„Ich war völlig bewusstlos“
: Erste Geschädigte sagt im Prozess gegen Marius Borg Høiby aus

Im Prozess gegen Marius Borg Høiby hat erstmals eine der mutmaßlichen Geschädigten ausgesagt – sie beschreibt die Nacht des Vorfalls als Schock und völlige Handlungsunfähigkeit.
Von
Judith Müller
Oslo
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A court sketch depicts Marius Borg Hoiby (C), son of Norwegian Crown Princess Mette-Marit, flanked by Defense attorneys Ellen Holager Andenaes and Petar Sekulic during the first day of the trial against Hoiby, in Oslo on February 3, 2026. The son of Norway's crown princess pleaded not guilty to four counts of rape at the opening of his high-profile trial in Oslo, an AFP journalist in the courtroom reported. (Photo by Ole Berg-Rusten / NTB / AFP) / Norway OUT

Die erste Zeugin im Prozess gegen Marius Borg Høiby berichtet von den mutmaßlichen Übergriffen – sie bezeichnet die Erfahrung als Schock und Verrat.

OLE BERG-RUSTEN/AFP

Im laufenden Strafprozess gegen Marius Borg Høiby (29), Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, hat nun erstmals eine der mutmaßlichen Geschädigten ausgesagt. Die Frau berichtete vor Gericht über die Nacht, die laut Anklage 2018 in der Kellerstube der Residenz Skaugum stattfand. Høiby bestreitet die schwerwiegendsten Vorwürfe, unter anderem die Vergewaltigung, die das Opfer betrifft.

Schockierende Beweisführung

Am Dienstag wurden der Frau vier Videos und zehn Standbilder gezeigt, die die Staatsanwaltschaft auf Marius Borg Høibys digitalen Geräten gefunden hat. Die Öffentlichkeit kann das Material nicht einsehen. Laut Anklage zeigen die Aufnahmen, dass die Frau während der Tat bewusstlos war und Høiby sie in dieser Zeit berührte. Die Zeugin beschrieb vor Gericht: „Ich sehe, dass ich völlig bewusstlos bin. Es sieht nicht einmal so aus, als würde ich atmen. Ich habe mich noch nie so gesehen.“

Sie bezeichnete die Situation als „echten Verrat und Schock“ und erklärte, dass sie zunächst nicht glauben konnte, dass Høiby ihr etwas angetan haben könnte. Auch ihr Polizeiverhör, in dem ihr die Videos gezeigt wurden, habe sie emotional stark belastet und sie sei dabei zusammengebrochen.

Konfrontation mit alten Nachrichten

Die Verteidigung, vertreten durch Petar Sekulic, konfrontierte die Frau mit Nachrichten, die sie 2015 mit Høiby ausgetauscht hatte. Sekulic deutete diese als potenziell flirty, was das Opfer zurückwies. Auch während des Verhörs betonte die Frau mehrfach, dass sie der Polizei nie ihre private Beziehung zu Høiby vorwerfen wollte, und dass sie zu dem Zeitpunkt das Ausmaß des mutmaßlichen Übergriffs nicht vollständig erfasst habe.

Verdacht auf Drogen

Die Frau äußerte zudem die Vermutung, dass sie möglicherweise drogenbedingt handlungsunfähig gewesen sei: „Vielleicht habe ich etwas bekommen, das ich selbst nicht eingenommen habe“, sagte sie. Das entscheidende Videomaterial erstreckt sich über rund 13 Minuten, in denen die Staatsanwaltschaft behauptet, dass Høiby die Tat beging, bevor das Opfer die Residenz Skaugum verließ.

Prozess bleibt im Fokus

Der Fall von Marius Borg Høiby zieht weiterhin große Aufmerksamkeit auf sich. Bereits kurz vor Prozessbeginn war er nach neuen Vorwürfen festgenommen worden und sitzt derzeit wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Neben den Sexualdelikten sieht sich der Sohn der Kronprinzessin auch weiteren Anklagen gegenüber, darunter Körperverletzung, Drogendelikte und Bedrohung.

Der Prozess, der bis Mitte März angesetzt ist, wird unter Ausschluss der Kameras geführt. Die Aussagen der ersten Zeugin könnten entscheidend für den weiteren Verlauf sein, während das Königshaus erneut unter öffentlicher Beobachtung steht.

Quelle: vg.no