Ringelröteln: Symptome, Impfung & Risikogruppen - alles über den Parvovirus

Für Deutschland wird ein starker Anstieg von Infektionen mit Ringelröteln gemeldet.
Annette Riedl/dpaDerzeit erkranken in Deutschland immer mehr Menschen am Parvovirus B19 (Ringelröteln). Eine Gruppe ist dabei besonders betroffen. Symptome, Übertragung & Risikogruppen: alle Infos im Überblick.
Parvovirus: starker Anstieg von Infektionen bei Schwangeren
Das Konsiliarlabor für Parvoviren beobachtet seit Ende 2023 einen starken Anstieg von Infektionen mit dem Parvovirus B19 (B19V) bei Schwangeren. Demnach treten B19V-Infektionen ganzjährig mit saisonaler Häufung zwischen März und Juni auf, größere epidemische Ausbrüche gab es in Regionen mit gemäßigtem Klima alle 4–5. Während der COVID-19-Pandemie gingen die B19V-Fallzahlen laut Bericht vermutlich aufgrund der Kontaktbeschränkungen und strikten Hygienemaßnahmen in verschiedenen europäischen Ländern deutlich zurück. Es kann daher davon ausgegangenen werden, dass nun die Anzahl der empfänglichen Personen wieder substanziell angestiegen ist und möglicherweise die Voraussetzung für größere B19VEpidemien geschaffen wurde.
"Nach einem Maximum der Fallzahlen im April ist nun seit Mai 2024 wieder ein deutlicher Rückgang zu sehen. Die Fallzahlen liegen aber immer noch auf einem hohen Niveau", schreibt Prof. Dr. med. Martin Enders vom Konsiliarlabor Enders in einer Pressemitteilung. "Aufgrund der sehr hohen Inzidenz beobachten wir auch vermehrt B19V-bedingte fetale Komplikationen in der Schwangerschaft".
Parvovirus: Was sind Ringelröteln eigentlich?
Ringelröteln werden durch Viren ausgelöst und gehören laut infektionsschutz.de neben Scharlach, Masern, Windpocken und Röteln zu den fünf Kinderkrankheiten, die Ausschlag verursachen können. Ringelröteln haben außer dem Namen nichts mit Röteln gemeinsam, die beiden Krankheiten werden von unterschiedlichen Erregern ausgelöst.
Die Ringelröteln-Viren (Parvovirus B19) kommen nur beim Menschen vor und verlaufen oft völlig unbemerkt oder wie ein leichter grippaler Infekt. In Kindergärten und Schulen häufen sich die Krankheitsfälle vor allem vom Spätwinter bis zum Frühsommer.
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Wie werden Ringelröteln übertragen?
Beim Niesen, Husten oder Sprechen werden die Viren über feinste Speichel-Tröpfchen in der Luft von Mensch zu Mensch weitergegeben, auch über Hände können die Viren übertragen werden: wenn ein Erkrankter beispielsweise in die Hand niest und danach einem Gesunden die Hand gibt. Von der Hand können die Erreger anschließend auf Schleimhäute von Nase oder Mund verteilt werden und so zu einer Ansteckung führen.
Auch über Gegenstände (Türklinken oder Spielzeug), an denen Erreger haften, können die Viren übertragen werden und zu einer Ansteckung führen, in seltenen Ausnahmefällen ist eine Übertragung auch durch eine mit Viren befallene Blutkonserve möglich.
Außerdem können Schwangere die Erreger an ihr ungeborenes Kind weitergeben, unabhängig davon, ob die Mutter Krankheitszeichen entwickelt oder ob die Erkrankung unbemerkt verläuft. Das Ungeborene ist hierdurch sehr gefährdet.
Eine Ansteckungsgefahr besteht nur für Menschen, die noch nicht an Ringelröteln erkrankt waren. Wer die Krankheit einmal überstanden hat, ist lebenslang geschützt. Man kann also kein zweites Mal erkranken.
Ringelröteln: Welche Symptome haben infizierte Menschen?
Ringelröteln verlaufen häufig ohne oder nur mit leichten Krankheitszeichen oder mit Krankheitszeichen wie bei einem grippalen Infekt:
- Fieber
- Schwellung der Lymphknoten
- Kopfschmerzen
- Unwohlsein
Die Krankheit lässt sich gut an dem typischen Hautausschlag erkennen. Es bildet sich ca. 1 bis 2 Wochen nach einer Ansteckung zunächst eine schmetterlingsförmige, großfleckige Rötung auf beiden Wangen. Ein bis zwei Tage später sind dann fleckförmige, rote Hautveränderungen auf den Schultern, Oberarmen, Oberschenkeln und Gesäß sichtbar. Diese können sich in ihrer Form ändern und sich später Girlanden- oder Ringelförmig ausbilden. Nach 7 bis 10 Tagen blasst der Ausschlag ab, allerdings können Faktoren wie Stress, Sonnenbelastung oder anderen Ursachen in den Folgetagen noch einmal zu einer Verschlimmerung führen. Selten besteht Juckreiz, gelegentlich ein Spannungsgefühl.
Ringelröteln laufen meist ohne Komplikationen ab, sie heilen normalerweise vollständig aus. Gelegentlich kann es zu vorübergehenden Gelenkbeschwerden oder Gelenkentzündungen kommen, insbesondere bei Frauen und Mädchen. Bei Menschen mit einer Abwehrschwäche oder mit bestimmten erworbenen oder vererbten Blutkrankheiten wie Thalassämie oder Sichelzellanämie kann die Erkrankung gelegentlich zu bedrohlicher Blutarmut führen.
Wann brechen Ringelröteln aus und wie lange ist man ansteckend?
Zwischen Ansteckung und dem Auftreten des typischen Hautausschlages vergehen ca. 1 bis 2 Wochen. Die Ansteckungsgefahr für andere ist dabei in den Tagen vor Auftreten des Hautausschlages am höchsten. Man ist also in einer Zeit für andere ansteckend, in der man noch nicht weiß, dass man die Viren in sich trägt.
Die Ansteckungsgefahr geht mit Auftreten des Hautausschlags deutlich zurück. Auch wenn die Ringelröteln ganz ohne erkennbare Krankheitszeichen verlaufen, ist der Betroffene ebenfalls für einige Tage ansteckend.
Risikogruppen: Wer ist besonders gefährdet?
Vor allem Kinder im Vorschulalter infizieren sich mit Ringelröteln, aber auch ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene können sich anstecken. Im Erwachsenalter verlaufen die sonst meist milden Erkrankungen laut infektionsschutz.de häufig schwerer.
Gefährdet sind demnach insbesondere schwangere Frauen, die Ringelröteln noch nicht durchgemacht haben und keinen Schutz gegen Ringelröteln haben. Während der Schwangerschaft (besonders bis einschließlich der 20. Schwangerschaftswoche) können die Viren auf das ungeborene Kind übertragen werden und die Blutbildung des Ungeborenen dabei lebensgefährlich schädigen. Die Folge kann eine Fehl- oder Totgeburt sein.
Auch Menschen mit einer Abwehrschwäche oder einer erworbenen oder vererbten Krankheit des Blutsystems sind gefährdet.
Ringelröteln: Gibt es eine Impfung?
Sich vor Ringelröteln zu schützen ist sehr schwer, da die Ansteckungsgefahr am größten ist, bevor die ersten Krankheitszeichen auftreten. Anders als bei Röteln gibt es für Ringelröteln keinen Impfstoff. Da Ringelröteln über Speichel oder Tröpfchen in der Luft und über Hände übertragen werden, können nur allgemeine Hygienemaßnahmen das Übertragungsrisiko senken.
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Quellen:
infektionsschutz.de: Ringelröteln
labor-enders.de: Aktuelle Daten zur Parvovirus B19-Aktivität
rki.de: Epidemiologisches Bulletin