Schufa App Bonify: Wie funktioniert die neue Datenabfrage der Schufa?

Auf der neuen App Bonify sollen Verbraucher ihre digital Daten zu ihrer Kreditwürdigkeit einsehen können. Wie funktioniert die App?
Peter Kneffel/dpaIm Verlauf des Lebens kommt fast jeder Mensch irgendwann in Kontakt mit der Schufa. Ob es um den Abschluss eines neuen Handy-Vertrags, den Kauf auf Rechnung im Internet, die Finanzierung eines Autos oder einen Kredit für den Hausbau geht - die Kreditauskunft spielt in all diesen Situationen eine Rolle. Die Unternehmen möchten Informationen darüber erhalten, ob ein Kunde oder eine Kundin ihre Rechnungen rechtzeitig begleicht und ob noch weitere Kredite ausstehen. Mobilfunkanbieter, Autohäuser, Onlinehändler und Banken möchten sich vor Vertragsabschlüssen und Warenübergaben über die Zahlungsmoral ihrer Kunden informieren. Die Schufa liefert eine Bewertung der Kreditwürdigkeit. In Zukunft sollen Verbraucherinnen und Verbraucher ihren sogenannten Schufa-Basisscore kostenlos und jederzeit digital über eine App abrufen können.
Was ist die Schufa eigentlich genau?
Die im Jahr 1927 gegründete „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ hat als Teil ihres Geschäftsmodells die Aufgabe, Daten zu sammeln. Basierend auf diesen Daten stellt die Schufa ihren rund 10.000 Vertragspartnern, darunter Banken, Sparkassen, Versandhändler und Energieversorger, bei berechtigtem Interesse eine Einschätzung zur Bonität (Kreditwürdigkeit) von Verbrauchern zur Verfügung. Laut eigenen Angaben verfügt die Schufa derzeit über Informationen zu 68 Millionen Menschen, wobei über 90 Prozent dieser Daten „ausschließlich positive Informationen“ sind. Täglich gibt die Auskunftei durchschnittlich 320.000 Auskünfte an Unternehmen. Neben der Schufa gibt es in Deutschland weitere Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform und Crif.
Was hat es mit der neuen App auf sich und wie funktioniert sie?
Die Schufa hat Ende 2022 die Finanzplattform Bonify erworben. Der Schufa-Basisscore soll nun in die App „Bonify Finanzmanager“ integriert werden. Zukünftig plant die Schufa, Verbraucher eigenständig zu informieren, falls in ihren Daten ein negativer Eintrag vorliegt. Diese kostenlose Datenabfrage soll bis zum Jahresende verfügbar sein. Registrieren kann man sich bei Bonify mit dem Personalausweis oder über das eigene Bankkonto. Beim gegenwärtigen Verfahren gewähren Nutzer Bonify mit ihrer Identifizierung 90 Tage Einblick in ihr Konto.
Ab 2024 sollen Verbraucher über die App der Schufa auf freiwilliger Basis Einblicke in ihre Kontodaten gewähren können, um eine bessere Bonitätsbewertung zu ermöglichen. Schufa-Chefin Tanja Birkholz betonte gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ vergangene Woche, dass es dabei hauptsächlich um das Einkommen gehen werde. Spenden an Greenpeace oder politisches Engagement hätten keinen Einfluss auf die Bonitätsbewertung. Zudem unterstrich Birkholz, dass jeder ausdrücklich der Einsichtnahme in die Kontodaten zustimmen müsse.

Das wohl bekannteste Unternehmen für Bonitätsauskünfte: die Schufa.
Franziska Gabbert/dpaWelche Kritik gibt es an dem Verfahren?
Gerhard Schick, Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, kritisierte, dass die Schufa durch den Zugriff auf Kontodaten noch mächtiger werden würde, als sie es ohnehin schon ist. In der Petition „Finger weg von meinem Konto!“ fordern Finanzwende und die Kampagnenorganisation Campact, dass die Schufa klare Ablehnung gegenüber jeglichen Plänen signalisiert, Zugriff auf die Kontoinformationen Dritter zu erhalten, sei es über Bonify oder zukünftige Projekte. Am Mittwoch (19.7.) planen die Initiatoren, 300.000 Unterschriften von Unterstützern dieser Petition an die Schufa zu übergeben.
Welche Daten sammelt die Schufa und was macht sie mit diesen?
Die Schufa erhält von ihren Vertragspartnern Informationen über verschiedene Aspekte wie die Eröffnung von Girokonten, die Ausgabe von Kreditkarten, den Abschluss von Leasingverträgen und Krediten. Laut Angaben der Schufa ist es gemäß der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nicht mehr erforderlich, dass Verbraucher durch Unterzeichnung einer Schufa-Klausel ihre ausdrückliche Einwilligung zur Datenübermittlung geben. Die Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung beruht demnach auf dem Vorliegen eines „berechtigten Interesses“. Die Schufa speichert auch persönliche Daten wie Namen, Geburtsdaten und Adressen, verfügt jedoch nicht über Informationen zum Einkommen einer Person.
Basierend auf den gesammelten Daten wird der Basisscore berechnet. Dieser Score gibt auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein Verbraucher seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen wird. Je höher der Score, desto besser die Kreditwürdigkeit. Personen, die regelmäßig ihre Rechnungen verspätet bezahlen und häufig Mahnungen erhalten, werden schlechter eingeschätzt.
(mit Material von dpa)

