Steuerbetrug bei deutschen Influencern: 300 Millionen Euro Schaden für den Staat

Deutsche Influencer sollen Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben.
Yui Mok/PA Wire/dpaNach Informationen der BILD sollen Influencer allein in Nordrhein-Westfalen den Staat um rund 300 Millionen Euro betrogen haben. Das bestätigte das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW). Der Vorwurf: organisierte Steuerhinterziehung in großem Stil.
Gucci-Taschen, aber keine Steuernummer
Influencer verdienen mit Werbung auf Instagram, TikTok und YouTube oft zehntausende Euro im Monat. Doch viele dieser Einkünfte tauchen beim Finanzamt nie auf. Laut LBF-Chefin Stephanie Thien stehen nicht kleine Content-Creator im Fokus, sondern „die ganz Großen der Szene“.
Besonders beliebt bei steuerflüchtigen Influencern: der Umzug nach Dubai, um sich dem deutschen Fiskus zu entziehen. Auch die Beweisführung ist oft schwierig, da Werbepostings in Storys nach 24 Stunden verschwinden.
„Influencer-Team“ jagt Steuerbetrüger
Um der wachsenden Steuerkriminalität in der Social-Media-Welt entgegenzutreten, hat das LBF ein eigenes „Influencer-Team“ gegründet – das erste seiner Art in Deutschland. Die Steuerfahnder analysieren über 6.000 Datensätze von Influencern auf verschiedenen Plattformen. Ergebnis: Es laufen bereits rund 200 Strafverfahren, in Einzelfällen geht es um Millionenbeträge.
Luxusreisen und Werbung ohne Rechnung
Besonders brisant: Viele Influencer versteuern den geldwerten Vorteil aus gesponserten Luxusreisen oder Gratisprodukten nicht. Ein typisches Beispiel: Ein Reiseanbieter bezahlt den Luxusurlaub, dafür macht der Influencer Werbung auf Instagram. Doch die Rechnung fehlt – und die Einnahme landet nicht in der Steuererklärung.
Auch international: Influencer unter Verdacht
Steuerbetrug bei Influencern ist kein deutsches Phänomen. International sorgt der Fall der italienischen Influencerin Chiara Ferragni für Schlagzeilen: In der sogenannten „Pandoro-Affäre“ soll sie Spendengelder aus einer Weihnachtskuchen-Aktion zweckentfremdet haben. Ein Gericht in Mailand muss nun über den Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs entscheiden.
Auch die umstrittenen Brüder Andrew und Tristan Tate mussten bereits rund 2,9 Millionen Euro aus eingefrorenen Konten an die britischen Behörden abtreten. Der Vorwurf: Nicht versteuerte Einkünfte aus Online-Geschäften in Millionenhöhe.
Steuerfahnder warnen: „Die großen Fische im Visier“
Das LBF NRW betont: „Im Fokus stehen ausdrücklich nicht die Kleinen, sondern die großen Fische der Szene.“ Mit wachsendem Einfluss steigt auch die Verantwortung: Wer hohe Umsätze macht, muss diese auch korrekt versteuern.
Influencer, die mit gesponserten Produkten, Reisen oder Deals Geld verdienen, sollten sich bewusst sein: Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt – auch nicht im Social-Media-Business.

