Bekannt ist sie geworden als lautstarke Aktivistin gegen Putin: Maria Aljochina von der Punkband „Pussy Riot“ ist jetzt in Berlin. Ihre anderen Bandmitglieder halten sich in anderen Ländern auf. Als regierungskritische Stimmen in ihrem Land haben sie sich nicht mehr sicher gefühlt – und haben sich von Russland aus auf die Flucht gemacht. Jetzt wollen sie das tun, was sie am besten können: Gegen Wladimir Putin protestieren. Mit einer Reihe von Konzerten gegen den Krieg wollen sie genau das tun. Wann, wo und wo es Tickets gibt – das erfahrt ihr hier.

Pussy Riot Konzerte: Termine in Stuttgart, Hamburg, Barcelona

Die Tournee hat am 12. Mai in Berlin unter dem Titel „Riot Days“ begonnen. Benannt ist die Anti-Kriegs-Tour nach dem gleichnamigen Buch „Riot Days“ von Aljochina.  Hier alle Konzerte, die bisher bekannt sind:
  • 12. Mai: Funkhaus Berlin
  • 13. Mai: Rostock
  • 14. Mai: Kassel
  • 15. Mai: Sankt Johann in Österreich
  • 17. Mai: Kammerspiele München
  • 18. Mai: Stuttgart
  • 20. Mai: Duivendrecht, Niederlande
  • 23. Mai: Elbphilharmonie Hamburg
  • 24. Mai: Lich
  • 26. Mai: Ljubljana, Slowenien
  • 27. Mai: Tübingen
  • 28. Mai: Völklingen
  • 1. Juni: Barcelona, Spanien
  • 2. Juni: Zaragoza, Spanien
  • 4. Juni: Madrid, Spanien
  • 8. Juni: Porto, Portugal
  • 9. Juni: Lissabon, Portugal

Pussy Riot Tour: Hier gibt es Tickets

Wo kann man die Tickets für die Konzerte kaufen? Und: Was kosten sie?
Auf der Seite des Veranstalters „XJAZZ“ gibt es die ersten Tickets für die „Riot Days“ Tour. Sie kosten 30 Euro pro Person.
Tickets gibt es auch bei anderen Anbietern, wie zum Beispiel Viagogo oder bei AdTicket. Auch hier kosten sie zwischen 30 und 35 Euro pro Konzert. Nicht überall sind schon Tickets zu kaufen.
Das Geld aus der Tour will die Band an ein Kinderkrankenhaus in Kiew spenden.

Pussy Riot in München: Mit der Fußfessel auf der Bühne

Maria Aljochina kann pazifistische Rufe nach einem Kompromiss zur raschen Beendigung des Ukraine-Krieges nicht verstehen. „Was würden diese Leute sagen, wenn Putin in Deutschland einmarschieren würde? Gebt ihm Deutschland oder einen kleinen Teil?“, sagte Aljochina in München, wo die Band am Abend ein Konzert geben sollte.
Um bei der „Pussy Riot Anti-War Tour“ dabei zu sein, war die Aktivistin erst kürzlich aus dem Hausarrest in Russland geflohen. Die elektronische Fußfessel trug sie bei dem Konzert, aus symoblischen Gründen, wie sie sagte. Sie wolle damit zeigen, was in ihrer Heimat geschehe.
Aljochina forderte, den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor ein internationales Gericht zu stellen. Menschenleben seien ihm und seinem Staat nicht wichtig. Dass der Westen nicht schon 2014 mit Sanktionen auf die Annektion der Krim durch Russland reagiert habe, habe sie schockiert. Stattdessen habe man mit ihm Hände geschüttelt.
Jetzt rief die Musikerin dazu auf, so rasch wie möglich kein Gas und Öl mehr aus Russland zu beziehen. „Europa sponsert diesen Krieg“, sagte sie. Zur Hauptsendezeit werde im russischen Staatsfernsehen darüber geredet, Atombomben in europäische Städte zu schicken. „Wie könnt ihr diese Leute bezahlen?“ Gespräche könnten sich Aljochina und ihre Bandkollegin Diana Burkot mit den Grünen vorstellen.

Pussy Riot: Flucht aus Russland wegen Ukraine-Krieg

Maria Aljochina hat die Hoffnung auf Freiheit in ihrem Heimatland nicht aufgegeben. Sie habe die 90er Jahre mit den Lockerungen erlebt und wisse, dass Russen die Freiheit lieben, das könne wunderbar sein, sagte Aljochina nach ihrer Flucht aus Russland dem Sender RBB. Doch diese Freiheit sei zerbrechlich, und unter Präsident Wladimir Putin werde es sie nicht geben. Daher werde sie weiter mit Pussy Riot gegen das russische Regime protestieren.
Aljochina (33) sagte weiter, man müsse gegen Putin und seine Verbrechen wie den Krieg in der Ukraine ankämpfen und nicht aufhören, zu protestieren, und den Opfern wie den ukrainischen Flüchtlingen helfen. Dafür wolle sie auf Konzerttour gehen mit ihren Mitkämpferinnen. Diese Tour sei schon im vergangenen Jahr geplant worden, sagte Aljochina dem Sender Flux FM. Auch das sei ein Grund für die Flucht aus Russland gewesen.
Trotz Überwachung durch die Polizei konnte Aljochina aus Russland entkommen. Mit Hilfe von Freunden sei sie über Belarus nach Litauen gelangt, wie sie der „New York Times“ und den Radiosendern sagte. Um ihren Überwachern in Moskau zu entkommen, habe sie sich als Essens-Lieferantin verkleidet.
Im April habe sie beschlossen, Russland zu verlassen. Die Polizei habe angekündigt, ihren Hausarrest in 21 Tage Straflager umzuwandeln. Sie sei von einem Bekannten mit einem Auto an die Grenze zu Belarus gebracht worden und habe nach etwa einer Woche Litauen erreicht. Zweimal sei sie von belarussischen Grenzschützern abgewiesen worden, beim dritten Mal habe es dann geklappt. Ein nicht genanntes europäisches Land habe ihr ein Reisedokument ausgestellt, das ihr einen ähnlichen Status wie eine EU-Bürgerin verliehen habe. Dieses Dokument sei nach Belarus geschmuggelt worden. Sie hoffe trotz allem, irgendwann nach Russland zurückkehren zu können.