Steuerskandal
: Baden-Württemberg nimmt Influencer unter die Lupe

Influencer geraten zunehmend ins Visier der Steuerfahnder – jetzt auch in Baden-Württemberg, wo erste Prüfungen laufen, obwohl offizielle Ergebnisse noch ausstehen.
Von
Judith Müller
Berlin
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Immer mehr deutsche Influencer geraden ins Visier der Steuerfahndung.

Immer mehr deutsche Influencer geraden ins Visier der Steuerfahndung.

picture alliance/dpa

Influencer geraten zunehmend ins Visier der Steuerbehörden – auch in Baden-Württemberg. Wie das Finanzministerium dem SWR bestätigte, prüft die Sondereinheit für Steueraufsicht (SES) derzeit auffällige Fälle im Social-Media-Bereich. Ziel ist es, Einnahmen aus Werbung, Produktplatzierungen oder Geschenken steuerlich korrekt zu erfassen – und Steuerbetrug aufzudecken.

Land prüft auffällige Influencer-Konten

Konkrete Ergebnisse oder Zahlen nennt das Land noch nicht. Doch schon die Tatsache, dass Baden-Württemberg eigenen Angaben zufolge bereits vor dem Skandal in Nordrhein-Westfalen aktiv wurde, zeigt: Die Behörden nehmen das Thema ernst.

Entscheidend für eine Prüfung sei laut Ministerium nicht die reine Follower-Zahl, sondern der wirtschaftliche Hintergrund: Wer etwa dauerhaft Werbepartnerschaften eingeht, eigene Produkte vertreibt oder Geschenke mit erheblichem Gegenwert erhält, kann schnell ins Visier der SES geraten.

NRW deckte bereits 300-Millionen-Schaden auf

Anlass für die verschärften Prüfungen in ganz Deutschland ist unter anderem ein großer Steuerbetrugsskandal in Nordrhein-Westfalen. Dort analysieren Steuerfahnder aktuell 6.000 Datensätze von Social-Media-Plattformen – mit einem mutmaßlichen Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro. Besonders im Fokus: Influencer, die hohe Umsätze generieren, aber keine Steuererklärungen abgeben – oder sich ins Ausland abmelden, um dem deutschen Fiskus zu entgehen.

Dubai als Steueroase? Auch in Baden-Württemberg ein Thema

Wie aus dem Bericht hervorgeht, spielt auch in Baden-Württemberg die „Verlagerung ins Ausland“ eine Rolle. Beliebtes Ziel: Dubai. Wer dort seinen Wohnsitz meldet, muss in Deutschland keine Einkommenssteuer zahlen – es sei denn, der Lebensmittelpunkt liegt weiterhin im Inland. Ein Ministeriumssprecher betonte gegenüber dem SWR: „Ein Ermittlungsverfahren wird nur dann eingeleitet, wenn es konkrete tatsächliche Anhaltspunkte dafür gibt, dass ein Influencer seine Einnahmen vorsätzlich nicht erklärt hat.“

Steuerpflicht gilt auch im Internet

Ob Fitness-Tipps, Modekollektionen oder bezahlte Storys – viele Influencer betreiben mittlerweile hochprofessionelle Geschäftsmodelle. Und wie bei jedem Unternehmer gilt auch hier: Einnahmen müssen ordnungsgemäß deklariert werden. Dazu zählen auch sogenannte geldwerte Vorteile – etwa kostenlos erhaltene Produkte, Reisen oder Events.

Auch wenn die Behörden in Baden-Württemberg aktuell noch keine Zahlen veröffentlichen, ist klar: Die digitale Welt ist längst kein rechtsfreier Raum mehr – und Steuerfahnder schauen inzwischen sehr genau hin.

Quelle: SWR