Rammstein: Was hinter den neuen Vorwürfen gegen Mitglieder der Band steckt

Ein Rammstein-Fan zeigt der Demonstration „Kein Rammstein-Konzert in Berlin!“ vor dem Olympiastadion in Berlin den Mittelfinger.
Fabian Sommer/dpaDie Band Rammstein wird in diesen Tagen bei ihren Konzerten in Berlin von vielen Fans gefeiert. Doch nun gibt es erneut Vorwürfe wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe — diesmal gegen ein weiteres Bandmitglied.
Anfang Juni hatten Süddeutsche Zeitung (SZ) und NDR erstmals über Vorwürfe gegen Frontsänger Till Lindemann berichtet. Demnach sollen Frauen für Sex mit dem Musiker rekrutiert worden sein, in Einzelfällen sollen sexuelle Handlungen nicht einvernehmlich stattgefunden haben. Lindemann bestreitet das.
Am Montag hat die Recherche–Gruppe über weitere Vorwürfe berichtet. Demnach trafen die Reporter eine Frau, die ihnen erzählte, wie sie vor mehr als 20 Jahren — im Alter von 17 — von Lindemann in das Landhaus eines anderen Bandmitglieds eingeladen worden sei.
Anwalt dementiert Vorwürfe
Im Haus hätten ihr die beiden Männer — so schildert es die Frau — viel Alkohol gegeben, später habe sie sich berauscht in ein Bett gelegt. Der Gastgeber habe sich neben sie gelegt, sie umgedreht und mit ihr Sex gehabt. Diesen Sex habe sie nicht gewollt, sie habe aber nicht nein gesagt, sondern sei einfach dagelegen. „Ich war wie off, abgetrennt von mir selbst“, wird die Frau zitiert. Der Gastgeber habe gewusst, dass sie extrem betrunken gewesen sei, er sei bei ihrem Alkoholkonsum dabei gewesen.
Ihre Aussage hat die Frau laut den Berichten an Eides statt versichert. Weitere Personen sollen versichert haben, dass die Frau in der Zeit nach dem mutmaßlichen Vorfall mit ihnen über die Ereignisse gesprochen hatte. Mit einer anderen Person aus der Band hatte die damals 17–Jährige laut eigenen Angaben eine kurze, einvernehmliche Affäre. Das betreffende Bandmitglied war zu dieser Zeit fast 40 Jahre alt.
Der Gastgeber der Nacht im Landhaus ließ die Vorwürfe laut SZ durch einen Anwalt dementieren. Ein weiterer Anwalt soll demnach mitgeteilt haben, über den Komplex zu berichten, sei rechtswidrig. Auch die Redaktion dieser Zeitung hat mehrere Anwälte um Stellungnahmen zu den neuen Vorwürfen gebeten. In einem Fall erhielt die Redaktion am Montagnachmittag keine Antwort, in einem anderen wurde ihr untersagt, über den Inhalt der Antwort zu berichten.
Frauen schildern als beängstigend empfundene Situationen
Die Journalisten von SZ und NDR schreiben in ihren neuen Berichten auch über eine Frau, die sagt, sie habe 1996 mit Rammstein–Mitgliedern in einem Hotel in Gera gefeiert und getrunken. Dann habe sie das Bewusstsein verloren. Morgens sei sie nackt auf dem Fußboden aufgewacht, ihr Unterleib habe sich „wie zerfetzt“ angefühlt. Die Frau sagt demnach heute: „Ich habe vorher Sex gehabt in meinem Leben und habe auch danach Sex gehabt in meinem Leben. Solche Schmerzen hatte ich vorher nie und nachher nie.“ Was in der Nacht genau passiert sei, wisse sie nicht.
Mehrere Frauen hatten in den vergangenen Monaten — teilweise anonym — Vorwürfe gegen Rammstein–Sänger Lindemann erhoben. Sie schildern als beängstigend empfundene Situationen. Lindemann weist Vorwürfe gegen ihn zurück. Seine Anwälte verweisen auf Behauptungen in sozialen Netzwerken, Frauen seien bei Konzerten „mithilfe von K.-o.-Tropfen beziehungsweise Alkohol betäubt worden, um unserem Mandanten zu ermöglichen, sexuelle Handlungen an ihnen vornehmen zu können“. Diese Vorwürfe seien „ausnahmslos unwahr“. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat vor kurzem ein Ermittlungsverfahren gegen Lindemann eingeleitet. Bei Verdacht auf eine Straftat muss sie ermitteln. Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt die Unschuldsvermutung.

