Prozess gegen Marius Borg Høiby: Zeugen berichten über die Nacht auf Skaugum

Zeugen berichten vor Gericht über ihre Eindrücke der Party auf Skaugum – ihre Aussagen stehen nun im Mittelpunkt des Verfahrens.
Ane Hem/Pool NTB Scanpix/AP/dpaAm vierten Verhandlungstag im Prozess gegen Marius Borg Høiby (29) rücken erneut die Ereignisse rund um eine Party auf dem Anwesen Skaugum in den Mittelpunkt. In dem Verfahren geht es unter anderem um den Vorwurf einer Vergewaltigung ohne Geschlechtsverkehr, die sich laut Anklage nach einer Party im Jahr 2018 ereignet haben soll. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit bestreitet die Anschuldigungen in diesem Punkt weiterhin.
Bereits zu Wochenbeginn hatte eine der mutmaßlich geschädigten Frauen vor Gericht ausgesagt und den Abend sowie die Stunden danach aus ihrer Sicht geschildert. Ihre Aussagen stehen im Zentrum der Beweisaufnahme. Am Donnerstag folgten die Aussagen zweier Personen, die ebenfalls bei dem Nachspiel anwesend waren. Dabei ging es vor allem um die Frage, in welchem Zustand sich die Anwesenden befanden und wie die Atmosphäre in den späten Stunden wahrgenommen wurde.
Nach übereinstimmenden Aussagen seien viele Gäste alkoholisiert gewesen, jedoch nicht in einem Ausmaß, das als völlig außer Kontrolle beschrieben werden könne. Zudem wurde bestätigt, dass mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Nacht vor Ort verbrachten.
Zeugin schildert Eindrücke vom Abend
Am Freitag traten zwei weitere Personen in den Zeugenstand, die an jenem Abend ebenfalls auf Skaugum anwesend waren. Die Verteidigung nutzte die Gelegenheit, um gezielt nach dem Eindruck der Zeugen zu fragen. Eine der Zeuginnen erklärte, sie habe nicht den Eindruck gehabt, dass jemand so stark betrunken gewesen sei, dass es sie alarmiert hätte. Aus ihrer Sicht habe sich die Situation im Rahmen dessen bewegt, was bei Feiern mit Alkohol leider nicht ungewöhnlich sei.
Zugleich sagte sie aus, dass ihr keine intensiven Gespräche oder ein auffälliger Kontakt zwischen Marius Borg Høiby und der mutmaßlich Geschädigten in Erinnerung geblieben seien. Sie habe daher keine Grundlage, um einzuschätzen, ob zwischen den beiden eine flirtende Stimmung geherrscht habe oder nicht. Diese Einschätzung ist für das Gericht relevant, da im Verfahren unter anderem die Frage geklärt werden soll, wie die Interaktionen zwischen den Beteiligten vor dem mutmaßlichen Übergriff ausgesehen haben.
Aussage steht im Kontrast zu Vorwürfen
Die Zeugenaussagen werden nun von Staatsanwaltschaft und Verteidigung unterschiedlich interpretiert. Während die Verteidigung betont, dass es keine auffälligen Beobachtungen gegeben habe, verweist die Anklage weiterhin auf die Aussagen der Geschädigten sowie auf weitere Beweismittel, die im Laufe des Prozesses vorgelegt wurden. Entscheidend ist dabei weniger die allgemeine Stimmung auf der Feier, sondern die konkrete Situation, in der es laut Anklage zu dem Übergriff gekommen sein soll.
In den kommenden Verhandlungstagen sollen weitere Zeuginnen und Zeugen gehört werden. Ihre Aussagen könnten entscheidend dafür sein, wie das Gericht die Geschehnisse auf Skaugum im Jahr 2018 bewertet.
Quelle: nettavisen.no

