Sollen private Feuerwerke verboten werden?: Vom Böller zur Bombe


Silvester ist nicht immer das reine Vergnügen.
Julius-Christian Schreiner/TNN/dpaDas Jahr hat, wie alle Jahre, auch im Ermstal mit Silvesterfeuerwerk begonnen. Nun ist es müßig zu sagen, es sei heftiger gewesen als all die Jahre zuvor. So eine Aussage will belegt sein anhand von Zahlen, Daten und Fakten. Und selbst wenn der Verband der Pyrotechniker bestätigen würde, einen neuen Sprengstoff-Rekord aufgestellt zu haben, hieße das nicht viel. Sogar Feuerwerksgegner neigen dazu, Raketen und Chinaböller wenige Minuten vor bis wenige Minuten nach dem Jahreswechsel zu tolerieren, wenn auch mit angezogener Spaßbremse.
Qual für die Ohren
Dieses Mal aber hat sich das Spektakel ganze zwei Tage und Nächte lang nach Geschützdonner angehört. Weil von Montagfrüh, als der Verkauf begann, bis spät in den Neujahrsabend hinein mobile Trupps durch die Straßen zogen wie einst marodierende Söldner während des 30-jährigen Kriegs. Kaum, dass sie einen Kanonenschlag gezündet hatten, waren sie auch schon wieder weg. Das nervt zusehends auch jene, die bislang viel Freude an funkelnden Sternfontänen im Nachthimmel hatten. In einigen Petitionen wird gar ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke gefordert. Das ist gar nicht mal so dumm, denn aus Kanonenschlägen wurden Kugelbomben, aus einem Fest fürs Auge eine Qual für die Ohren. Wem Haus- und Wildtiere egal sind, mag vielleicht auch die katastrophale CO₂-Bilanz dieser Nacht ignorieren und die Feinstaubbelastung kleinreden. Aber es gibt ein paar Dinge, die sich in den zurückliegenden Jahren zum Schlechten hinentwickelt haben. Etwa die Sprengkraft illegal aus dem Ausland, meist aus Polen, eingeführter Böller. Wer die zündet, tritt vorsichtshalber mehr als nur einen Schritt beiseite. Wer, ohne es zu ahnen, unglückseligerweise in der Nähe so einer Detonation steht, kann froh sein, wenn er oder sie das ohne Knalltrauma übersteht. Gestern hat unsere Zeitung über einen Hund berichtet, der seinem Frauchen in Stuttgart beim morgendlichen Gassigehen einen abgerissenen Finger brachte. Zudem sind die Sozialen Medien voll von Videos, die zeigen, wie sich rivalisierende Jugendliche mit Feuerwerkskörpern beschießen. Alles Idioten? Vorsicht, bei genauem Hinsehen werden da auch Einserabiturienten dabei sein, was freilich nicht unbedingt für den Wert eines modernen Abiturs spricht. Ja, die Menschen scheinen dümmer zu werden, auch, weil sie sich nicht mehr an moralische Regeln halten. Das hat vor 100 Jahren schon Jaroslav Hašek gewusst, der in seinem Roman „Der brave Soldat Schwejk“ diesen hat sagen lassen: „Disziplin, ihr Heuochsen, muss sein, sonst möchtet ihr wie die Affen auf die Bäume klettern.“ Auf Disziplin jedoch sollten wir nicht wetten.
