Steuern, Shitstorm und Selbstkritik: Wie Influencer auf den Steuer-Skandal reagieren

Streamer MontanaBlack findet klare Worte zum aktuellen Influencer-Steuerskandal.
picture alliance/dpa/Joyn/Marc RehbeckNordrhein-Westfalen will mit einer eigenen „Influencer-Taskforce“ gegen Steuerbetrug im Netz vorgehen. Der Verdacht: Viele Creators verschweigen Einnahmen, Produktgeschenke oder Reisen systematisch vor dem Finanzamt. Besonders problematisch sind Accounts ohne Steuernummer oder Buchhaltung – aber mit lukrativen Werbeverträgen.
Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) schätzt den Schaden auf rund 300 Millionen Euro. Ermittlungen laufen gegen mehrere Hundert Influencer. Während einige in der Szene nervös reagieren, gehen andere in die Offensive – und sprechen offen über Fehler, Grauzonen und Versäumnisse.
„20.000 bekommst du bar“
YouTuber Sascha Hellinger, bekannt als unsympathischTV, gewährt einen seltenen Einblick in gängige Branchenpraktiken: „Ich sage euch, was gern mal vorbeigeht, aber auch als Steuerhinterziehung gilt, ist, wenn zum Beispiel Creators was zugesendet bekommen und das nicht angeben.“
Besonders brisant ist seine Aussage zu Barzahlungen im Werbegeschäft: „Da machst du ’ne Story und schreibst ’ne Rechnung über 2.000 Euro, aber 20.000 bekommst du bar.“
Er selbst hatte nach eigener Aussage Schwierigkeiten mit seinem früheren Steuerberater – inzwischen arbeitet er mit dem Finanzexperten von MontanaBlack zusammen.
„Das Finanzamt kriegt euch immer“
TV-Moderator und Streamer Max Schradin warnt unmissverständlich: „Wer Steuern im großen Stil hinterzieht, bescheißt die Gesellschaft – uns alle.“
Auch bei Produktplatzierungen sei Vorsicht geboten: „Ich habe einen PC bekommen und mache dafür Werbung – das ist ein geldwerter Vorteil.“
Für ihn ist klar: „Das Finanzamt hat immer recht. Und das Finanzamt kriegt euch immer.“
Er zeigt Verständnis für kleinere Fehler – aber warnt vor systematischer Verschleierung: „Wenn du das alles nicht machst, dann gibt’s irgendwann was aufs Maul.“
Papaplatte: „Ich glaube, der Schaden liegt eher bei den Trash-TV-Leuten“
Der Streamer Papaplatte, mit bürgerlichem Namen Kevin Teller, ordnet die Problematik etwas anders ein. Zwar lebt er inzwischen in Köln, seine Steuerangelegenheiten laufen aber noch über seinen früheren Wohnsitz in Berlin. Er sieht vor allem in der Reality-TV-Szene Defizite:
„Ich glaube, ein großer Schaden passiert bei diesen Trash-TV-Leuten. Weil in meinem Kopf sind das so Leute, die dann sagen: Ja, das merkt keiner, dass Temptation Island 60.000 überwiesen hat.“
Für die Twitch-Community hat er dagegen ein anderes Bild: „Ich kenne jetzt niemanden, der da so krank auf seine Steuern schei*t.“
„Top 5 zusammen kommen nicht auf 100 Millionen“
Einer der bekanntesten Streamer des Landes, MontanaBlack, äußert sich ebenfalls – und zweifelt an der vom Finanzministerium geschätzten Schadenshöhe:
„Es gibt keinen Influencer in Deutschland, der mit legalem Influencer-Business 300 Millionen gemacht hat.“
Dass sich die Zahl auf den Gesamtverlust durch nicht versteuerte Einnahmen bezieht – und nicht auf Einzelverdienste – übersieht er dabei offenbar.
Die Szene rückt enger zusammen – und schaut genauer hin
Was der Skandal offengelegt hat, ist mehr als nur Steuerchaos: Er zeigt, wie wenig transparent manche Deals in der Influencer-Welt bislang abliefen – und wie groß der Nachholbedarf bei rechtlichen Grundlagen ist.
Doch zugleich entsteht etwas Neues: Viele Creators beginnen, sich öffentlich mit Steuerthemen auseinanderzusetzen. Sie sprechen über ihre Fehler, geben Einblicke hinter die Kulissen – und senden damit eine klare Botschaft: Die Ära der Steuer-Naivität ist vorbei.
Quelle: Bild

