Steigender Meeresspiegel
: Unter Wasser: Diese Städte wird es bis 2100 nicht mehr geben

Von Venedig bis Shanghai sind viele Städte weltweit durch den steigenden Meeresspiegel bedroht. Mehrere Millionen Menschen könnten ihre bisherige Heimat verlieren.
Von
David Hahn
Venedig
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Keine guten Aussichten für Venedig: Spätestens 2100 soll wissenschaftlichen Prognosen nach ein Großteil der Stadt unter Wasser stehen

Luca Bruno/dpa

Sollten wir es nicht schaffen, den weltweiten CO2–Ausstoß drastisch zu reduzieren, könnten bereits bis zum Jahr 2050 weite Teile der Welt unter dem steigenden Meeresspiegel liegen. Eine alarmierende Studie der US–amerikanischen Nichtregierungsorganisation „Climate Central„ warnt davor, dass bis zum Jahr 2100 rund 640 Millionen Menschen davon betroffen sein könnten.

Venedig bis 2100 unter Wasser

Neben Städten wie Shanghai oder ganzen Landstrichen in Asien, bleibt auch Europa nicht verschont: Städte wie Amsterdam und Venedig, aber auch Bremen und Hamburg, sind von den Folgen des steigenden Meeresspiegels betroffen. Der Meeresspiegel wird voraussichtlich um zwei Meter steigen. Der Markusplatz in Venedig beispielsweise liegt derzeit jedoch gerade einmal 80 cm über dem Meeresspiegel. Zusätzlich zu Überschwemmungen könnten betroffene Gebiete aufgrund des Salzgehalts im Meerwasser unbewohnbar werden. Böden wären dann für den landwirtschaftlichen Anbau nicht mehr nutzbar und auch das Trinkwasser könnte vielerorts versalzen.

Steigender Meeresspiegel und absinkende Städte

Neben dem steigenden Meeresspiegel durch den Klimawandel ist auch das Absinken des Bodens unter Küstenstädten ein weiteres großes Problem. Dieses verstärkt die Gefahr durch den steigenden Meeresspiegel zusätzlich. Die internationale Forschungsgruppe um Cheryl Tay von der Nanyang Technological University in Singapur hat dazu eine Übersicht in der Fachzeitschrift „Nature Sustainability„ über das Ausmaß dieses Problems veröffentlicht. Insbesondere schnell wachsende Megastädte in Asien wie zum Beispiel Tianjin, Ho–Chi–Minh–Stadt oder Jakarta seien stark betroffen. Der relative Meeresspiegelanstieg durch den Bodenabsackungseffekt übersteige den globalen Anstieg durch den Klimawandel dort sogar um das Sechs– bis Zehnfache. Die Ursache: Küstenstädte befinden sich häufig auf weichen Sedimenten mit einem hohen Wassergehalt, die unter ihrem eigenen Gewicht langsam einsacken. Wenn kein neues Sediment von oben, beispielsweise durch Flusshochwasser, abgelagert wird, sinkt das Land ab. Intensive Bebauung trägt ebenfalls dazu bei, da das Gewicht der Gebäude den Untergrund zusammendrückt. Darüber hinaus führt das Abpumpen von Grundwasser, vornehmlich in schnell wachsenden Städten mit einem hohen Wasserbedarf, zu Bodenabsenkungen — laut den Forschenden eine der Hauptursachen.

Klimaflucht: Wenn die Heimat unbewohnbar wird

Experten befürchten große Flüchtlingsbewegungen als Folge des Klimawandels, da viele Orte dieser Welt in Zukunft nicht nur von Hochwasser, sondern auch von Dürren oder Naturkatastrophen bedroht sein könnten. Naturkatastrophen führen dabei zu mehr als dreimal so vielen Vertreibungen wie Konflikte und gewaltsame Auseinandersetzungen. Gemäß dem Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) mussten im Jahr 2021 etwa 23,7 Millionen Menschen aufgrund von Naturereignissen wie anhaltenden Regenfällen, langanhaltenden Dürren, Hitzewellen und Stürmen ihre Heimat kurz– oder langfristig verlassen. Für Migration aufgrund von sich verändernden klimatischen Bedingungen gibt es jedoch noch keine rechtliche Handhabe. Klimaflüchtlinge sind in der Genfer Flüchtlingskonvention bis jetzt nicht eingeschlossen.

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