als bei der Stamm-Airline Lufthansa. Im Unterschied zur auf Europa beschränkten Eurowings ist die Discover vollständig in das Lufthansa-Netzwerk eingebunden, was zu durchgängigen Buchungsprozessen und nahtlosem Umsteigeverkehr führen soll. Im ersten Jahr wurden etwas mehr als eine Million Gäste befördert.
Die bislang untarifierte Eurowings Discover gebe sich zwar als unkonventionelles Start-up aus, zahle aber dem Kabinenpersonal die niedrigsten Gehälter im gesamten Konzern, sagte der Ufo-Sprecher. Wichtig seien aber faire Gehälter und leistbare Dienstpläne. Intern berichten Flugbegleiter zudem von einem Betriebsklima, das subtil, aber doch unmissverständlich klar mache, dass man besser nicht aufmucken sollte.
Eine Sprecherin der Fluggesellschaft verwies auf bereits gewährte Gehaltssteigerungen zum September, Einmalzahlungen und Entfristungen. Diese Änderungen seien im gemeinsamen Dialog mit „designierten Vertrauenspersonen in Cockpit und Kabine“ erarbeitet worden. Man unterstütze zugleich die Gründung eines Betriebsrates. Zur Frage nach möglichen Terminen für Tarifverhandlungen äußerte sich das Unternehmen nicht.
Die Sprecherin bestätigte gleichzeitig, dass der Ferienflieger den Stewards und Stewardessen weniger scharfe Vorschriften zum äußerlichen Auftreten macht als die Stamm-Airline. So sind laut Styleguide sichtbare Tätowierungen bis zu 8 Quadratzentimetern ebenso erlaubt wie Piercings. Seit kurzem dürfen auch Männer Nagellack und dezente Schminke tragen. „Wir sind überzeugt davon, dass das Selbstbewusstsein unserer Mitarbeitenden gestärkt wird, wenn sie gegenüber Gästen so auftreten können, wie sie sich wohlfühlen“, erklärt die Airline dazu.